Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 19 (2.5.1853)
- Date
- 1853-05-02
- Page
- Seite 231 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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231 Alles, was in den Geist kommt, in den Schmelztiegel der Prüfung, auf den Probierstein der Untersuchung, und zwar desto ernster und mühseliger, je schärfer dieser Verstand, je entwickelter und ausgebildeter dieses Herz ist. Also Prüfung des Glaubens durch den Verstand und das Herz. So wenig die letzteren jenen zu beseitigen vennögen, ebenso wenig der Glaube das prüfende Herz, die untersuchende Vernunft. Denn wohin führte es uns, wenn wir nur Glauben haben und alle Prüfung des Verstandes und Herzens zurückwcisen wollten? zur Leichtgläubigkeit, zu blindem Glauben, zu Aberglauben, der den Glauben bald zum verkehrtesten, widersinnigsten, den Goktglauben cntstelicndsten, den Menschengcist ernicdrigstcn Inhalt mißbrauchen würde. Und wie? zeigt uns die Schrift nicht überall, wo sie vom „Glauben" spricht, daß er erst nach Prüfung und Erweisen einirat? Abraham, der erst gezweifelt, ob ein eigner Sohn sein Erbe sein würbe, als er, herausgeführt, auf die Sterne des Himmels verwiesen wurde — rri"P fo „so soll Deine Nachkommenschaft sein" — wer diese geschaffen, kann Dir auch einen Sohn geben — (1 M. K. 15.) ■paKin, da glaubete Abraham. Als Jisrael am Ufer des Rothen Meeres gerettet, gewahrer hatte die Allmacht des Ewigen, an Pharao und Egypten erwiesen, da glaubcten sic (2 Mos. 14, 31.) „Das Volk soll hören, wenn ich mit Dir rede, damit es an Dich glaube ewiglich" (das. 19/9.) Erst dann, als Zisrael trotz allen Erweisen nicht glaubete, wird ihm dieser Mangel an Glauben zum Vorwurf gemacht (4 M. 14, 11. 5 M. 1, 32.) — rrv "O •jrrrora inaa «bi a^rkaa irasr: „daß sie an Gott nicht glaubeten, auf seine Hilfe nicht vertrauten" (Pf. 78, 22.).- Aber dies ist ja der ganze Kampf, um den es sich handelt, — von der einen Seite der Glaube, der gar nicht zurückgewiesen werden kann, von der andern der prüfende Verstand und das sichtende Herz, die nicht minder ihre, von Gott empfangene Berechtigung haben, und nicht ertödtet werden können, ohne auch Len Glauben in bodenlose Tiefe mit hinabzureißen? — wo ist La die Grenzscheibe? oder vielmehr wo da die Vermittelung, innerhalb derer der Mensch bestehen kann? welcher ist der rechte Glaube und der rechte Verstand?... ES ist nicht zu schwer zu sinden,, es ergiebt sich wie von selbst, eS ist eben der Knotenpunkt uusers Iudcnthums — nicht das ist der rechte Glaube, der von der Vernunft erst erwiesen haben will, was er zu glauben, sondern das ist der rechte Glaube, der da glaubt, was unsrer Vernunft und unserm Herzen nicht widerspricht. Der rechte Glaube ist also die feste, unerschütterliche Annahme und Voraussetzung der religiösen Lehren, welche mit unsrer Vernunft, mit unserm Herzen, mit unserm ganzen geistigen Wesen nicht in Widerspruch stehen, wogegen nur die Vernunft ankämpft, welche in ihrem Wahne allen Glauben leugnen und beseitigen will. Nicht das Unerwiesene, sondern das unserer Vernunft völlig Widersprechende ist das Kriterium, ist der Maßstab des Glaubens. Ha, jener Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erden, seine Alllicbc, seine Allweisheit, widerspricht er Deiner Vernunft, Deinem Herzen? ohnmächtiger Staubgeborner, wenn Du ihn nicht glauben willst, eh' ihn Dir nicht Deine beschränkte Vernunft erwiesen habe. Wie? daS Dasein und die Unsterblichkeit Deines Geistes, widersprechen sie Deinem Verstände, Deinem Herzen — oder ruft Dein ganzes geistiges Wesen Dir nicht zu: also ist es! Wehe, Du irrende Vernunft, die Du sie nicht eher glauben willst, als bis Du sie mit Beweisen wie mir Händen greifen willst. Jene göttliche Vorsehung, jene menschliche Tugend, jene göttliche Vergeltung, jene menschliche Liebe — Du willst sie nicht anerkennen, als bis Deine Vernunft — trotz tausendfältigen Beweisen, wenn Du glaubst — sie im Irrgarten Deiner Schlüffe und Folgerungen so erwiesen habe, daß ein Zweifel gar nicht mehr möglich sei? Geh hin, Thor, Du willst, wozu Du nicht geschaffen, und wozu Du geschaffen, zum Glauben, zum rechten Glauben, der in der Uebereinstimmung des Verstandes und Herzens sich beruhigt, das willst Du nicht — Du wirst Nichts erreichen, Du wirst Dich niemals begeistern, Du wirst keine Thal vollbringen, Du wirst nicht erlöset werden.'... — Es war in Israel eine Zeit, wo der Glaube, weil blind, zum Aberglauben geworden, wo die Lehren der religiösen Idee mit so vielen Schalen und Hüllen, fast zum Erdrücken, umgeben waren — damals mußte die Stimme der prüfenden Vernunft, damals die Widersprüche unsers Verstandes und Herzens erhoben werden. Aber die Zeit ist eine andre geworden und das moderne Israel warf und wirft sich in das Entgegengesetzte, in den Unglauben hinein — so muß die Stimme des rechten Glaubens erhoben, so müssen die Irrenden zurückgcrufen werden/ Und fraget Ihr daher: wodurch kommen wir zu diesem rechten Glauben? Zuerst prüfet: diese erhabenen Lehren, welche der rechte