Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-30 · Heft 23 (30.5.1853) · p. Seite 279

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 23 (30.5.1853)
Date
1853-05-30
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225822-3225846--13156-3299439
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

279 jener Sühne, die im innersten Heiligthum der unsterblichen Psyche vor sich geht. Was man gewöhnlich „Lohn" nennt, Las ist daS Förderungsmomcnt für die Psyche, auf dem Wege ihrer Sühne und Läuterung weiter zu schreiten. Aber die „Hinwcgschaffung des Pö'cn" heißt auch zweitens „aus deiner Mitte." Nicht bloß der Mensch als Individuum schließt eine sittliche Welt ein, sondern die Menschen in ihrer Verbindung bilden eine große sittliche Welt. Auch diese kann Gott nicht ohne Ausgleichung und Befriedigung lassen und dies ist die Vergeltung in ihrem andern Moment. Es muß diese Bcfticdigung der sittlichen Welt in großen und kleinen Erscheinungen der Vergeltung zur Anschauung kommen, es muß sich diese Vergeltung im Leben der Völker und welthistorischen Menschen dokumentiren, sie muß uns in tausend Vorgängen vor die Augen treten. Allerdings: so wenig die Natur uns ihre Gesetze und Lehren schon formulirt entgegcnträgt, eben so wenig auch die Geschichte der Menschheit und Menschen; so wenig wir tausend Erscheinungen der Natur zu deuten vermögen, eben so wenig der sittlichen Welt; so Vieles wir dort verkennen und übersehen, so Vieles auch hier. Aber bei offenen Augen brauchen wir nicht allein zu Alexander in PerscpoliS, zu Cäsar am Fuße der Bildsäule deS Pompejus, zu Napoleon auf St. Helena Zuflucht zu nehmen — wir können täglich kleine Pharaonen im rothen Meere der Vergeltung ertrinken — aber nicht untergchen sehen.'... Dieser Vergeltung, also mir einem Worte, der sittlichen Welt ist also nicht blos die Mcnschenwelt, sind nicht bloS die Vorgänge zwischen Menschen und Menschen dienstbar; auch die Natur und ihre Vorgänge muffen dem göttlichen Plane in der sittlichen Welt dienstbar, auch sie müssen Mittel zur Erreichung der göttlichen Zwecke in der sittlichen Welt sein. Freilich regnet es auf Gute und Böse, das Erdbeben verschlingt Gute und Böse, der Blitz zerschmettert Gerechte und Frevler — aber dasselbe auch in der Menschcnwrlt: das Gold und Silber bietet sich nicht bloS dem Frommen dar, das künstlerische Werk in Schrift und Plastik ist für den Frevler wie für den Tugendsamen da, der Purpur wird für den Einen wie für den Andern gefärbt. So wenig darum alle diese menschlichen Dinge dennoch des sittlichen Zweckes in ihrem lleberfluß und Mangel, in ihrem Genuß und Leide ermangeln : eben so wenig die Natur — nur daß wir uns nicht auf den kleinlichen Standpunkt deS alten Rigorismus verlieren dürfen. Stellen wir uns daher das Resultat einfach hin: Gott bedient sich zu den Zwecken seiner sittlichen Welt, also auch zur (von uns richtig verstandenen) Vergeltung, der Vorgänge in der Menschenwelt und in der Natur, so weit die letztere sittliche Wesen betrifft. Indem Er den Strom der Ereignisse leitet, indem Er die Verhältnisse in der Menschcnwclt, innerhalb derer jeder Einzelne seinen Willen bethärigt, ordnet und schickt, indem Er hierzu die Vorgänge in der Natur treten läßt, und, so sehr diese an sich nach unwandelbaren Gesetzen vor sich gehen, ihre Wirkungen mit den Vorgängen in der Menschenwelt verflicht und verwebt — bringt Er die Zwecke der sittlichen Welt und also auch die Vergeltung zur Erfüllung. Was ist es also, was wir leugnen? 1) Daß Strafe und Lohn allein in den unmittelbaren guten und bösen Folgen einer Handlung besteht — (denn unmittelbar hat sogar öfter eine an sich sittliche gute Thal böse Folgen, und umgekehrt —) fwas bisweilen die Leute „natürlich" nennen 2) daß Strafe und Lohn von Gott durch Vorgänge wider die Gesetze der Natur verhängt werden. Was ist es, was wir behaupten? 1) Daß die Vergeltung nothwendig zu der sittlichen Welt Gottes gehört; 2) daß die Vergeltung von Gott durch die Leitung der Vorgänge in der Menschenwelr und Benutzung der Vorgänge in der Natur herbeigeführt wird. Nach dieser Klarlegung glauben wir nicht, daß noch eine Differenz über diesen Punkt unter uns Kombattanten sein wird. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt a. M., 21. Mai. Dem gesetzgebenden Körper ist der Senatsvorschlag wegen iheilweiser Wiederherstellung der politischen Rechte der Landbewohner und Israeliten vorgelegt. Die Israeliten sollen wahlberechtigt, aber nur vier zum gesetzgebenden Körper wählbar sein. Staatsämter sollen denselben zugänglich sein, ausgenommen Senat, ständiges Bürgerkolleg, Richterstellen, Kirchenämter und Schulbehörden. Frankfurt, 20. Mai. Der in der öffentlichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.