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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-02 · Heft 20 (2.5.1853) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 20 (2.5.1853)
Date
1853-05-02
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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230 saß der König Arthachschaßt * *) zur Tafel, neben ihm die Königin, seine Gemahlin. Es war eine köstlich gewölbte Halle, die ihr Licht von oben durch eine Kuppel erhielt, mit dreifachen Gallerieen ringsum übereinander, welche auf ungeheuren, aufrechtstehenden bronzenen Löwen rührten. 3n der Mitte deS SaaleS sandte ein riesenhaftes Marmorbecken, das auf acht Löwen, je zwei gepaart nach jeder Weltgegend, lag, seinen Wasserstrahl bis in die Höhe der Kuppel hinauf; er siel rauschend hernieder, in das Becken zurück, von dem das Wasser durch die Rachen der Löwen abströmte in einen darunter befindlichen Behälter, woselbst es verschwand. Aber so kunstgerecht war die Halle gebaut, daß daS Rauschen des Wassers nicht hinderte, sich, selbst in leisem Zwiegespräch, verständlich zu machen. An der Wand gen Morgen erhob sich der purpurne Baldachin, unter welchem die Sitze für den König und die Königin standen. Hier war es, wo das Herrscherpaar zu speisen pflegte, wenn es, vom Hofe zurückgezogen, das Glück deS Privatlebens genießen wollte. Niemand war zugegen, als der Leibmundschenk des Königs und ein Diener, der die Speisen auftrug. König und Königin, Beide noch jung und voll schöner Lebenslust, Beide voll Liebe zu einander, hatten beim Verzehren des Mahles viel gescherzt und gelacht — solchen Großen der Erde wird dies so selten, da Etikette und Oeffentlichkeit fie stärker fesseln, als den Sklaven die Befehle seines Herrn. Da klopfte der König mit einem silbernen Stäbchen auf die Tafel, zum Zeichen, daß sein Wein gebracht werden sollte. Eine Seitenthüre öffnete sich, ein stattlicher, reich, aber geschmackvoll gekleideter Mann rrat herein, ging zu dem Büffet, nahm einen goldenen Becher, den er flink in dem Wasser der Löwenfontäne spülte, füllte ihn mit perlendem Weine, setzte ihn auf die flache linke Hand, und mit zwei Fingern der rechten hielt er ihn fest auf jene gedrückt, trat zum Könige, schlürfte ein Wenig aus dem Becher und überreichte ihn dann dem Herrscher. Der ließ seine Gemahlin daraus nippen und leerte ihn mit Wohlbehagen. Nach einiger Zeit wiederholte sich die Zeremonie und der Trunk. Der König faßte dabei seinen Mundschenk schärfer in's Auge. ser Zeitung, S. 212, Sp. 2, Z. 5 v. unten, lies: „Ihr wollet meine Hürde durchbrechen?" statt „meineHände". — S. 213, Sp. 1, Z. 10 v. oben lies: „versammelt", statt „versammle". *) Artarerres Makrochir. Beim dritten Male setzte er den Becher auf die Tafel, und sprach: „Ich müßte mich irren, Nechemja, oder Du stehest heute sehr ttaurig aus — Du, der stets freundliche, heitere Mann, möchtest eben gerade weinen?... Wie, Avale, ist es nicht so?" Die Königin nickte. „Ich Hab' es gleich gemerkt," sprach sie, „was fehlt Euch?" „Ja," fiigte der König hinzu, „sprich, was ist Dir? Denn krank bist Du nicht, das steht man Dir an. Also entweder Du hast Böses gethan, und willst Beleihung, dann bekenne — oder Du hast einen Kummer, der Dir das Herz beschwert, und dann sag' ihn an__ Du weißt, ich bin Dir gut, wenn meine Königin fürbittet, gewähr' ich's Dir...." „Sicher werd' ich das," sprach fie lächelnd, „meines Königs Mundschenk ist mir eine werthe Person, ich muß ihn mir gefällig erhalten, damit er mich einläßt, wenn ich meinen Herrn und Gebieter besuchen will._" Der König erhob den Zeigefinger und drohete ihr: dann wandte er sich wieder zu Nechemja, und sah ihn fragend an. Dieser sprach endlich: „Was entginge wol dem Scharfblick meines Königs? Ach, ich habe gesündigt, Herr, daß ich mein gramdurchfurchtes Antlitz vor die Strahlen Eurer könig^ hen Sonne gebracht habe — aber ich bin ein schwacher Sterblicher, der sich nicht ganz zu beherrschen vermag._" „Nun, Avale, hast Du Etwas vernommen von dem beredten Manne? Ich habe nur Worte gehört. Sprich deutlicher, Nechemja! Was drückt Dich?" „O verzeiht, König der Könige, wenn ich in solchem Augenblicke, aber auf Euern Befehl, von traurigen Dingen spreche. Aber sollt' ich mich nicht bettüben, Herr, sehet! das Haus der Gräber meiner Väter lieget seit anderthalb Jahrhunderten zerstört und in Trümmern .. - jetzt, jetzt ging die Hoffnung auf, es wieder erstehen zu sehen — aber den Mann, der es erbauen konnte, hat die Ungnade unsers Königs bettoffen, und so ist die fröhliche Aussicht geschwunden — vielleicht auf immer...." Der König dachte ein Wenig nach, dann sprach er: „Um was und um wen handelt es sich denn hierbei? Sag's heraus, daß ich es verstehe._" „Das Haus der Gräber meiner Väter, unüberwindlicher Herrscher, ist Jeruschalajim, das Nebuchadnezzar, der Kasdim Fürst, zerstörte, und das Eure glorreichen Ahnen, Koresch und Darjawesch, wieder zu erbauen befahlen ... 1 aber die Stadt ist elend, arm und unbefestigt geblieben,

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