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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-02 · Heft 19 (2.5.1853) · p. Seite 238

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 19 (2.5.1853)
Date
1853-05-02
Page
Seite 238 (sequence 10)
Language
German
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238 Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Vergleichende Studien über den Talmud, von D. -Oppenheim, Rabbiner in Jamnitz. IV. Die Lage des Bettes. ES ist eine sich oft bestätigende Wahrheit, daß die Alten eine viel natürlichere, schärfere Beobachtung der Natur besaßen, der sie oft Geheiumiffe ablauschten, die den Neueren mit all ihren reichen Hilfsmitteln, mit all ihren Ferngläsern, Mikroskopen und Skalpels noch lange unbekannt bleiben werden. Der Einstuß deS SideriSmuS war ihnen besonders wohlbekannt und sie suchten sich dagegen durch Präservativmittel so viel wie möglich zu schützen. Sie gebrauchten in vielen Dingen eine besondere Vorsicht, von denen wir unS gar nichts träumen lassen, und sie bedienten sich gegen den minder skrupulösen Zweifler der pikanten Antwort: Die einfältigen Herzens find, die wahret Gott. (Pf.) Selbst die Lage und die Stellung des Bettes war ein Gegenstand der Austnerksamkeit und von bedeutender Wichtigkeit. Hören wir darüber Aristoteles Polittk B. 8. K. 16 an. „Die Eheleute selbst aber müssen noch über die Punkte, welche die Mittel zur Erzeugung gesunder und starker Kinder betreffen, die Aerzte und Physiker zu Rache ziehen. Jene werden ihnen die verschiedenen Perioden und Abwechselungen des menschlichen Körpers, diese die Natur und Verschiedenheit der äußeren auf den Körper wirkenden Ursachen, z. B. der Winde, lehren, unter welchen der Nordwind dem Südwind vorgezogen wird." Auch der Talmud scheint diese Vorsicht anzurathen. Berach. 5. Ir. R. Johoschua ben Lewi sagt daselbst, daß er immer darauf bedacht war, sein Bett zwischen Norden und Süden zu stellen. Rabbi Chama bar Chamina spricht sich darüber genauer aus: Wer sein Ehebett stellt zwischen Norden und Süden zeugt Knaben. ■pa inan fmsrt ba «ban 's® a-^av trsa rrb ynrv a*mb -pss «bar ,yiBS p®b ‘pnajsi -®-ns — «a^aa i^a®'' a:aa '■jdt D’ovir: •’a*’. Der Segen der Fruchtbarkeit wird hier allein auf Knaben bezogen, aber ist doch nnr im allgemeinen Sinne, zeugt Kinder, zu verstehen. DerBibelverS Ps. 17, der durch ein glückliches Wortspiel Nord ----- ■paat als Beleg angeführt wird, möge auch durch den Ausdruck a*aa dazu Veranlassung gegeben haben. Herr Kirchheim hat bereits Orient 1848, No. 42 diese Stelle durch ein Zitat aus Apol. des Hypokr. II. 543, wonach die Lage gegen gewisse Himmelsgegenden auf den AbortuS und die Fruchtbarkeit des WeibeS influirt, und zwar umgekehrt wie im Talmud, die Nordseite auf den Abortus und die Ostseile auf die Fruchtbarkeit, zu erklären versucht, ist aber zu einem verkehrten Resultat gelangt. Wahrscheinlich empfiehlt der Talmud die Lage gegen Norden, um dem der Furchtbarkeit günstigen Einflüsse deS Nordwindes, nach der Meinung der alten Physiker, mehr auSgesetzt zu sein. Der Nordwind war überhaupt der regenbringende und daher fruchtbare Wind, und darauf bezieht der Spruch: Nordwind schafft Regen, Sprüche 24. Ost- und Südwinde sind hingegen im Morgenlande sehr verheerend, worunter der Samum der gefährlichste und tödtlichste ist. V. DaS Weib. Eine von den schönen, wenig befolgten Weisheitsregeln des Talmuds ist es, die zur Charakteristik desselben wichtig ist, daß der Mensch erst für seine Eristenz Sorge tragen und dann erst heirathen soll.' (Sota.) Denn auch Salomo, Sprüche 24, 27., sagt: ‘■pt* *p*v ,tnn *pnb n®« sw arffio a-o wv ma an» raa*’® Richte draußen dein Geschäft ein, bearbeite deinen Acker; darnach baue dein HauS. Unter HauS wird aber die Gattin verstanden. rv®s iv ^rra rvaai. Auch Aristoteles stimmt dieser Regel, indem er Politik I. 1 einen VerS HefiodS als Beleg anführt, bei. „In dem bekannten VerS HefiodS heißt es: Erst das Haus, die Gattin dann, und den pflügenden Ochsen. Der pflügende Ochs stellt hier den Knecht vor: denn in der Thal haben die ärmeren Leute kein anderes ihnen dienendes Geschöpf." Solche Redensarten, einen Gegenstand mit einem andern zu verwechseln, liebten die Alten, und auch R. Joße sagt: rrb ^a ■»‘■n® ->ri->a »bs t®k Ti®Nb ■»xvnp. Die Bezeichnung des R. Joße, unter dem pflügenden Ochsen das zu bearbeitende Feld zu verstehen, ist hier gewiß passender als in dem Verse des Hefiod, wo der OchS dem Knechte gleichbedeutend gesetzt wird. Es ist dies ganz im Sinne der Griechen, die ihre Sklaven für nichts besser als für pflügende Ochsen Hielten. (Fortsetzung folgt.)

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