Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 23 (30.5.1853)
- Date
- 1853-05-30
- Page
- Seite 285 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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285 Zisternen sich anfüllten. — Die Unruhen in der heiligm Stadt Hebron find bis jetzt noch nicht vorüber, denn der frühere Kommandant, Abdarahman, hat sich zu den Beduinen geflüchtet, fällt, sobald die Gelegenheit günstig ist, in Hebron und die Umgegend ein, raubt so viel er kann, und eilt mit der Beute davon. — Von den Streitigkeiten in hiesiger Stadt zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen schweige ich; doch hat in Folge derselben der Pascha vor einigen Wochen den Beseht erlassen, daß jeder Türke sich mit Waffen versehen und sie beständig tragen müsse, selbst die niedrigste Klaffe, während eS seit Ibrahim- Pascha bis jetzt verboten war, daß ein Ziviltürke ein Gewehr trage. — Zum Leidwesen aller Gebildeten sand jüngst auch von Seiten der Juden ein Skandal statt, der aber immerhin denen zur Last fällt, die ihn provozirten. Es waren dies die englischen Misfionaire. Bon diesen stellten sich einige Neuangekommene gerade an Purim auf öffentliche Straße hin predigen. Anständige Personen würdigten sie natürlich nicht eines Blickes, aber das gemeine Publikum umher, als sie kaum zu predigen begonnen hatten, erhob ein Hurrahgeschrei und bald flogen Katzen und Hunde, deren eS in türkischen Straßen immer viele giebt, ihnen in's Gesicht, bis jene mitten im Sprechen mit großer Schande entflohen; die Konsuln nahmen keine Klage deshalb an. — Ein eigenthümlicher Vorgang 'fand vor Kurzem hier statt. Hier ist die Sitte, daß der türkische Fleischer seine Schafe schlachten läßt, daö Vordertheil, wenn eS “ias=i wird, nimmt der jüdische Fleischer, daS trefene Fleisch und daS Hintertheil behalten die Türken. Diesen Winter fiel es diesen ein, da der Gebrauch bei unS ist, die Wolle an dem Orte, wo gefchächtet wird, abzureißen, um das Messer nicht zu verderben, daß dies ein -rsL sei, sie wollten eS nicht dulden, so daß wir eine Zeit lang gar kein Fleisch hatten, da hier bloS Schafe geschlachtet werden — bis durch Vermittelung deS österreichischen Konsuls wir eine eigene Schlachtbank errichteten und Schafe auf eigene Rechnung kaufen. Dadurch kommt das Fleisch aber unS sehr cheuer, denn die Türken betrachten unser Fleisch als trefa, weil wir, wie gesagt, die Wolle an jener Stelle auSreißen, und zweitens weil der Schächter durchaus ein bims1’ *p binar sein muß, wofür sie nur die n^-nso erkennen, unsere rrbinar (Aschkenasim) kannten sie nicht. Zwar kann man für einiges Geld einen irrrr vom Kadi erhalten, der dann erklärt, er habe sich überzeugt, daß eS ein binar binas-’ sei und alle Türken von seiner rv^nar essen dürften — aber für daS AuSreißen der Wolle vermag er dies nicht. Wir müssen daher unser trefeneS Fleisch für ein sehr Billiges den Christen überlassen. — Im vergangenen Monat vernahmen wir von dem verruchten Anfall auf den Kaiser von Oesterreich Majestät. Wir versammelten unS in allen Betschulen und sagten Psalmen. — Sitetarifcbe Nachrichten. Leipzig, im Mai. So eben ist unter die Presse gegeben eine nene Ansgabe des in den Jahren 1834 — 1836 herausgekommencn Israelitischen Predigt - nnd Schulrnagazins von Dr. Ludwig Philippson. Das vor fast 19 bis 17 Jahren erschienene Magazin hat, nachdem eS vergriffen, noch immer so viele Nachfrage gefunden, daß dieselbe eine zweite Ausgabe nöthig macht. Jndeß wird iu diese Ausgabe nur das Beste, mit Ausscheidung alles dessen, was der Zeit angehörte und von minderem Interesse ist, ausgenommen, die 3 Bände werden in Einen Band, die 80 Bogen der ersten Auflage in circa 30 gr. 8. Bogen reduzirt. Dadurch kann der Preis, der ursprünglich 6 Thlr. war, bedeutend geringer gestellt werden, und der Käufer erhält nur Das, was er erwünscht. Die neue Auflage enthält in der ersten Abtheilung eine bedeutende Reihe von Sabbat- und Festpredigten, die den Ruf des vr. Philippson als Kanzelredner begründeten, und welche als Ausfluß der lautersten jugendlichen Begeisterung und Hingebung au sein israelitisches Amt überall Begeisterung zu zünden und die Geister zu erheben vermögen; in der zweiten Abtheilung eine Reihe Abhandlungen über israelitische Schule, Homiletik, Geschichte und Literatur, unter denen hier hervorgehoben werden mögen: die Religionsschule zu Magdeburg, die beste Methode deS Konfirmationsunterrichts, Plutarch über Erziehung, Longin über das Erhabene, die Philosophie des MaimonideS, Philonianische Studien, die jüdisch-griechische Literatur, die Vertreibung der Juden aus Spanien u. dgl. Endlich reiht sich hieran eine Anzahl von Kausalreden: Konstrmations-. Grab-, Trau-, Weihreden, von denen die m e isten neu find. So viel, um auf diese zweite Ausgabe des bekannten Werkeim Voraus austnerksam zu machen. 23*