Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 21 (17.5.1853)
- Date
- 1853-05-17
- Page
- Seite 255 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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255 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, 27. April. (Privatmitth.) Nach den veröffentlichen Programmen der hiesigen öffentlichen Anstalten, besuchen die Kommunal-Stadtschule 72, das Gymnasium 46 Schüler israel» Konfession (auf dem letztem befinden sich 37 Schüler kath. und 85 Protest. Kons., obschon die letzteren 2/z, die Katholik. ~h und die Israeliten */» der Einwohnerzahl ausmachen). Auf beiden Anstalten erlheilt unser Prediger, Herr Dr. Lewyfohn, zu je 4 Stunden wöchentlich, den Religionsunterricht. — Die UnterrichtSanstalt für Mädchen, welche unser früherer Prediger, Hr. Adler, gegründet, erfreut sich von jüdischer wie von christlicher Seite der regsten Theilnahme und spricht gewiß für ihre Leistungen der Umstand, daß sie bei ihrem vierjährigen Besuchen, neben der Konkurrenz zweier bereits früher vorhandenen Mädcheninstituten am hiesigen Orte dennoch an 70 Schülerinnen zählt. — In den letzten Tagen gelangte hierher die Nachricht, daß der früher hierorts und später in Newyork angestellte Kantor, Hr. Grün, nach einer kurzen Krankheit gestorben ist. Hr. G. lebte auch noch nach seinem Abgänge von hier stets in liebevoller Erinnerung der hiesigen Gemeinde, die ihm wegen eifriger Betheiligung an der GesangSleitung beim deutschen Gottesdienste zu Dank verpflichtet ist. Ein großer Theil der trefflichen Melodien ist von ihm komponirt und haben seine Leistungen als Chordirigent ungeteilte Anerkennung stets gesunden. Friede seiner Asche! — Die Auswanderung nach Amerika ist auch in unserm Rheinhessen so groß, daß die zur hiesigen Gemeide gehörende Filialgemeinde Herrnsheim in Folge der vermindernden Gliederanzahl sich aufgelöst hat. — Zum Schlüsse sei bemerkt, daß der gegenwärtig in Leipzig sich befindende Eleve des dortigen ConverfatoriumS, der 13jährige Virtuose, Fritz GernSheim, von dessen Leistungen jüngst die straßburger und süddeutschen Blatter so viel Rühmliches berichteten, der Sohn eines hiesigen iftael. Arztes ist. Bayern, Ende April. (Privatmitth.) Ein erfreuliches Anzeichen bildet die Mehrung wohlthätiger Stiftungen*), Seitens verstorbener Glaubensgenossen, wovon die betreffenden Kreisintelligenzblätter ehrendes Zeugniß geben. Minder erfreulich ist die Nachricht, und möge sie in ähnlichen Verhältnissen befindlichen Kultusgemeinden zur Warnung vor kostspieligen Prozessen dienen, daß eine israel. Landgemeinde bezüglich verweigerter Abgaben an die Ortspfarrei durch ein OberappellationsgerichtS-Erkenntniß vom 14. Marz d. I. zur fernern Bezahlung, verurtheilt, resp. die klagende Pfarrei zur Beweisführung zugelassen worden ist. Der oberste Gerichtshof anerkennt zwar, daß der Buchstabe, der Wortlaut des Art 6. des Gesetzes v. 4. Juni 1848 für die isr. Gemeinde spreche, daß aber nach den Kammerverhandlungen unter den rein persönlichen Abgaben nur die auf dem grund- und gerichtsherrlichen Verbände ruhenden Lasten verstanden sein sollten. In der Gemeinde Bamberg hat sich ein kleiner Konflikt erhoben. Der greise Rabbiner Rosenfeld hatte gestattet, daß an der neu aufgebaut werdenden Synagoge daselbst, weil der Bau in Akkord abgelassen (N1272P2), auch am Sabbat gearbeitet werde. Dadurch fühlten sich etliche Gemeindeglieder in ihrem Gewissen verletzt und brachten die Sache vor die weltliche Behörde. Das Weitere ist nun abzuwarren. Eine Ende vorigen Jahrs amtlich vorgenommene Volkszählung ergab, daß sich in Nürnberg 11 jüdische aus 87 Individuen bestehende Familien befinden, wovon jedoch, unsers Wissens, die meisten nur mit polizeilicher Erlaubniß ohne Bürgerrechte dort leben. Der kürzlich in München verstorbene Graf ArmanSperg war einer der 6 ReichSräthe, welche ihrer Zeit für völlige Emanzipation unsrer Glaubensgenossen stimmten, und der dort lebende Abgeordnete aus der Pfalz, Hr. Dr. Scharpf, über dessen Befinden traurige Nachrichten durch die Zeitungen kürzlich gingen, trat dazumal in der zweiten Kammer für sie mit einem äußerst günstigen Referat ein. Die ritualmäßige Verköstigung der jetzt nach Würzburg verwiesenenen Zuchthausfträflinge jüdischen Glaubens am vergangnen Pefach stieß auf Schwierigkeiten, während sie am frühem Aufenthaltsort in *) S. in einer neuern Nummer die einer Sophie Simon aus Schnaittach mit 1000 Fl.