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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-23 · Heft 22 (23.5.1853) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 22 (23.5.1853)
Date
1853-05-23
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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266 theidigung, oder vielmehr die von Nieto und den gedachten Herren versuchte Auslegung dieses Satzes verkleidet nur das pantheistische Element, enthält eine Konzession zum Pantheismus hin, -ei der wir uns nicht beruhigen können. Einige wenige Worte werden dies klar machen. Die Herren find sämmtlich einverstanden, daß Gott nach der Lehre des Judenthums außerweltlich ist. WaS heißt dies, wenn wir nicht mit dem Worte spielen wollen? Daß Gottes Wesen außerhalb der Welt, und die Welt außerhalb Gottes ist; d. h. daß von GotteS Wesen nichts in der Welt, und von der Welt nichts in Gottes Wesen ist. Es ist dies auch ganz einfach: die Welt (,,Himmel und Erde" 1. Mos. 1, 1.) ist von Gott geschaffen; Alles also was die Welt ist, ist von Gott geschaffen, also nicht Gott, denn etwas Geschaffenes kann nicht Gott sein. Wie kann nun Herr Löwy Nr. 3. sagen: D. Nieto habe nichts weniger als Pantheismus gelehrt, indem er nur behaupten wollte, ,,daß das Agens der Natur die unmittelbare Kraft Gottes sei, hiermit ist aber noch nicht Gott mit diesem AgenS identifizirr" — wenn dies Agens „die unmittelbare Kraft GotteS" ist, dann soll es nicht identisch mit Gott sein? waS hieße denn „unmittelbar"? Aber Herr Löwy hat dies durch unsre Bemerkung in Nr. 10. eingesehen, und stellt sich in Nr. 17. gänzlich auf unsre Seite. Wie kann nun Herr Schmiedel Nr. 9. 10. sagen, D. Nieto habe seinen Ausspruch gerechtfertigt, indem er „die schaffende, wirkende. Alles tteibende und bewegende Kraft in dem Universum Gott nennt" — denn wenn Gott die Kraft in dem Universum ist, die Alles schafft, wirkt, treibt, bewegt, also die Kraft, die in jedem Dinge schafft, tteibt, wirkt, bewegt — denn das Universum ist ja die Gesammtheit der Dinge — wie soll Gott noch außerweltlich sein?... Aber Herr Schmiedel widerruft dies in Nr. 19. selbst, indem er sagt: „Nach allem Dem also ist Gott fteilich keine Kraft in dem Universum, wohl aber außerhalb des Universums, die oberste bewegende Kraft desselben." Wo aber bleibt dann die Rechtfertigung Nieto's? Denn wenn Gott eine Kraft außerhalb des Universums ist, so kann er unmöglich mit dem Universum identisch sein, denn waS außerhalb einer Sache, ist nie diese selbst ... Aber allerdings fügt, leider! Herr Schmiedel gleich wieder hinzu: „die oberste bewegende Kraft desselben" — desselben? die oberste bewegende Kraft deS Universums? also Gott doch wieder eine Kraft des Universums, aber die oberste? — Nun, gegen solche Unklarheit läßt sich nicht weiter streiten, so wenig, wie gegen die Willkür, daß V22 „die Kraft, die das All bewegt" heißen soll, und die dennoch dafür die Definitton Maimuni'S anführt: roin ■’HD rpi (also die Kraft in jedem einzelnen Dinge). Freilich, Herr vr. Beer will unS die Waffe niederlegen lassen, indem er D. Nieto jenen Satz nur als „eine populäre Abweisung deS Jndiffrrenttsmus" aussprechen läßt, als ob er sagen wollte: „was du der gewöhnlichen Verkettung der Dinge (Natur) beimissest, daS ist eben das Werk spezieller höherer Fürsorge." Aber Herr vr. Beer wird zugeben müssen, daß dann Nieto's Satz sehr unglücklich gewählt war. Denn dieser Satz ist im günstigsten Falle so zweideuttg, daß er eben so gut den Gegnern dienen kann, indem sie sagen: „nun, wenn Gott nichts Anderes als die Natur, so kann auch nichts Anderes als nach dem Gesetz der Natur geschehen, das ist nach dem Gesetze der äußern Nothwendigkeit, ohne sittlichen und providentiellen Inhalt." Er wird zugeben müssen, daß Nieto seinen Satz erst durch einseittge Auslegung entschuldigen mußte, und daß es ihm viel besser angestanden hätte, wenn er ihn geradezu als eine augenblickliche Uebertreibung im Flusse der Rede aufgegeben hätte, als daß er ihn aufrecht zu erhalten suchte. — Daß wir hierin vollständig Recht haben, erweist Herr vr. Beer sofott fakttsch selbst, indem er alsbald Nieto aussprechcn läßt, „daß Gott als natura oaturang im Gegensatz zur natura ostursta darzustellen, im Sinne der religiösen Urkunden nicht abzuweisen sei." ES ist dies ganz dasselbe wie „die oberste bewegende Kraft des Universums" bei Herrn Schmiedel; es ist dies eine scholastische Unterscheidung, die mit Nichten Platz im Judenthum hat, und um so gefährlicher, da sie auch nur vor der Naturwissenschaft längst in den Staub gefallen ist — eS ist der eigentliche Kernpunkt des StteiteS. und daher verweilen wir länger dabei. Mit Nichts ist auf diesem Gebiete mehr Spiel gettieben worden, als mit dem Sorte „Kraft." Man stellt diese dem „Stoff" gegenüber, man trennt sie vom Stoffe, man versteht sie als eine besondere Eristenz, ja als Gegensatz zum Stoff, oder besser, Alles was man nicht versteht, nennt man Kraft. Die neuere Naturwissenschaft hat dies nach allen Seiten hin widerlegt. Sie erweist, daß jede Wirkung ihre Ursache in dem Din.ze selbst hat, daß die „Kraft, die ein Ding bewegt, treibt, in ihm wirkt u. dgl." so unmittelbar mit dem Stoffe

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