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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-30 · Heft 23 (30.5.1853) · p. Seite 286

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 23 (30.5.1853)
Date
1853-05-30
Page
Seite 286 (sequence 10)
Language
German
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286 —. Ende Juni erscheint in Brieg (Schlesien) VolkSkalender für Israeliten auf daS Jahr 1853/1854, wie früher vom verstorbenen M.-Brz^lauer, vom israelitischen Religionslehrer H. Liebermann. —. Der als hebräischer Schriftsteller rühmlich bekannte Herr G. 3. Polak zu Amsterdam giebt, in Nachahmung der ri»vn von Wessely, eine Jonaide heraus nri'd in vier Gesängen, das Exemplar zu 2 Fl. —. In der E. H. Cohn'scheu Buchhandlung in Schwerin a. W. erscheint eine Konjugations- und DeklinationS-Tabelle der hebräischen Sprache, 6 Bogen gr. 8. Belletristisches. Esra. Eine Novelle. Schluß a»S No. 11. 13. 14. 16. 17. 20. 21. 22.) 9. Esra hatte die außerordentlichsten Anstrengungen gemacht. Freilich war sein Wort an ein Geschlecht ergangen, deffen Ohr der prophetischen Rede verschlossen war, ein Geschlecht, das sich recht wohl fiihlte in den Gefilden Persiens, Mcdiens und Babels unter dem milden Zepter der persischen Herrscher, und cs daher für seine volle Bestimmung erachtete, dem Erwerbe zu leben und der erhabenen Aufgabe seines Volkes höchstens eine Erinnerung zu widmen; ein Geschlecht, welches in seinen meisten Gliedern wohl Sroßpsalmen und Jammergebete um die Wiederherstellung der heiligen Stätten auszustoßen pflegte und bei Leibe hiervon nicht abließ, es aber für reine Phantasterei hielt, für diese Stätte irgend ein Erkleckliches zu thun. Auch waren genug, welche auS eigennützigen Absichten den Bemühungen Efra's, wenn auch nicht offen, das wagten sic nicht mehr, doch heimlich entgegenw rkten, sie in's Lächerliche zu ziehen, sie deS Schimmers des Heiligen, deS Glanzes der Hingebung zu entkleiden suchten. Dennoch hatte sich eine Schaar glühender Jünglinge, ein Haufe muthigrr Männer um ihn versammelt, welche ihm folgen wollten durch die großen und furchtbaren, durch die Menschenverzehrenden Wüsten, die sich zwischen ihnen und dem ersehnten Heimathlande ihres Volkes breiteten. Er hatte ihnen in geringer Entfernung von Ekbatana am Ufer des weithinströmenden Aheva einen Sammelplatz bestimmt, daselbst den Zug zu bilden, und von dort aufzubrechen. Der zwölfte Tag des ersten Mondes sollte sie von dannen ziehen sehen. Einige Tausend kräftiger Israeliten hatten sich da eingefunden, gesammelt, nicht bloS aus Juda und Dinjamin, sondern aus fast allen Stämmen — denn in der Gefangenschaft hatten sich Viele der ftüher feindlich Getrennten wieder gefunden, und waren in Juda aufgegangen — und auch auS den Priestern eine verhältnißmäßige Zahl. Nur ein Theil Jfrael'S war noch unvertteten, und ihn konnte und mochte Esra nicht vermissen — Levi. Wie schon unter Serubabel nur einige hundert Leviten zur Rückkehr sich bestimmt hatten — weil sie im heiligen Lande kein großes ausgedehntes Stammeigenthum erhalten sollten, aber der Dienst deS Tempels ihnen gleichgültig war — so waren auch jetzt Leviten ganz auSgeblieben, und doch konnte Esra ihrer zur Wiederherstellung des Gesetzes Moscheh'S gar nicht entbehren. Nachdem er daher mit den Versammelten ein dreitägiges Fasten gehalten, vom Herrn im Himmel einen glücklichen Zug zu erbitten, sicher vor den lauernden Räubern und den streifenden Feinden in der Wüste — denn die Begleitung königlicher Schaaren hatte er zurückgewiesen — machte er sich, von zweien tteuen Knappen begleitet, nach dem fernen Jddo auf, wo des Levitenstammes Viele sich ansässig gemacht, um unter der Mitwirkung der Angesehensten sich eine stattliche Zahl d rselben zum Zuge nack Jerufchalajim zu erwerben. Es war gegen Abend deS vietten TazeS nach dieser Abreise Esra'S, am Abend vor dem zum Abmarsche der großen Karawane bestimmten Tage, alS von der Stadt her, deren goldene Zinnen iui fernsten Osten glänzten, einige Personen dem Lager am Aheva zuzogen. ES war eine verschleiette Jungfrau auf einem Maulthiere, ein kräftiger Jüngling ihr zur Seite auf feurigem Rosse, hinter ihnen ein Diener mit dem Schild und dem Speer des Jünglings. Dieser bändigte mit außerordentlicher Kraft sein Roß und führte dabei den Ziegel deS Maulthieres, daß die Jungftau sich nicht damit zu beschäftigen brauchte. Und mit welcher Sorgfalt leitete er eS, daß er jede Unebenheit deS BodenS vermied und die von zahllosen Blumen duftendsten Stellen der Flur oder dm schattigsten Waldfieck ttaf! ES herrschte Schweigm zwischen diesen Personm seit lange; endlich begann der Jüngling: „Sieh auf, Naarah, wir find dicht am Ziele..." Sie hatten eben eine kleine Höhe erstiegen, und vor ihnen, noch von der unveränderten Sttahlmgluth der Abendsonne übergoldet, lag daS Lager. Da reihete sich Zelt an Zelt zu langm Gaffen

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