Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 22 (23.5.1853)
- Date
- 1853-05-23
- Page
- Seite 276 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Banne im Hebend... lieber keinen Versuch. nur wenn er versöhnt und geeinigt mit Dir Deine Hand noch einmal in innigster Liebe fassen darf, nur wenn Deine theure Lippe noch ein Wort deS Segens, wenn Deine Augen noch einen Gruß des Trostes ihm zusendet im Augenblicke der Trennung-nur dann kann, darf, will er gehen, stcher des Gelingens, des Gedeihens..." „Und bist Du berechtigt, dies von mir zu fordern, Schemajah, Du, der in daS Glück meines Paradieses eintrat, und es vernichtete_" Schemajah trat einen Schritt näher und faßte die Hand Naarah's; sie zuckte zurück und wollte ihre Hand frei machen, aber er ließ sie nicht. „Naarah," sprach er, und seine Stimme war fest und bestimmt, „gerade ich und kein Andrer darf es fordern von Dir-meinst Du, ich fühle die Schmerzen meines Bruders nicht mit? Aber so wenig Esra je mir den Vorwurf machen darf und wird: Du bist es, der den Funken in mir gezündet und die Flamme angefacht, welche die stille Wonne meines Lebens verzehrte — denn ich bin es ja dann, der dafür seinem Leben die Bedeutung für Jahrhunderte gegeben, der ihm das große Heiligthum unsterblicher Verdienste gebauet haben wird, ich bin es, der ihm ein Volk, ein großes, heiliges Volk zur Verfügung gestellt und seinem Wirken die Thore von Städten geöffnet — so wenig, Naarah, darfst Du es..." „Das Herz des Weibes ist zu treu, Schemajah, und zu einfach, um für Anderes seine Liebe von fich zu werfen." „Ach, Naarah, Du bist nicht aufrichtig; ich lese besser in Deiner Seele; Du hast Recht, daß Du es, mir gegenüber, nicht auösprichst, es ist das meine Strafe, so schuldlos ich das Werkzeug Eures Wehes ward, daß Du nur die Gegenwart hervorhebst; aber auch Du fühlst es, du schaust eS klar... es war eine Trübsal für Euch, Euch zu begegnen, da Ihr Euch doch trennen mußtet, aber konnte es anders?., und, Naarah, für Esra war es dennoch ein Glück..., meinst Du, Naarah, daß irgend ein Mensch etwas Großes vermag, ohne daß ein Stachel deS Schmerzes in seiner Brust steckt?... nur das tief innen verborgene Leid weiht, heiligt, begeistert den Menschen, nur dadurch wird er der Opfer, der Anstrengung, der höchsten, der schwersten, fähig... da, wo ein Weh im Herzen lebt, das Niemand kennt, da ist wahres Mitgefühl für daS Leiden Anderer, da ist Empfindung für das Hohe, Heilige, Himmlische, da ist Entzücken über WohlvollbrachteS ohne Stolz, Bewußtsein deS Gethanen ohne Hochmuth, da ist Ausdauer, Energie-denn das Schlimmste, was die Person treffen kann,» ist ihm schon geworden, was hätte er nun noch zu fürchten...? Naarah, Du wirst der Stern in der Nacht fein, dessen Strahl ihn wecken, ihm leuchten, ihn beglücken wird..." „Schemajah," sprach Naarah nach einer Pause, „wohl weiß auch ich, daß Esra gehen muß, und wenn nicht das Gefühl für Volk und Glauben, meine Liebe zu ihm selbst heischt eS-denn ich fühle eS, nur ein ungetheiltes Herz kann der Liebe leben; wo eine andre LebenSflamme daneben entzündet worden, da ist der Liebe daS Leben genommen, fie würde ihn nur um so eher verzehren... würde ich ihn fesseln, würde auch die Freude an seiner Liebe schwinden... nein, Schemajah! send'ihn zu mir — nur ihm will ich mein Herz erschließen... es komme, wie eS wolle, an ihn will ich mich hängen, bis ich ausgeweint, bis ich stark geworden..." Schemajah blickte fie voll innigster Neigung lange an, dann beugte er fich auf ihre Hand, küßte fie, ein Tropfen rann dabei aus seinem stolzen Auge, er flüsterte: „Habe Dank, Schwester!..." wandte fich und ging davon. (Schluß folgt.) Anzeigen. An der hiesigen israelitischen Elementarschule ist die Stelle eines 3. Lehres vakant, und find für denselben ein Jahrgehalt von 130 Thlr. und 20 Thlr. für Wohnung festgesetzt. Eraminirte jüdische Lehrer werden um ihre Bewerbung in portofreien Briefen aufgefordert. Da hier, anlehnend an die Elementarschule, eine Religionsunterrichtsanstalt organifirt wird, wobei auch dem 3. Lehrer eine Thätigkeit, verbunden mir einer befand ern Remuneration, angewiesen werden soll, so wird der Bewerbende seine Befähigung zur Errheilung des Religionsunterrichts vor unserm Herrn Rabbiner zu bekunden haben. Die Stelle soll zum 1. Juli d. I. besetzt werden. Der Vorstand der israelitischen Korporation zu Naket. Zum nächsten ■jet wird von hiesiger Gemeinde ein tüchtiger, unverheiratheter Lehrer gesucht. Derselbe muß ein angemessener Vvrbeter, wo möglich mit Chor, und Schächter sein, auch gelegentlich deutsche Vorträge halten. Salair: 100 Thlr. nebst völlig freier Station. Frankirte Offerten an den Vorsteher Wittstock, im Mai. P. Mendel. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. —Druck von Z. B. Hirschfeld.