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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-30 · Heft 23 (30.5.1853) · p. Seite 287

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 23 (30.5.1853)
Date
1853-05-30
Page
Seite 287 (sequence 11)
Language
German
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287 hin; hinter den Zellen fanden sich weite Hürden für allerlei Vieh, für Kamele und Rosse, für Esel, Rinder und Schafe; durch die Zeltzassen bewegten sich Männer, die noch Vorräthe herbeischassren, Frauen mir Krügen voll Wassers auf den Köpfen, Kinder, die spielten; auf einzelnen Plätzen hatten sich wohl auch Haufen versammelt — da hatte ein begeisterter Sänger die Harfe ergriffen, eine Anzahl Hörer schaarte sich darum, lauschte den weihevollen Tönen, und siel hin und wieder mit lautem Sange ein — weiterhin dort hatte ein heiterer Jüngling die Flöte an den Mund gesetzt, ein andrer die Handpauke ergriffen, und mit lustiger Weise die Füße der Umherstchenden zum Tanze in Bewegung gebracht... Fern ab auch, auf Hügeln, erglänzten die Waffen der zahlreichen Wachten im Sonnenstrahl, Zeugen, daß man unter dem Schutze eines ordnendes Geistes der Ruhe und dem Spiele sich überlassen könne — — aber Naarah hatte alles Dies vielleicht höchstens mit Einem Blicke überschaut, denn schnell wandte sie sich an ihren Begleiter: „Wird denn Esra auch sicher heute noch im Lager eintreffen? ich sehe seine Standarte über den Zelten nicht." „Du kannst ruhig sein, Naarah ... ich hatte in voriger Nacht einen Boten von ihm, wie verabredet worden — und er hat auch dort sein Ziel erreicht — an zweihundert levirische Zünglinge begleiten ihn..." Naarah trieb ihr Maulthicr etwas näher heran, und stüsterte jenem zu: „Ach, Schcmajah, ich bange sehr vor diesem Begegniß... ich habe ihn seit Monden nicht gesehen -nicht gesehen?... ach, wann sch' ich ihn nicht?... hätten wir nicht besser daran gcthan, uns nie wieder zu treffen?..." „Naarah", antwortete Esra's Bruder leise, aber nachdrücklich — „frage Dich selbst und beantworte Dir selbst diese Frage — hättest Du es vermocht, hättest Du es erttagen, ihn geschieden zu wissen, ohne ihn noch einmal zu sehen?..." Die Jungfrau beugte ihr Haupt zum unwillkührlichen Zeugniß des Einverständnisses. „... wohl, Esra hätte es auch nicht vermocht," fügte er hinzu. In diesem Augenblicke erhebt sich jenseits dcS Lagers, von dem Abhange des jüdischen Gebirgszuges, aus dem der Aheva hervorströmt, her eine Staubwolke, die immer näher und näher kömmt. Schemajah schaut scharf hin — „ha! da kommt Er!"... ruft er freudig aus, er läßt den Zügel des Maulthicrcs los, sprengt im Galopp dem andern Reiter entgegen, und die Jungfrau, sich dichter in ihren Schleier hüllend', folgt langsam mir dem Diener. Die beiden Brüder mochten im Lager sich grttvffen und schnell besprochen haben, bald kehne Schemajah zurück, ergriff hastig den Zügel wieder, und leitete Thier und Reiterin ichnellcr nach einem wohlgczierten Zelte in der Mitte des Lagers; er hebt das zitternde Mädchen aus dem Sattel, von innen wird schnell der Vorhang des Zeltes hinwcggerisscn, und Naarah steht wieder vor Esra — wie Vieles, wie Großes, wie Schweres lag zwischen ihrem letzten und diesem Begegniß... Schemajah ttar nicht mir ein, sondern fühtte die Thicre abseitcus, der Vorhang fiel, die beiden Menschen, die sich so unendlich liebten, und sich dennoch ttennen sollten — waren allein. Esra hatte die Hand Naarah's gefaßt, und schaute in ihr Antlitz, senkte seinen Blick tief und immer tiefer in den ihren — aber so viel Trauer, so viel Weh. war in beiten, daß sie keine Umarmung, keinen Kuß der Liebenden fanden, sondern die Hand des Einen zitterte in der Hand des Andern. Und dennoch gewann die Jungfrau zuerst das Wort wieder. „Esra!" sprach sie zögernd und leise, „wir trafen uns — um uns noch einmal zu trennen, und diesmal auf immer..." „Naarah!" Hub Esra an, „ist denn solche Trennung geboten? ist sie auf immer geboten? kann der Fall nie gedacht werden, daß Du mir zur heiligen Stadt folgest mit Deinem Vater, wenn ich dorr erst Fuß gefaßt, und das Werk der Verjüngung vorgeschritten, das Werk der Wiederherstellung vorwärts gekommen?... O, laß mir, laß mir diese Aussicht — als einen Preis meines Ringens ... und sei cs noch so fern-." „Nein! Esra," antwortete bestimmt Naarah, „nicht so — keine Aussicht, wo nur Entsagung, keine Hoffnung , wo nur Täuschung... So wenig wie ich jetzt mit Dir ziehen kann, so wenig kann ich jemals Dir folgen; und wenn ich ganz frei, und wenn mein blinder Vater nach Gottes Willen längst unter dem Rasen schläft — das Werk, das Du begonnen, cs duldet kein Weib und kein Kind neben sich..." „Und warum nicht, Naarah?..." verlor sich Esra fragend und sinnend. „Ach, Du weißt cs, Esra — und nein! ich reiße diese Schwäche aus meinem Fraucnhcrzcn.. . nicht wie zu Moscheh'S und Aharon's Zeit und nicht mit Moschrb's und Aharon's Kraft beginnst Du Deinen Kampf... da

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