Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 20 (2.5.1853)
- Date
- 1853-05-02
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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251 offen für die Schakale der Nacht. Da gedachte Esra, den Eure Huld zum Staatsschreiber erhoben, vor des Königs Majestät zu treten, und um die Gnade zu stehen, dahin ziehen zu dürfen — aber von tückischer Hand unter verdächtigen Anzeichen vor dem hohen Rathe der Sieben angeklagt, ist er zwar völlig schuldlos befunden, aber nun doch nach dem Gesetze seines Amtes verlustig, und darf die Wohnung unsers großen Herrschers niemals wieder betreten...." „Nun?" ,,O Herr, das ist der Kummer, der an meinem Herzen nagt. Zwar kann Esra in des Königs Dienst niemals zurückkehren, das Gesetz gestattet cs nicht — aber wol steht es in Eurem Willen, großer König, dem armen, unschuldigen Manne das Licht Eures Antlitzes aufgehen zu lassen, daß er seine Bitte zu den Füßen des Thrones niederlege._" „Und um was will er bitten?" antwortete der König ernst. „Um Eure königliche Erlaubniß, daß er nach Jeruschalajim ziehe...." „Schwerlich werden Wir ihm diese ertheilen können. Der Staatsrath hat die Frage vorläufig erwogen, und hält es für gefährlich, jene Stadt im fernen Westen wieder erstarken zu lassen, ein Schlüssel zu Aram und Mazor." „Esra behauptet, Ew. Majestät ein großes Staatsgeheimniß, das er in den Archiven gefunden, mittheilen zu können, und welches einen großen Einfluß auf das Heil des ganzen Reiches und zugleich auf Jeruschalajim üben werde...." „Ach, mein Nechemja, jeder Bittsteller glaubt, daß sein Gesuch diese Wichtigkeit habe ... zwar ist Esra der Mann, zu dem man fich eines wichtigen Gedankens gewärtigen darf, und eS thut mir sehr leid, ihn so von mir entfernt zu sehen...." „Wer ist denn dieser Esra, mein hoher Arthachschaßt?" warf die Königin ein. „Er hat große Verdienste um Uns und Unser Reich, Geliebte—" erwiderte der König, fich zu ihr wendend, „ich will's Dir mit Wenigem erzählen." „Unser siegreicher Vorfahr und Vater, Lerres, hatte zween Gemahlinnen, Chale und Lybe. Chale war meine Mutter, Du weißt es, Lybe die Mutter meines BruderS Artaban. Aber in meines Vaters Her; hatte fich Abneigung gegen meine Mutter eingeschlichen, die er auch auf mich übertrug, aber Lybe und ihren Sohn liebte er. Da wollte er das Königthum auf meinen Bruder übertragen. Meine Mutter war freilich die erste Gemahlin, eines großen Königs Tochter, ich der Erstgeborne. Aber kein Gesetz verbot es Unserm Vater, und Lybe lag ihm täglich in den Ohren, und seine eigene Neigung trieb ihn dazu. Ich wußre darum, aber wie sollt' ich es hindern? Ich wußte, daß es fich auch um mein Leben handelte, denn schwerlich hätte mein Bruder mir Gnade angedeihen lassen, wie ich dem Artaban.... Der Rath der Sieben hatte den Befehl meines Vaters registrirt, das Dokument lag ausgefertigt im Kabinet des Königs, nur des königlichen Siegels bedurfte es noch, um, nach dem Gesetze von Madai und Paras, unwiderruflich zu sein.... Da floh in der Nacht den König der Schlaf, dieweil ihn der Zwiespalt in seinem Geiste noch nicht zur Ruhe kommen ließ. Er ließ den wachthabenden Pagen hercinkommen, um sich mit ihm ein Wenig zu unterhalten. Es war Esra, ein zarter Züngling damals noch, aus dem Priestergeschlechte Juda's. Der König ftug ihn, womit er fich beschäftigt habe, um, wie er müsse, den Schlaf von fich entfernt zu halten? Esra antwortete: „Mit dem Gesetze des Ewigen, mit der Lehre Mosche's, des Gottesmannes." — „WaS ist daS für ein Gesetz, was für eine Lehre?" — Der Jüngling erwiderte: „Es ist das Gesetz und die Lehre, die der Gott, den mein Volk anbetet, vor mehr als tausend Jahren, theils selbst zu unseren Vätern gesprochen, theils durch seinen Propheten Mosche hat sprechen lassen." — Der König, mein Vater, verwunderte fich darob, und frug weiter: „Tausend Jahre, und Ihr beobachtet es noch?" — „Allerdings in allen Dingen, wo des Königs der Könige Gebot eS nicht verhindert, z. B. im Mein und Dein und in allem Brauch des Hauses." — „Aber was ist denn bas für ein Gott, der Euch hat in die Gefangenschaft und in die Knechtschaft kommen lassen, daß sein eigenes Wort unterthan ward dem Worte eines Königs auf Erden?" — „O Herrscher, vor tausend Jahren hat er es uns durch denselben Mosche zu wissen gethan, daß er es also werde geschehen lassen, um unS zu züchtigen für unfern Abfall und unsre Untreue ... und so ist es in Erfüllung gegangen...." — „Wolan," befahl ihm der König, „so hole es herein, und lies mir ein Wenig daraus vor, gerade da, wo Du lasest, als ich Dich rief, da und nirgends anders." — Esra gehorchte, und brachte eine Pergamentrolle in das Zimmer deS höchsten Herrschers, die um zwei Stäbe fich rollte, indem die Schrift nur auf eine Seite der Haut geschrieben war. Er hielt