Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 24 (6.6.1853)
- Date
- 1853-06-06
- Page
- Seite 292 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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292 aus nicht in jener Trennung von den übrigen Kulturrichtungen der Menschheit, nicht in jener Entfremdung und Jsolirtheit von Allem, was sonst in der Welt der Menschen gilt, welche der Religion, welche der Theologie bei dem neuern Menschen schon so vielen Abbruch gethan. Die Religion erscheint so als das, was sie in Wahrheit ist, als die Krone des Menschenthums, die ohne Anmaßung alle Erwerbniffe der Menschheit als Edelsteine in ihren goldenen Reif einsetzt. Allerdings muß auch hier nicht aus irgend einer Vorliebe der Wahrheit zu nahe getreten werden. Die Naturwisienschaft muß zu nichts Anderm gebraucht werden, als wozu sie der Wahrheit gemäß gebraucht werden kann. Die Naturwiffenschaft kann nichts weiter — aber hierin ist sie unerschöpflich — alS: Gott in seinem Verhältnis zur Welt, als Schöpfer und Erhalter des Weltalls und aller Dinge zum Bewußtsein bringen, und dem Menschen das unermeßliche Beispiel der Zweckmäßigkeit und Ordnung geben. Aber weiter nichts. Die wahre Tiefe des göttlichen Wesens thut sich uns erst offenbar, wenn wir auf Grund der Schriftlehre Gott in seinem Verhältniß zum Menschen betrachten, und von da ab die Grundlage der Sittenlehre finden. Es kann nicht scharf genug betont werden, daß die Natur für die Ethik kein Fundament und keinen Anhalt bietet, daß der Mensch gerade da anfängt ein ethisches Wesen zu sein, wo er aus der Natur heraustritt; daß nur für die Elternliebe die Natur und selbst da ein kümmerliches Analogon während der kurzen ersten Zeit des Lebens enthalt, darüber hinaus weder für Liebe, noch für Recht, noch für Pflicht irgend eine Spur. Hierin muß alle Illusion vermieden werden, damit der Zögling wohl erkennt, daß er sein ethisches Wesen nicht dem Blick in die Natur, sondern der religiösen Idee des Iudenthums verdankt. Eben so wenig darf zur rechten Zeit dem Schüler erspart werden zu erkennen, daß die bloße Naturbetrachtung dem Menschen immer nur eine sehr schlüpfrige Bahn der Erkenntniß gegeben hat, auf der er die vielfältigsten und verschiedenartigsten, ja den blödesten Jrrthümern ausgesetzt war, daß erst dann eine richtigere Anschauung der Natur erstand, als die religiöse Idee des Iudenthums in die Welt getreten, daß selbst die Anschauung der Natur als einer Einheit in Wirklichkeit erst durch diese religiöse Idee dem Menschen gegeben worden. Dies muß der Zögling scharf erkennen, damit der sonst so sehr verbreitete Irrthum, als bilde der Mensch die religiöse Idee vermittelst der Natur sich selbst, sich immer mehr zerstreue. DieS sind die allgemeinen Gesichtspunkte, die im Religionsunterrichte hinsichtlich der Naturwiffenschaft zu beachten sind, und die sich in die beiden Sätze formuliren lassen: 1) die Naturwiffenschaft muß zu einem integrirenden Elemente des Religionsunterrichts werden, und so die Religionslehre sowohl inhaltsreicher gemacht, als aus jeder Jsolirung vom übrigen Wissen und Forschen des Menschen herausgezogen werden; 2) es muß dann der Naturwissenschaft innerhalb der ReligioSlehre sowohl ihrem wahren Inhalte als der Geschichte gemäß ihre rechte Stellung angewiesen werden, insofern sie nur theilweise den Gottesbegriff zu fundiren vermag, und für das ethische Wesen des Menschen keine Unterlage darbietet.*) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus der Rheinpfalz, 13. Mai. (Fr. I.) Bei den jüngst in Obermoschel vorgenommenen Stabtrathswahlen ist der israelitische Kaufmann Herr EliaS Simon von der großen Mehrheit christlicher Wähler zum Stadtrathe ernannt worden, und wie wir hören, ist Aussicht vorhanden, daß derselbe auch zum Bürgermeister erwählt werde. Diese Erscheinung, von der Vorurtheilslosigkeit der Christen sowohl, als von der Würdigkeit deS Juden Zeugniß gebend, ist doppelt erfreulich und verdient in einer Zeit, wo der finstere Geist wieder überall umherschleicht, um die Konfessionen zu trennen, und aus einem Lande, wo in Folge des strengen Vorgehens der Gerichte gegen einzelne Individuen das Vorurtheil feindselig und ungerecht so oft gegen alle Juden gerichtet ist, ganz besonders hervorgehoben zu werden. Frankfurt a. M., Ende Mai. (H. C.) Die Vorschläge, welche der Senat dem gesetzgebenden Körper in Betreff der Emancipation der Israeliten gemacht hat, werden von der Legislative wohl ohne weitere Debatte angenommen werden. Der Senat hatte fämmtliche Propofitionen erst vertraulich dem politischen Ausschüsse des Bundestags unterbreitet und von Herrn v. Prokesch die Versicherung erhalten *) S. Natur und positive Religion, ein Gespräch in Nr. 22 des Iahrg. 1850.