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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-23 · Heft 22 (23.5.1853) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 22 (23.5.1853)
Date
1853-05-23
Page
Seite 275 (sequence 11)
Language
German
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275 selben, die Bemühungen Esra'S um die Herstellung und Vorbereitungen des Zuges, die Aussichten, die sich eröffneten, die Hoffnungen, die man hegte — und sein für sein Volk und für seinen Glauben entflammtes Herz fühlte das tiefste Weh, den so schwer beleidigt zu haben, welchen zu bewundern er sich nun so sehr gedrungen sühlte. Und Naarah?... Die Röthe war von ihren Wangen gewichen, ein unendlicher Schmerz hatte das Feuer ihres schönen Auges gedämpft und nach innen gekehrt... o die Rose hakte der Wurm gestochen, und sie neigte den süßen .Kelch zum Verwelken, ach! auch im Welken unendlich schön und ergreifend. .. Ihr Vater hatte sich gegen sie ausgesprochen; seine Reue über sein schneidendes Betragen; seinen Kummer über die Art, wie er, ohne Wissen seiner Tochter, alle Annäherungsversuche Esra's schnöde zurückgewiesen, kaum daß er sich mit den Aufreizungen Avmon'S entschuldigte... Naarah zündete dafür nur abermals neue Altarflammen für den geliebten, verehrten Mann im stillen Heiligrhume ihres HerzenS neben den alten, nie erloschenen an... Das Einzige, was sie von ihrem Vater verlangte, und waS er gern gewährte, war, daß er mit Entschiedenheit Admon untersagte, vor ihnen wieder zu erscheinen. Dieser richtete sich an sie, und suchte in der Erklärung seiner Liebe zu ihr, die ihn nicht ruhen und rasten lasse, Entschuldigung zu finden-aber sie wandte stch voll Ekels von ihm ab, ohne ihn auch nur eines Wortes zu würdigen... Voll Ingrimms hatte er sich entfernt — aber nur um auf Schleichwegen wieder zu kehren. Ach, wohin war ihr Fleiß, ihr Eifer, ihr Feuer, ihr Leben entflohen? Stundenlang saß sie in der Laube, wo Esra so oft neben ihr gesessen, träumerisch das schöne Haupt in die weiße, schmale Hand gestützt... Erinnerungen flogen an ihr vorüber, sie wußte es nicht... durch die Bitterkeit ihrer Empfindungen drang der süße Genuß vergangener Stunden hindurch, sie fühlte es nicht— Eines Nachmittags, als schon die Schalten sich verlängerten, wurde fie durch daS Geräusch von Stimmen im Garten, von nahenden Schritten geweckt... fie horchte auf, es war so etwas Bekanntes und doch wieder Fremdes im Klang der Sprache, im Schritt des Fußes — fie blickte auf, fie kannte den Mann nicht, der vor ihr stand, aber fie ahnte eS — er war ihm ähnlich, sehr, aber lange nicht so herrlich, so ... „Verzeih, edle Naarah, wenn ich störe," begann der Fremde, und in seiner Stimme und Gcberde sprach fich so viel Achtung, ja Ehrerbietung, und doch zugleich so viel Achtnngforderndes aus, daß Naarah unbewußt sich ergriffen und erhoben fühlte — „ich bin gesandt von meinem Bruder Esra, wirst Du mich anhören?.. ich bin Schemajah..." „Ha!" entfuhr unwillkürlich den Lippen Naarah'S, und ein Sturm von Gefühlen mußte durch ihr wundes Herz ziehen, denn fie drückten fich wechselnd in der Rörhe aus, die plötzlich auf ihren bleichen Wangen aufflammle, in dem Kräuseln der Lippen, in dem Blitze der Augen, ihre Gestalt richtete fich auf, ihre kleine Hand rang nach Fassung... endlich sprach sie: „was macht Esra... und was will er...?" „Was er macht," fuhr Schemajah fort, und seine Srimme nahm einen sanften, innigen Ton an, der fich wohlthuend um Naarah's bewegtes Her; legte, „das wirst Du wissen, Naarah; er stehet am Vorabend der größten Thal, die seit Moscheh'S und Schemuel's Zeiten in Israel und für Israel geschehen ist — was er will?... Naarah, glaubst Du, daß ihm der Morgen dieser Thal je aufgehen werde, ohne daß Du dem Tage die Pforte geöffnet habest? glaubest Du, daß er je von dannen ziehen werde, ohne daß er mit Dir eine Unterredung gehabt? Darum bin ich gekommen, diese von Dir zu erbitten..." „Und was will er von mir? wozu die Wuube noch einmal aufteißen, ist sie ja noch lange nicht geheilt..." „Was er will? Er will die Erlaubniß zu dem Zuge von Dir, denn nur mir dieser, das hat er hoch und theucr gelobet, wird er von dannen ziehen. .. Des Königs Erlaubniß hätte er zur Noth entbehren können... er hätte allein und heimlich durch die Wüsten nach Jcruschalajim ziehen können, und Gottes wäre eS gewesen, seine Schritte zu mehren, sein Thun gelingen zu lassen... aber Deiner Erlaubniß will er nimmer und nimmer entbehren..." „Und wenn ich fie nicht geben wollte?..." „Dann, Naarah, würde er alle Vorbereitungen fallen lassen, er würde fliehen, in eine Einöde fliehen, und seine Schmach und seines Lebens Verlust in der Einsamkeit des Geiers und der Wölfe verbergen..." „Und nennst Du dies eine freie Wahl für mich, Schemajah?" erwiederte Naarah kalt. „Doch, doch..." antwortete Schemajah, „die freie Wahl liegt in der Weise, in der Du Dich aussprichst. Wenn Du Esra in kalter, schnöder Abweisung von Dir stießest, ja wenn Du nur ftostig und fremd von ihm schiedest, so wäre dies nicht anders als eine Weigerung. Denn meinst Du, daß Jemand Großes vermöchte mit dem

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