Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 20 (2.5.1853)
- Date
- 1853-05-02
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 rapeuten, die sich mit Arzneikunde abgaben, gewiß nicht ftemd. (Fortsetzung folgt.) Rabbi David Nieto (nicht Nitu) und der Pantheismus. *) In Bezug auf einige Aeußerungen in dem Aufsatze No. 10 d. Bl., den angeblichen Pantheismus des R. David Nieto betreffend, finde ich mich im Interesse der Wahrheit veranlaßt Folgendes, zu bemerken: 1) ES ist unzweifelhaft, daß David Nieto — der fromme und gelehrte Oberrabbiner von London, der rüstige Kämpfer für das traditionelle Judenthum und gegen die kabbalistisch-pantheistischen Irrlehren des berüchtigten Nechemia Chajim, — „Gott als erhabenes, von der Welt getrenntes, nicht in der Natur befindliches, sondern auf dieselbe wirkendes Wesen" dorgestellt wissen wollte. Dies erhellt sowol aus dem Zusammenhänge des bezüglichen Responsums von Zewi Aschkcnafi, worin D. Nieto's Vertheidigung ausführlich mitgetheilt ist, als auch aus seinen übrigen Schriften, z. B. dem Esch dath (hebr. und span. Lond. 1715. 8.), dessen Haupttcndcnz mit dahin gerichtet ist, die Außerweltlichkeit Gottes, im Gegensatz zu manchen mißverstandenen Lehrsätzen der Kabbala, darzurhun. Die Worte „Gott und Natur find eins" brauchte er in einer Predigt grade zur Widerlegung des vulgären Naturalismus, welcher Alles dem Mechanismus der Natur zuschreibt und nirgend eine höhere Einwirkung der göttlichen Vorsehung erblicken will. Solchen Leuten sagte er ganz schlagend: „das, was ihr Natur nennt" d. h. was ihr dem Räderwerk der Natur zuschreibt, „das ist Gott" d. h. ist Folge der besondern Einwirkung Gottes hv",b"ib). Es ist darin keine „Dreherei", sondern es ist vielmehr die populäre Sprache zur Abweisung des Jndifserentismus, der an nichts Höheres glauben will. Dieser wird so mit seinen eigenen Waffen geschlagen. Man sagt ihm, „was du der gewöhnlichen Verkettung der Dinge (Natur) beimissest, das ist eben das Werk spezieller höherer Fürsorge". In diesem Sinne spricht auch die Bibel und die jüdischen ficommen Lehrer haben von jeher in diesem Tone gegen die angebliche Macht der Natur, des *) Nachdem nun die verschiedenartigen Streitschriften abgedruckt find, werden wir einige resultirende Bemerkungen in der nächsten Nummer geben. Redakt. Schicksals, Zufalls u. f. w. sich geäußert, indem sie hervorhoben, daß das, waS man mit nurgedachten Benennungen bezeichnet, auf Gott zurückzuführen fei.—Darin ist nichts „Panlheistisches", wie denn auch R. Zewi Aschkenafi es ganz richtig auffaßte und mit einer Stelle aus Jehuda Muskats (nicht eigentlich aus dem Kusari) belegte. — Die Beschuldigung gegen David Nieto war nur von einigen Neidern und Feinden ausgegangen, denen der aus Livorno gebürtige, mit ausgebreiteten wissenschaftlichen Kenntnissen versehene Rabbi ein Dorn im Auge war, zumal sein Heller Blick besonders fich eignete, das sektirerische Treiben seiner Gegner in voller Blöße zu zeigen. Er hat seine Anfichten über Gott und Vorsehung auch noch in einer besondern Abhandlung in spanischer Sprache niedergelegt, welche in zwei Auftagen (London 1704 in 4. und 1716 in 8.) erschienen ist. Darin setzt er auseinander, wie von rechtgläubig-philosophischem Standpunkte sein Ausdruck nicht anzugreifen sei. Gott als natura naturan8 (Urgrund aller endlichen Dinge) im Gegensatz zur natura naturata (Inbegriff der endlichen Dinge) darzustellen, sei sowol im Sinne der religiösen Urkunden wie der philosophischen Forschung nicht abzuweisen. 2) Wenn R. Zesaia Horwitz in seinem Werke NrÄ angeblich „den bemerkenswerthen Gedanken ausspricht, daß Lohn und Strafe hienieden ganz natürlich, in der Natur begründete Dinge seien", so meint er damit keineswegs, „daß die göttliche Vergeltung nur in den natürlichen Folgen unserer Thaten bestehe", sondern will damit sagen, „daß die Natur der Kanal sei, wodurch die göttliche Vergeltung zu uns gelangt", d. h. Gott bedient fich natürlicher Ereignisse oder lenkt ihre Strömung in der Weise, daß wir auch darin für unsere Tharen Vergeltung erhalten. (Vgl. i-i'bo, eil. Amsterd. fol. 21.) —Der angeführte Satz aus Debarim raba Kap. 4 will durchaus die göttliche Schickung nicht aufheben; er besagt blos (wie aus dem Anfänge des Satzes hervorgchet ■'raä irr “on pr-lpn ‘rosre», das auf die Worte Deut. 11, 26—28. fich beziehet), daß nachdem Gott die moralische Willensfreiheit im Pentateuch proklamirte, der Mensch die Folgen seiner guten und schlimmen Handlungen fich selbst zuzuschreiben habe; die böse That erzeuge Böses und die gute — Gutes, nicht etwa im natürlichen Lause, sondern als moralische Folge. 3) Dahingegen ist Herr Rabbiner Schmiedel ganz im Rechte, daß in der zititten Stelle Schemot raba Kap. 3 nicht im Mindesten eine Abweisung des Pantheismus liege. Gott als Vater anzurufen ist übrigens nicht im