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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-04-25 · Heft 18 (25.4.1853) · p. Seite 221

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 18 (25.4.1853)
Date
1853-04-25
Page
Seite 221 (sequence 7)
Language
German
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221 segneten Wirksamkeit dieses Vereins liefert. Der Verein hatte bei seiner Konstituirung einen Fonds von 357 Fl. 12 Kr. K. M. und weist jetzt ein Vermögen von 2683 Fl. 59 Kr. K. M. auS, wozu im Verlaufe der 4 Jahre seines Bestehens die Spenden großmüthiger Förderer 867 Fl. 12 Kr. K. M. beigetragen haben. Eine weitere wichtige Unterstützung verdankt der Verein den zinsfreien Vorschüssen einzelner Mitglieder, welche in den letzten 2 Jahren 1760 Fl. K. M. betrugen. An dieser edelmüthigen Handlung waren betheiligt: Herr L. G. Bon di mit 300 Fl. K. M., Herr MeroreS mit 400 Fl. K. M., Herr I. PereleS mit 100 Fl. K. M., Herr Stein mit 300 Fl. K. M., Herr Wahle mit 400 Fl. K. M., Herr MoseS Wiener mit 200 Fl. K. M. Wir stimmen von Herzen in den Wunsch deS leitenden Ausschusses ein, daß diese Theilnahme sich erhalten und immer allgemeiner werden möge! In den Zeitungen spukt wieder das Gespenst eines angeblich in nächster Zeit zu erwartenden JudengesetzeS, das manches Gemüth beunruhigt. Indessen versichern Personen, die in der Lage find gut unterrichtet zu sein, daß daS zu erwartende Gesetz über die Beschränkung der Heirathsbewilligungen nicht wesentlich hinauSgehen werde. Die Zukunft wird'S lehren. Dieser Tage ist dem d. z. Präses der KultuSrepräsentanz, Herrn E. Wehli, eine mit mehreren Hundert Unterschriften bedeckte Adresse als Zeichen der Anerkennung seiner uneigennützigen Mühewaltung zum Wohle der Gemeinde überreicht worden. Wir erblicken in diesem Anerkennungsakt ein Omen der Wiederwählung deS Herrn W. In den bevorstehenden Mittelfeiertagen dürfte die betreffende Wahl stattfinden. Auf Anregung des Herrn Wehli soll hier ein israelitisches Armenhaus gegründet werden; desgleichen hat der Kreisrabbiner zu Raudnitz einen Aufruf zur Gründung eines Pensionsfon deS für Rabbinerwittwen ergehen lassen. Wir werden nächstens über beide Unternehmungen Näheres berichten. Soeben wird mir mitgetheilt, daß Herr E. Wehli zum Direktor des erwähnten Vereins gewählt worden ist. Großes Aufsehen machten hier mehrere in der „Freimüthigen Sachsen-Zeitung" vor Kurzem erschienenen Artikel, die Kultusfrage in Mecklenburg-Schwerin betreffend. Ich komme hierauf vielleicht wieder zurück. Wien, 9. April. (Privatmitlh.) Herr LeiderSdorf, Lehrer an der israelitischen Kleinkinderbewahranstalt, trägt sich seit lange mit dem Projekte herum, ein Waisenhaus zu gründen in Verbindung mit einer Schule, an der er der Direktor sein will. Nun gehört aber dazu Geld, und noch einmal Geld. So wohlthärig aber auch sonst eine solche Anstalt wäre, so müßte an der Spitze eines solchen Unternehmens eine Persönlichkeit stehen, die mehr Gewicht in die Wagschale zu werfen im Stande ist. Herr L. will nun die glückliche Errettung Sr. Majestät dazu benutzen, um die Monarchie zu dem Unternehmen gu drängen, indem der Schild deS Patriotismus vorgesteckl wird. Nichtsdestoweniger dürfte das Vorhaben doch vor der Hand scheitern. Auch die Behörden wollen es nicht gehörig unterstützen. In letzter Zeit ist wieder viel die Rede von einem Judengesetze. Seitdem Preußen den Rückschritt gegen die Verfassung gemacht hat, läßt sich freilich Nichts bestimmmen; aber ich glaube nichtsdestoweniger, daß die Angelegenheit so entschieden werden dürfte, wie ich eS Ihnen jüngst geschrieben. Noch erlauben Sie mir Ihnen von dem Religionsunterrichte, den Herrn Rabbiner Feilbogen in Snaßnitz in Mähren den Gymnasialschülern ertheilt, ein Wort zu sagen. Er besteht in etwas biblischer Geschichte und in — Dikduk. So ist der Religionsunterricht beschaffen, den ein orthodorer Rabbiner ertheilt und der eine zweite Klasse giebl, wenn der Schüler am Samstag einen Kreuzer in die Hand nimmt. Woher soll bei diesem Unterrichte die Religion kommen? Das Dikduk allein macht doch nicht religiös. Wir sind sogar geneigt zu glauben, daß eS nicht die Kenntniß der hebräischen Sprache verschafft. In solchen Händen wird wahrlich der grüne Zweig zum dürren Stocke. NB. Ich komme soeben von der Prüfung, die Herr Deutsch mit den Zöglingen deS israelitischen TaubstummeninftitutS in der Religionsschule veranstaltet hat; und ich kann nur mein früheres Urtheil über Herrn D. bestätigen. So weit Resultate nur taubstummen Kindern erzielt werden können, so weit waren sie erzielt.

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