Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 19 (2.5.1853)
- Date
- 1853-05-02
- Page
- Seite 236 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Levis Marks, eine Szene statt, welche die große Mehrheit der Gemeinde, die zugegen war, zu Thränen rührte. Wir geben die Fakta, da Kommentare unnöthig find, außer der Bemerkung, wie vergebens alle Versuche find, die Juden zum Vergessen deS Glaubens Abrahams, JsaakS und Jakobs zu bringen, da das Gewissen seine Macht und seinen Einfluß auSübet. David Alvarez entsagte dem Judenthume vor 21 Jahren, und während der letzten 10 Jahre war er einer der thätigsten Missionäre der londoner MisfionSgesellschaft. Gestern (Donnerstag), bevor der Morgengottesdienst vollendet war, bestieg jener Mann den Lesepult deS Vorbeters, und in einer feierlichen Rede, die tief aus dem Herzen kam, bekannte er in Gegenwart GotteS und der Gemeinde die schwere Sünde, die er begangen, indem er der Religion seiner Väter um weltlicher Zwecke willen, entsagte. David Alvarez erbat ernstlich die Verzeihung des allbarmherzigen GotteS Israels für sich, Weib, Sohn und drei Töchter, die in der Synagoge gegenwärtig waren, und versprach für sich und sie feierlich, standhaft im Glauben seiner Brüder vom Hause Israels zu bleiben, und wiederholte mit Inbrunst dessen Fundamentallehre : Höre, Israel, der Ewige, dein Gott, der Ewige ist einig und einzig! Der Sohn ist ein gentlemanmäßiger Jüngling von 21 Jahren, die drei Töchter sind von 17—30 Jahren alt. Belgien. Brüssel, im April. Die Arch. isr. de Fr. enthalten einen Nekrolog deS vor Kurzem verstorbenen So m er hausen (s. No. 14) aus dem wir Folgendes hervorheben. Hartog Somerhausen ist zu Niederwehren in Baiern den 22. Oktober 1781 geboren. Sein Vater, Simon S., verlebte einige Jahre in Berlin, wo er mit Mendelssohn vertraut war (ihre Korrespondenz befindet sich in der letzten Ausgabe der Werke M'S. Leipzig 1844*)), auch wohnte er lange Zeit in Holland, wo er Lehrer war; alsdann ließ er *) Wir finden nur einen Brief M's. Bd. V. S. 527, einen AuSzug aus einem hebräischen Briefe, der von dem Werke Isak P i n t o' s in Amsterdam gegen die Materia- . listen handelt, welches Sommerhausen an Mendelssohn zu übersenden vom Pinto ersucht worden. Der Brief ist ein Zeugniß von dem tüchtigen Wesen Somrrhausens des Vaters. Redakt. sich in Niederwehren nieder, wo er zum ersten Syndikus der jüdischen Gemeinde ernannt wurde. — In Folge der französischen Invasion begab sich S. S. wieder nach Holland, und als später der Sohn, Hartog S., sich in Brüssel niederließ, folgte ihm sein Vater dahin und starb daselbst 1821. Die Matter H's, Karoline Cohen, gehörte einer Familie an, aus der mehre ausgezeichnete Rabbinen hervorgegangen. Hartog, seit 1797 in Holland, ergab sich mit Eifer dem Unterricht, Anfangs in Nymwegen, ließ er sich später in Amsterdam nieder, und studirte auf's Anhaltendste. In seinem 18ten Jahre kannte er noch nur das Hebräische und ein schlechtes Deutsch. Aber während er seiner zahlreichen Familie durch hebräischen Unterricht den Lebensunterhalt verschaffte, lernte er deutsch, holländisch, flämisch, französisch, lateinisch, griechisch, englisch, italienisch, spanisch, russisch, arabisch, syrisch; erwarb sich mathematische, physikalische, chemische Kenntnisse, zeichnete und gravirte gut, und wurde ziemlich stark auf Piano und Violine, wobei er meist sein eigner Lehrer war. 1817 ging er auf vielfaches Verlangen nach Brüssel, und wurde Sekretär der dortigen Gemeinde; er war so der Kopf und Arm der Administrativkommission, gründete eine israelitische Primärschule, der die Regierung bald den Titel einer Musterschule verlieh. Als Privatlehrer hatte er Zöglinge, welche Minister des Königs, hohe Würdenträger u. s. w. wurden. Er wurde auch an der Redaktion des offiziellen niederländischen Journals betheiligt, und Chef der Korrespondenz der Jndustriegesellschast. Im Oktober 1825 heirathete er Marianne Bing, Tochter des durch seine schöne Uebersetzung des Phädon von M. bekannten JesaiaS Berr. 1830 weigerte sich H. S. dem holländischen Hofe zu folgen, obgleich ihm glänzende Anerbietungen gemacht worden. Demungeachtet sah ihn die belgische Regierung als Holländer an, und er verlor seine öffentlichen Aemter bei der Bank, als Redakteur deS Moniteur beige, als Uebersetzer des Lulletin des lois. Von da ab behielt er nur das Amt eines vereidigten UebersetzerS in einem Dutzend Sprachen am Appelhof und dem Obertribunal. Er gründete und dirigirte von 1832—1338 die librairie etrangere, die er Herrn Muquardt abtrat. Er war auch Ehrenmitglied des israelitischen Konsistoriums. Die Erziehung seines einzigen Sohnes beschäftigte ihn besonders, der, später promovirt, jetzt beim Mi-