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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-05-02 · Heft 19 (2.5.1853) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 19 (2.5.1853)
Date
1853-05-02
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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237 nisterium des Innern attachirt ist. Biele Jahre quälte ihn das Asthma, das seinem Leben am 5. März, im Alter von fast 72 Jahren, ein Ende setzte. An seinem Grabe sprachen der Oberrabbiner Löb und der Präsident deS Konsistoriums, Lassen. Er war Mitglied von mehr als 20 gelehrten Gesellschaften, wie der Akademieen zu Metz, Rancy, Antwerpen, Gent; die antiq. Ges. zu Kopenhagen und die historische Akademie von Uetrecht schickten ihm freiwillig ihre Diplome. In der Freimaurerei hat er den 33sten Grad erreicht, den höchsten vom schottischen Ritus. Donaufürsteuthümer. Aus der Moldau, Ende März. (Privatmitth.) Ich befinde mich heute in der traurigen Nothwendigkeit, Ihnen eine Thatsache zu referiren, welche leider nicht den optimistischen PaffuS bsntr •ca ba trns bewahrheitet. Die foltischener Herren M. Grünwald und A. Edelstein nämlich, die in LeSpez, einem im foltischener Kreise liegenden Städtchen, die dortige jüdische Fleischsteuer pachteten, und eS aus Eingebung einer niedrigen Habsucht und unlautern Ambition zum Rachcheile der armen leSpezer Judenschast mißbrauchten, glaubten, durch die Widersetzlichkeit der Letzteren gestachelt, nachstehende Brutalität auf exekutivem Wege auSüben zu müssen. Nicht genug daher, daß sie alle leSpezer Angesehenen im schmutzigsten Gewahrsam 3 Tage bei Brod und Wasser hielten, so daß durch den alldort herrschenden panischen Schrecken mehrere Frauen abörtirten, nein! sie griffen auch schmachvoller Weise mit anti-religiösen Dingen an, und zwar, die Armen im Sabbat ererziren zu lassen, den Schalend mit Schinken zu vermengen, und andere Schandlichkeiten, die nur schandvoll für das Judenthum wären, wenn ich sie niederschriebe. Ein Schrei der Entrüstung durchlief unser ganzes Ländchen, dessen sich auch mehrere unserer christlichen Mitbürger nicht erwehren konnten, so daß die Regierung sogleich eine UntersuchungSkommisfion dahin beorderte, die aus'S Kräftigste einschreiten wird. *) In Jassy wurde dieser Tage in der Synagoge, nachdem zuerst Herr vr. Blaustem, ein Israelit, den Zweck der 'Feierlichkeit in einigen Worten feierlich dargestellt, und der Oberrabbiner eine passende Gelegenheitsrede gesprochen, ein feierlicher Dankgottesdienst für die Rettung des Kaisers von Oesterreich abgehalten. Die Synagoge, die mit schönen Teppichen behängt, und mit 200 Paar silbernen Leuchtern geschmückt ward, machte einen wahrhaft imposanten Eindruck auf daS österreichische Konsulatpersonal, das der Feierlichkeit beiwohnte. Schließlich, als Kuriosum, von einer in Jassy kursirenden Gespenstergeschichte. Eines Morgens erzählte ein Barbier, der im jüdischen Badehause übernachtete, folgende mysteriöse Geschichte: Als es ungefähr die Mitternachtstunde schlug, «da hielt eine Karosse mit vielem Geräusche bei gedachtem Badehause an, heraus stieg eine schlanke, ehrfurchtgebietende Frau, und verlangte beim Badewirth die mp» herzurichten, als darauf aber der Badewirth fein Bedenken äußerte, daß eS ihm im Momente an den nöthigen weiblichen Dienstboten fehle, so traten auf einen Pfiff zwei Frauen herein und besorgten daS Nöthige. Darauf warf sie dem Badewirth einen Kr. Zwanziger zu und wollte sich entfernen, da stützte der Bader und meinte, daß es zu wenig sei. Das Nachtgespenst aber, darob erbost, hielt ihm, abgesehen von einer tüchtigen Portion von Schlägen, eine lange Strafpredigt über sein sündhaftes Verfahren, bei den armen Frauen ein zu hohes rnp»-Geld zu verlangen, die dadurch daS Pflichtgebot der mp» zu vernachlässigen bemüßiget sind. Der Barbier, der dem humanen Gebot aTsn ata u. s. w. Nachkommen wollte, konnte eS doch nicht, da er zauberischer Weife an seinen Platz gebannt war. AlS dies aber TageS darauf ruchbar wurde, und das BadehauS natürlicher Weise als nicht geheuer galt, so gelang eS endlich den Bemühungen deS Baders, der Sache auf die Spur zu kommen, woraus sich ergab, daß die Heldin der Schreckensnacht eine arme Jüdin war, die sich das Elend ihres Geschlechts zu Herzen nahm, und auf diese Art den Sünder einzuschüchtern gedachte. L. F. — *) Wenn nicht unser Korrespondent seit vielen Jahren uns als sehr glaubwürdig bekannt und erprobt wäre, würde man wol schwerlich an solche Schandlichkeiten glauben.'! Redakt. 19*

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