Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-23 · Heft 22 (23.5.1853) · p. Seite 274

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 22 (23.5.1853)
Date
1853-05-23
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225822-3225845--13150-3299432
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

274 rer nicht etwa mit unreifen Zöglingen kritische Untersuchungen anstellen." „Eine Frage von großer Wichtigkeit ist: „wie hat es der Lehrer mit der Erklärung der wunderbaren Ereignisse zu halten? Die Frage ist sehr wichtig, und eS wird hier durch ein seichtes Rationalifiren viel gefehlt. Wie weise dünkt sich mancher Lehrer, wenn er die Wunder als natürliche Vorgänge darstellen kann, ohne dabei zu bedenken, wie dadurch der ganzen poetischen Färbung und und der Heiligkeit der Bibel Eintrag geschieht. Ueberlasse man doch einer später« Zeit, wenn der Zögling selbstständiger im Denken geworden und tiefere Blicke in das Wesen der heiligen Schrift geworsen, sich das göttliche Wort zu erklären und zu deuten. Der verkennt ganz und gar die kindliche Einfachheit und Unschuld, der da glaubt das Kind nähme Anstoß an den Wundern der heiligen Schrift, wenn nicht anders sein Glaube an das Wunderbare und Außerordentliche bereits erschüttert, sein kindliches Wesen durch vernünftelnde schädliche Einwirkung bereits korrumpirt ist. Solche Korruption erschwert aldingS sehr dem Religionsunterricht den glücklichen Erfolg, wenn fie ihn überhaupt ermöglicht. Dem fertigen aufgeklärten Philosophen von sieben Jahren, in dessen Gegenwart oft Religionsangelegenheiten verhandelt, und über alles Hohe und Heilige in absprechender, leichtfertiger Weise die „Konversation" geführt worden, solchem Kinde, oder vielmehr solchem Greise an Weisheit ist fteilich nicht gut mehr in einfacher, kindlicher Sprache die biblische Geschichte zu erzählen. Die Eltern glauben vielleicht durch ftühe Mittheilung ihrer eigenen Denkerrungenschaft den Kindern spätere Anstrengung und die Mühe des Selbstdenkens und des Kampfes mit jeglichem Zweifel zu ersparen, bedenken aber nicht, wie viel Poesie fie den Kindern rauben, wie hohen Genuß fie ihnen entziehen, selbst die Früchte vom Baume der Erkenntniß brechen zu dürfen! Man beurtheile doch nicht stets das Kind nach dem gereiften, fertigen Menschen und fürchte doch nicht für die Klarheit seiner geistigen Entwickelung, wenn man ihm für Dinge, die sich ihm erst später ihrem liefern Gehalte nach erschließen, seinem Denken adäquate Benennungen bietet.—" Belletristisches. Eine Novelle. (Fortsetzung au« No. 11. 13. 14. 16. 17. 20. 21.) 8. Das königliche Edikt war ergangen. Arthachschaßt, der König der Könige, hatte Erlaubniß verwilligt Allen vom Volke Israel in seinem Reiche und von den Priestern und Leviten mit Esra dem Schriftgelehrten nachJeruschalajim zu ziehn; hatte ihm den Befehl und Auftrag gegeben, Untersuchungen anzustellen über Juda und Jeruschalajim nach dem Gesetze ihres Gottes, dieses herzustellen in seiner Wahrung und zu errichten und zu vollenden was zum Dieste dieses GotteS gehöre und nützlich sei; hatte gestattet, eine Sammlung fteiwilliger Gaben zu veranstalten, an goldenen und silbernen Gerüchen, an goldenen und silbernen Münzen, und er und seine Räche und Sattapen waren vorangegangen mit großen Geschenken. Da sondette Esra von den obersten Priestern zwölf ab, und denen wog er das Gold und das Silber zu, um eS auf dem Zuge zu bewachen, bis fie gen Jeruschalajim kämen, und eS waren sechshundert und fünfzig Talente Silber an Münzen, und hundert an silbernen Gerüchen, und hundett Talente an Gold, und zwanzig goldene Becher und anderes köstliches Erz, und Gewänder und Stoffe in reicher Fülle. Da war große Freude in Juda. Diese Ehre, die der Herrscher der Völker dem verachteten Juda anthat, schmeichelte gar sehr; selbst der Rosch Hagola und die Szeganim besuchten Esra und begrüßten den Erwählten des Königs, ihre ftühere Abneigung mit Heuchelwotten bekleidend; nebenbei schlug auch manches israelittsche Herz fteudig und in Jubel auf, daß für Jeruschalajim Großegeschehen und nunmehr erst die Lehre und das Gesetz neu begründet würden. Wenn Esra durch die Sttaßen Ekbatana's zog, ttat mancher, fteilich unscheinbar, ja ärmlich gekleidete Stammgenosse an Esra heran, faßte seine Hand und drückte fie, wie eine Thräne im Auge; odn er vernahm auch einige Segensworte gemurmelt hinter ihm her — o! welch' Entzücken für sein begeistertes und doch so weiches Gemüch.... Aber nicht so in jenem kleinen Garten dtt Vorstadt. Mit Erstaunen, bald mit Beschämung hatte Achitub nach und nach erfahren, waS sich begeben hatte, die Erlaubniß des Königs, durch Esra erworben, die Freigebigkeit des-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.