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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-30 · Heft 23 (30.5.1853) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 23 (30.5.1853)
Date
1853-05-30
Page
Seite 283 (sequence 7)
Language
German
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283 tigt von dem für Nikolsburg designirten Herrn Eisler ein Gleiches zu erwarten. Derselbe hat nebst seinen regelmäßigen juridischen und philosophischen Studien an der k. k. Prager Universität auch eifrigst linguistische und historische Kenntnisse bei Rapoport und Dr. Wessely sich erworben, und wird in seiner dermaligen Stellung desto mehr Energie ausbieten müssen, da ihm nicht geringe Schwierigkeiten bei der Disziplin einer verwahrlosten Jugend im Wege stehen. Großbritanieu. London, 20. Mai. Unterhaus. Sitzung vom 19. Mai. Milner Gibson fragt, ob die Regierung eine neue Bill Behufs der Emanzipation der Juden einzubringen beabsichtige. Lord I. Rüssel glaubt, eS werde gerathener sein, eine Bill zur Aenderung des ParlamentS-EideS einzubringen; eine solche (von Lord Lyndhurst) liege bereits dem Oberhause vor und dürfte, im Falle der Annahme, die Frage lösen. —. Gestern Nachmittag hatte eine Deputation der Citywähler eine offizielle Besprechung mit Lord I. Rüssel wegen der zum siebenten Male durchgefallenen Judenbill. Lord John bekannte, daß auch ihn die Entscheidung deS Oberhauses ^unangenehm überrascht habe, da er keine so große Majorität gegen die Bill erwartete. Einer neuen Bill könnte er in dieser Session kein Glück weissagen. Schließlich bestellte er die Deputation auf Sonnabend wieder. —.21. Mai. Die Deputation der Citywähler war heute wieder im offiziellen Hotel Lord I. Russells in Whitehall; der edle Lord befand sich jedoch beim KabinetS-Konseil und halte einen schriftlichen Bescheid zurückgelassen, deS Inhalts, daß die Regierung den Erfolg der Lord Lyndhurst'fchen Bill abwarten wolle, ehe sie eine vollständige Judenemanzi- PationS-Maaßregel vorbringt. London, im Mai. (Jew. Chron.) Ein Meeting sehr einflußreicher Männer der City fand am 5. statt, und beschloß einstimmig, daß Baron Rothschild auf seinen Sitz nicht refigniren solle, trotz des ungünstigen Beschlusses der Peers. Ein Komitee wurde gewählt, um die füglichen Mittel zu erwägen, diese Frage in günstiger Weise zu lösen. (Wie ein Komitee, das erwägen soll, wie man den Mond zum Scheinen bringt, wenn er im Kalender steht! Red.) . Ein Wochenblatt, „Leader", schlagt vor, jeden Juden, der in daS Unterhaus gewählt worden, in das Oberhaus als Peer zu bringen — dem kein Gesetz entgegensteht — dann würde bas Oberbaus sicher schleunigst den Eintritt in's Unterhaus bewilligen. London, im Mai. Diese Tage fanden mm noch einige Alfanzereien als Nachspiel zu dem eben so langweiligen wie tristen Schauspiel der Parlamentsdebatten über die sogenannte Judenbill stall. Der Aldermann Salomons erschien als Appellant nochmals vor Gericht wegen seines Erscheinens im Unterhause, und wurde, nachdem eine juristische Katzbalgerei statrgesunden, zu der Geldstrafe nochmals verurtheilt. Der Borsitzende des Gerichts erklärte geradezu, daß ihm die Eristenz dieser Ausschließung sehr leid lhäte, aber da wäre sie einmal. Eine andre Farce war ein Duell zwischen Sir Robert Peel II. (dem wahrscheinlich keine ehernen Standsäulen werden gesetzt werden, wie seinem Barer) und dem Mr. Berval Osborne (einem gelausten Juden oder eines getauften Juden Sohn), wegen der starken Persönlichkeiten gegen Juden, die Peel's Rede enthalten. Es kam nichts als ein „Loch im Aermel" zu Stande. — Die englischen Zeitungen sprechen von einer lebhaften Agitation, die für den Einlaß der Juden in's Unterhaus sich bilden soll. Es ist von solcher jedes Mal die Rede, nachdem das Oberhaus eine Judenbill verworfen hat, ohne daß eS eine weitere Folge hat. Frankreich. Paris, im Mai. (L’univ. isr.) Durch eine Ministerialverordnung soll für den israelitischen Kul tusbeamlen (zm) nahe dem jüdischen Tempel in Versailles eine Amtswohnung erbaut werden; daS Gehalt desselben ist 700 FrcS. von Staatsseiten. — Die Konfistorialverwaltung des Tempels zu Paris hat einen Ausruf zu Beiträgen erlassen, um ein Grabmonument für den jüngst verstorbenen Großrabbiner Ennery zu errichten. — In diesem Jahre sind für ms-:: für die jüdischen Soldaten der Garnison, die Gefangenen und die Armen in Paris 4500 FrcS. (1200 Thlr.) auSgegeben worden. — Zu WohlthätigkeitSloterien für jüdische Zwecke sowohl hier als in Mühlhausen hat die Kaiserin prachtvolle Geschenke geschickt. — Das Konsistorium hat zwei Juden ernannt, die jedes Leichenbegängniß begleiten und die

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