Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1853)
- Date
- 1853-05-17
- Page
- Seite 256 (sequence 4)
- Language
- German
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256 Lichtenau durch Hr. Rabbiner Grünbaum in AnSbach ohne Anstand vermittelt worden war. Zu unserm traurigen Matrikelwesen liefern die öffentlichen Magistratsverhandlungen in München, folgenden neuen Beitrag. „Der angehende isr. Insasse Murr, welcher mit seinem Gesuch um Verleihung der Matrikelnummer 9 der Wittwe Feist bereits dreimal abgewiesen worden ist, nämlich beim Magistrat, bei der Regierung und beim Ministerium, wendet sich jetzt in einer ausführlichen Vorstellung an die Allerhöchste Stelle." Nicht ohne alles Interesse mag auch folgende Nachricht durch den von mir hervorgehobenen Passus sein: die Vernichtung der Druckschrift: „Seele, Geist, Gott rc." ist in dem betreffenden Erkenntnisse des k. Kreis- und Stadtgerichts Schweinfurt damit motivirt, daß dieselbe „die auf die h. Schrift gegründete Lehre aller christlichen Konfessionen über die Schöpfung des ersten Menschenpaares und die Abstammung aller Geschlechter von demselben mit Ausdrücken der Verachtung an greift, sonach nicht bloS Bedenken gegen die mosaische Schöpfungsgeschichte vom Standpunkte der Wissenschaft aus in sträflicher Absicht entwickelt, sondern gegen Art. 20 des Preßgesetzes rc. verstößt." Schließlich bezüglich' des Synagogen- und Schulwesens meine alte Klage: Mangel an Lehrern und Mangel an Sinn, besonders der Landgemeinden, die Leistungen ihrer Lehrer anzuerkennen. Dazu ein Beispielchen für viele. Ein Lehrer, zur Zufriedenheit seiner Gemeinde seit circa 25 Jahren wirkend, von frommem Ruf und mit einem Gehalte von nicht ganz 200 Fl. angestellt, kommt bei seiner Gemeinde mit einem devoten schriftlichen Gesuch um eine Unterstützung zur Reise zweier seiner Kinder nach Amerika ein, und erhält — 15 Fl. sage zehn und fünf Gulden. Dem gedachten Lehrermangel ist eS wahrscheinlich auch zuzuschreiben, daß Hr. Dr. Brentano in Fürth, dessen Institut von christlichen Schülern nicht besucht werden darf, einen Gehülsen protestantischer Konfession in öffentlichen Blättern sucht. Die Spezies jüdischer Lehrer wird aber doch nicht auSsterben, indessen das diesjährige Verzeichniß der Mittelsränkischen Präparanden auch zwei jüdische Namen enthält. In Unlersranken greisen sie eS jedoch anders an. Ein verdorbener Handelsmann wird Lehrer seines Ortes "om -non« •»-non sagten die Alten. Er muß ich aber prüfen lassen und fällt mit Glanz durch — die Stelle aber erhält er doch. Endlich noch ein Beispiel opferwilligen SinnS gegen Rabbiner. Einem othanen geistlichen Oberhaupt will sich eine benachbarte, abgetrennte Gemeinde für etliche Kronenthaler anschließen. Die eine der Gemeinden verwilligt den Anschluß — nach allerhöchster Entscheidung find die betreffenden Gemeinden jedeSmal erst zu befragen — gnädigst, die andere verweigert ihn ungnädigst, wenn sie nicht auch an die Kronenthaler partizipirt. — Warum ihr begabten und unbegabten Jünglinge, warum wollt Ihr alle nach Amerika? Blühet Euch nicht auch bei uns das Glück gesegneten Wirkens und bescheidnen Einkommens? Warum wollt Ihr durchaus den auf Eure fetten Pfründen harrenden a-mna feig das Feld räumen? Wahrlich! ich sage Euch, Ihr seid entartete Nachkommen derer, welche im Vollgenuß der Schnuder- und Schiurlernengelder so glücklich im Schatten ihres SphorimhälterS und unter der Protektion ihres Parnaßen lebten und nackt wieder dahin zurückkehrten, von wannen sie gekommen waren. Es lebe die gute alte Zeit! K. Aus Franken, im April. In einem Art. des Franks. Journ. über die außerordentlichen Geburten in Baiern heißt es: „Merkwürdig ist aber das Verhältniß der dortigen christlichen und israelitischen Bevölkerung in dieser Beziehung. (Fürth zählt etwa 16,000 Einwohner darunter nicht ganz 4000 Israeliten). Während von 1845 — 1852 bei den Christen 1323 uneheliche Geburten konstatirt sind, zählen die Israeliten bloS 23; im Jahre 1848 kamen 150 christliche und 4 jüdische vor, 1851 182 christliche und 2 jüdische. Den Israeliten wird in Baiern die Ansäsfigmachung sehr erschwert durch die leider noch festgehaltene Matrikelzahl; erst wenn eine Matrikel erledigt wird, kann nach Erlangung dieser die Aufnahme in eine Gemeinde erfolgen. Daher wandern so viele junge Israeliten nach Amerika aus, wo man diese mittelalterliche Einrichtung nicht einmal dem Namen nach kennt." Fulda, 6. Mai. (Privatmitth.) In einer Zeit, wie die gegenwärtige, wo man überall die Juden zurückzusetzen beginnt, wo man die alten verrosteten Waffen der Intoleranz und des HasseS gegen sie auf'S Neue wieder hervorsucht: ist eS doppelt erfreulich,