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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-02 · Heft 20 (2.5.1853) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 20 (2.5.1853)
Date
1853-05-02
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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243 Zen, bleibt er einseitig auf dem Parteistandpunkte stehen, daS Wort Gottes für dessen Interesse und seine individuelle religiöse Richtung deutend und auSbeutend. Ohne uns hier im Allgemeinen über Form und Inhalt obiger Predigt auszulassen, wollen wir nur die Aufmerksamkeit der Leser auf darin berührte, die abschreckenden lokalen Zustände betreffenden Punkte beanspruchen. Zuvörderst ist auf genanntem Titel — der unlogisch genug die That als ein Mittelding zwischen Erkenntniß und Glauben hinstellt, und dann letztere beide kategorisch trennt, als wären sie nicht biblisch (s. Chron. I. 28, 9.) und auch talmudisch identisch, der ja den bekannten Ausspruch thut: '121 msa rna 72 mro:« irsn tibns — die vorsätzliche Täuschung angebracht, daß sie in d er Synagoge zu Schwerin gehalten sei, während eö nur in der Winkelsynagoge der Dissidenten geschah. Es mag diese Bemerkung manchem Arglosen unerheblich erscheinen; uns indeß, die wir gewisse Motive deS Verf. daraus lesen, liegt den übrigen Gemeinden deS Landes gegenüber (und sie sind sämmtlich mit Eremplaren dieses BortrageS bedacht worden!) in dieser Verkürzung eine nicht löbliche Umgehung der Wahrheit. Doch wir wollen dieses nur als einen Formfehler hingehen lassen, deren sich ohnehin manche in homiletischer und sogar linguistischer Hinsicht aufsinden ließen. — Nachdem der Vers., offensichtlich sich Zwang anthuend, nachzuweisen sich bemühet, wie Welt und Natur und auch unsere Erkenntniß nur in Gegensätzen bestehe, werden diese auch im Judenthume und endlich sogar in den Eigenschaften der Gottheit wahrgenommen, woraus er dann die Konsequenz zieht — und das scheint der eigentliche Angelpunkt deS ganzen Sermons zu sein, — daß es für Israel keinen ausschließlichen Gott der Liebe gäbe, sondern wir müssen uns diese stets mit der Rache vereint denken, und darum ist eö dem Geiste des JudenthumS angemessen, daß dessen Bekenner in ihren Gebeten daS himmlische Strafgericht herabflehen, um Rache zu nehmen an ihren Gegnern (Herr vr. E. meint gewiß nur die mittelalterlichen und bereits begrabenen; die gegenwärtigen zu involviren, dawider wird er aus Politik und Takt selbst Einspruch erheben —) und ergo kann auch die neuerungssüchtige Synagogenordnung in Mecklenburg, die alle solche gottgefällige Gebete gestrichen hat, nicht länger Bestand haben. Zu diesem erfreulichen Resultat gelangt der Vers, durch Sophismen, die einem sogenannten Darschan in der Elbstraße am Sabbat Nachmittag bei seinen Hörern ein beifälliges Lächeln zugewinnen, uns aber in einer Erbauungsrede, die, wie wir es seit Holdheim und Einhorn gewohnt find, daS sittliche und religiöse Gefühl wecken und heben soll, verwerflich erscheinen. Zugegeben übrigens, Jehova walte in Liebe und Rache zugleich — aus der mosaischen Theosophie ist unzweifelhaft daS Gegentheil zu erweisen (eonk. die min tii»? obrs mit dem bekannten ivn -wbn iian u. m. A.); was den Ps. anbetrifft, den E. mit der Stelle 'n mnpa b« zitirt, so ist dort nur stets von heidnischen Vaterlandsfeinden oder polytheistischen GotteSgegnern die Rede — wo ist es denn aber vorgeschrieben, daß man im Gebete Gott in allen seinen Attributen, also auch als Rächer anzuflehen verpflichtet sei? Ein Anderes ist die Lehre, ein Anderes der Gottesdienst. Der Talmud selbst, der daS Aufzählen aller Eigenschaften der Gottheit rügt "121 mm •’mob mmo, nennt daS Gebet 2^nni (Abot 4.) i. e. Liebe und tadelt ausdrücklich, den Untergang der Sünder zu erflehen, sondern Vielmehr deren Bekehrung. Namentlich sind die krassen Rachegebete: amobnbi, die späteren 2» a-’nniii und 2122 1:2122 bi im^fi im 21 ni sirn, so wie in den sämmtlichen Piutim, nur einseitige Zusätze, die weder durch hohes Alter noch durch Einstimmigkeit der Autoritäten sanktionirt und auch nicht allgemein rezipirt worden. Herr Or. E. weiß dieses recht wohl; auch wollen wir ihn nicht der Intoleranz gegen die Verfolger Israels zeihen: seine Unduldsamkeit ist lediglich und zwar per las et nelss, gegen die Synagogenordnung gerichtet, die einmal nicht länger eristiren soll, aus Gründen, die wir schon angedeutet haben und die wir aus Schonung für den Verf. nicht wiederholen wollen. Schließlich ist noch die Diktion im Allgemeinen, die an Ueberschwenglichkeit und Ueberladung leidet, namentlich aber die an Lobhudelei grenzende absichtliche in dem Schlußgebete zu rügen, wobei der Vers., seinem Prinzipe zuwider, der Liebe allein huldigte, die auch von der Kanzel herab gewisse Grenzen beobachten muß! S. Bl. Preußen. Berlin, I.Mai. Die Frage, ob jüdische Grundbesitzer zur Fortentrichtung der nach Maßgabe des

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