Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1853)
- Date
- 1853-05-17
- Page
- Seite 263 (sequence 11)
- Language
- German
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263 der Tafel mit weißlichgrünem Glanze auf wundersame Weise auf. Der König ließ lange Zeit seinen Blick an ihr haften, und sprach dann leise, wie zu sich selbst: „Ja, fie ist von ParraS, dem Ahn unsers Hauses, und, was fie auch besagt, die Wahrheiten...." Dann wandte er fich zu dem StaatSschreiber und sprach: „LieS den Spruch der Tafel laut, Wir sind bereit, ihn zu vernehmen." Er las: „Bricht der Strom durch die Ebne: Trägt er fünf der Schiffe mächtig; Doch das fünfte, groß und prächtig, Sammt dem Strom stürzt's zur Tiefe, Und die Tiefe faßt fie beide, Wenn der Eine über Alle Sie nicht schützet vor dem Falle, Wenn daS fünfte nicht dem Einen Giebt die Ehre, die gebühret. Dann der Strom durch die Ebne Rollt von Neuem, trägt der Schiffe Fünf noch ruhig vor dem Felsenriffe Ruhig bis zum Meere hin... Darum, dem dies Wort verständlich, Sende nur nach West den Nachen, Send' ihn, wenn er will, mir Wachen, Send' mir Opfern und mit Gaben Ihn nach Westen zu dem Einen, Send' ihn, denn Er will es haben...." Der König hatte den Worten deS Orakels eifrig gelauscht, lange saß er, daS Haupt in die Rechte gestützt, sinnend da_dann erhob er fich, ließ den AuSspruch seines AhnS noch einmal vorlesen, und wandt fich dann zu Esra, der bis dahin mit übereinandergeschlagenen Armen bei Seite gestanden. „Ja wohl, hast Du mir ein Staats geheimniß mitgetheilt, denn der Sinn der Worte ist geheim und verborgen, wie ein Räthsel der Vorzeit. Hier und da knüpft sich mir ein Verständniß an — kannst Du es mir lösen?" „Großer König der Perser," hob Esra an. „Ich habe viel geforscht in den Büchern Deines Volkes, aber nirgends fand ich in denselben einen Schlüffe! zu den Worten, die Dir soeben vorgetragen worden. Ich trug fie daher lange mit mir herum — denn was sollte ich fie vor Dich bringen ohne ihre Bedeutung? Aber sieh, an jenem Tage, da ich schuldlos von meinem Amte, das Deine Gnade mir vertraut hatte, entfernt wurde, da es fich mir als Ersatz für Schimpf und Verlust durch die Seele rollte: wie ich nun wieder ganz meinem Volke heimgegeben sei und seiner heiligen Sache-da fuhr ein Blitz von oben durch meinen Geist, und die Worte Deines Ahns standen sonnenhell vor meiner Erkenntniß. Der Herr, der Eine, hat mir Erleuchtung gegeben, daß die Nacht schwand vor der Morgenröthe des Geistes. Von der Stätte seines Sitzes schaut er auf die Menschcnsöhne nieder, und giebt seinen Lieblingen Frieden und Heil.... Höre, mein König, und merke auf, es spricht, der Reden Gottes hört, des Höchsten Kunde kennt. Gesichte des Allmächtigen sieht. Der Strom, der durch die Ebne bricht — es ist Dein Volk, Dein tapfres Volk, das unterthan fich machte alle Nationen der Ebne. Fünf Schiffe trägt es: daS find die fünf Könige, die, Koresch der Gesalbte der erste, auf ParaS' Thronen saßen: Du der Fünfte. Wolan Arthachschaßth, Dein End' ist da, Du und das ganze Perserreich werden in Kurzem zertrümmert, werden geschaufelt und wie Spreu verweht von dem Winde, der vom Westen kommt, wenn nicht der Eine über Alle, wenn nicht der Einig-Einzige, der Heilige Israels ist sein Name, der Herr der Heerscharen, mit mächtiger Hand Dich erhält und Dein Reich, wenn Du nicht Seine Gunst und Verdienst bei Ihm suchest, wie es fich gebühret. Thuest Du dieses: dann wird der Strom Deines Volkes weiter rollen durch die Ebene, noch Jahrhunderte, und noch fünf mächtige Könige werden nach Dir auf diesem Throne sitzen. — O der Nachen, den Du nach Westen sendest — es ruft Dein Ahn, o König, dies Dir zu — nach Westen sendest mit Gaben und Opfern — sieh, ich bin es mit den Söhnen Juda's, die zu ihrer alten Veste ziehen, zur Stätte ihres Gottes, des „Einen über Alle" — laß uns ziehen, laß uns ziehen, o König, wenn nicht Dein Thron und Dein Reich und die Herrschaft Deines Volkes zusammenbrechen sollen.... So enthüllte fich mir das Wort der Vorzeit, Du hast es vernommen, mein ist daS Wort, doch Dein die That. ..." Und Esra verneigte fich tief vor dem Könige. Dieser aber hatre fich längst erhoben von seinem Sitze, er stieg die Stufen hinab und trat hin zu Esra, und sprach: „Dank Dir, Esra, ja dies ist eS, was unS das Wort unsers Urahns gebietet. Dank, zwiefachen Dank, daß Du die Tafel vor mich gebracht, und daß Du den Sinn mir enthüllet hast, und das Räthsel gelöst. So wollen wir dem „Einen über Alle" zukommen lassen waS ihm gebühret, und Du sollst der Träger sein. Nicht bloS, daß ich Dir die Erlaubniß gebe, mit Männern Deines Vol-