Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1853)
- Date
- 1853-05-17
- Page
- Seite 262 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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262 wiederherzustellen, die Stadt zu bevölkern, und das Gesetz Mosche'S in Ausübung zu bringen. Aber der König schien der Angelegenheit nur abgeneigt. Den politischen Gründen, die Esra geltend machte, daß eS von Wichtigkeit wäre, ein getreues Volk, daS feindlich den Syrern im Norden, den Aegyptern im Süden und allen Nachbaren, die Gegner der Perser in Schach halten würde, zu stärken — stellte der König nach der Auficht seines Staatsraths daS gerade Gegentheil gegenüber: den zu Abfall und Widersetzlichkeit geneigten Charakter der Juden, welchen die halbe Selbstständigkeit bald nach der ganzen lüstern machen werde, und wozu der Verleiter leicht noch religiöse Gründe finden könnte — da ihr „einziger Gott" nicht wie der Perser Götter verträglich und duldsam wäre, sondern eben nur „einzig" sein wolle.... Schwer seufzte Esra auf; es schien ihm etwas auf dem Herzen zu liegen, das loS zu werden er vor dem Antlitz des Königs keinen Anknüpfungspunkt fand — schon fürchtete er, daß er erfolglos von dannen gehen würde, und dann auf immer- Da Hub der König an: „Aber wie? Esra! Nachemjah hat ja gesagt, Du hättest mir ein Staatsgeheimniß mitzutheilen, das auf mein und des Reiches Wohlfahrt von großem Einflüße sein würde... WaS ist das? Sollte Nechemjah mir etwas vorgespiegelt haben, um die Audienz für Dich zu erlangen? Ich kenne ihn doch so nicht...." Esra'S Seele jubelte innerlich auf. „Allerdings erhabener Herrscher", erwiederte er, und seine Stimme senkte fich tief, „allerdings habe ich ein solches meinem Herrn vorzutragen. Aber eS bedarf hierzu eines königlichen Staarsschreibers; denn ich habe im Archive der Paras eine Urkunde gefunden, die ein solcher herbeiholen und unserm Könige unterbreiten muß, damit daraus hervorgehe, daß ich nicht Selbsterdichtetes spreche, sondern eine Stimme von AlterSher verkünde, was hier zu thun sei...." Der König schwieg einige Augenblicke. „Und waS betrifft dies Geheimniß denn?._" Esra trat dem Sitze des Königs um einen Schritt näher, und sprach leise: „Es betrifft das Leben meines Herrn und den Bestand des Reiches nach seinem Tode.. Arthachschaßt fuhr auf, er griff unwillkührlich nach dem Schwerte und rief mit Donnerstimme: „Sohn Juda's, Du spielst doch nicht mit mir — es gilt Deinen Kopf...." Esra trat ruhig zurück und sprach gefaßt: „Derselbe ist stets bereit zum Dienste deS Königs zu fallen." „Und waS wäre dies für eine Urkunde?" fuhr der König ruhiger fort. „ES ist eine der ältesten, die in den königlichen Archiven zu Ekbatana aufbewahrr werden. Herr! fie stammt nicht von einem der Herrscher dieses unermeßlichen Reiches, fie wurde mitgebracht vom Stamme ParraS auS dem Gebirge im Norden, als er zum ersten Male sein siegreiches Panier über die Ebenen trug; sie ist eingegraben auf eine Tafel von Erz, von einem Erze, daS wir hier zu Lande nicht kennen, dessen Bereitung verloren gegangen oder Fundort vergessen worden. —" „Du machst mich sehr begierig ... und wie kamst Du zur Kenntnist derselben?—" „Hoher Herr! Ich glaube nicht, jemals im Dienste meines gnadenvollen Gebieters lässig gewesen zu sein. Aber Du wirst eS begreifen, daß ich als königlicher Sraatsschreiber in den Archiven nach deren suchte, welche über die früheren Schicksale des Volkes, dem ich entsprossen, Ausschluß geben könnten. Wir Juden find einmal ein Volk der Schrift, und lieben die Spuren uralter Vergangenheit aufzufinden. Da, da war es, daß ich einst in dunkler Nacht um die Mitternachtsstunde in daS letzte, feit langer, langer, langer Zeit abgeschlossene Gemach des Archivs rintrat, um etwas nachzusehen — alS der Strahl meiner Lampe auf eine im äußersten Winkel verborgene Tafel fiel, von dem er alsbald in einem wunderbaren Glanze zurückstrahlte, daß mir die Augen geblendet übergingen -ich ging dem Strahle nach, mit tiefer Ehrfurcht erfaßte ich die leuchtende Tafel, reinigte fie vom Staube, und bald konnte ich die Inschrift in altparfischer Sprache dadurch lesen, daß die tiefeingegrabenen und geschwärzten Chiffern des Glanzes entbehrten, welcher der gereinigten Tafel um so mehr entströmte...." „Und waS lasest Du?" „Herr!" sprach Esra', „laß die Tafel von Dein Antlitz bringen, und die Worte selbst lesen._" Der König befahl einem Diener einen Staatsschreiber zu berufen. Diesem mußte Esra genau den Ort angeben, wo die Tafel sich befinden sollte. Sie wurde gebracht. Als der StaatSschreiber fie, in eine seideneHülle gekleidet, hereintrug, stand der König von seinem Sitze auf, verbeugte fich vor ihr und küßte den Saum der Hülle. Dann winkte er, und der Staatsschreiber zog die Hülle ab, und in der That leuchtete daS hellpolirte Erz