Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 18 (25.4.1853)
- Date
- 1853-04-25
- Page
- Seite 220 (sequence 6)
- Language
- German
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220 während die Rabbinerschule 110 Zöglinge hat. An den 5 jüdischen Elementarschulen — welche unter der Rubrik „Regierungsschulen" aufgeführt sind — wirken 10 Lehrer, welche, von der Regierung angestellt, von dieser besoldet werden. Wie viel Lehrer an der Rabbinerschule angeftellt sind, ist in dem Berichte nicht angegeben, wol aber, daß diese Anstalt zu den Spezialschulen gehört. — Im Königreich Polen leben unter 4,810,735 Seelen 554,984 Juden. Demnach ist in Polen mehr als der 9te Mensch ein Jude. Des rauhen WinterS ungeachtet sind am 22. d. M. 40 jüdische Einwohner PosenS per Eisenbahn nach Hamburg abgegangen, um von da nach Amerika auSzuwandern. Unter dieser Karavane befand sich — neben sthr vielen Jünglingen — auch ein über 60 Jahr alter Mann, welcher von seinen, in der neuen Well wohnenden, reichen Kindern aufgesordert worden, den Abend seines Lebens bei ihnen zuzubringcn. Für daS kommende Frühjahr bereiten sich noch größere Züge zur Auswanderung vor. Die große Gemeinde Jnnowraclaw hat endlich auch eine öffentliche Elementarschule — jedoch nur mit 2 Klassen und 2 Lehrern. Dem jüdischen Schulwesen in Lissa steht auch eine Veränderung bevor. Es sollen nämlich die dort bestehenden 17 Elementarklassen (8 evangelische, 6 jüdische und 3 katholische) auf weniger, etwa auf 12 — mit Beibehaltung des konfessionellen Charakters — rebuzirt, und neben diesen aber eine höhere Sim.llkanbürgerschule mit 6 Klassen errichtet und an derselben — nach Berhältniß der Einwohner — etwa 3 evangelische, 2 jüdische und 1 katholischer Lehrer angestellt werden. Kommt dieser Plan zur Ausführung, so dürste alsdann die jüdische Gemeindeschule höchstens nur 4 Klaffen (für Kinder vom 6. bis zum zurückgelegten 10. Lebensjahre) behalten. Zum Schluffe gestatten Sie uns noch, Ihnen einen Zug edler Menschenfreundlichkeit mitzutheilen, welcher neulich von dem Gutsbesitzer Anton v. KaminSki auf Gulczewo im wreschner Kreise an Markus SmuSzewer, einem Israeliten auS Wrefchen, bewiesen worben. Letzterer war nämlich am 13. d. M. mit geladenem Fuhrwerke von Hause abgereist, um nach Gnesen zu fahren, mußte aber — durch die am Nachmittage gefallenen fürchterlichen Schneemassen am Weiterkommen gehindert — in einem Dorfe über Nacht bleiben und am folgenden Morgen sogar — da die ganze Nacht hindurch die Schneemaffen sich immer mehr gehäuft hatten — die Rückreise antreten. Er that dies zu Pferde, die Ladung in dem Dorfe zurücklassenv, und begleitet von einem Bauer, der ebenfalls ein Pferd ritt. Vor dem Gute G. angelangt, hatten aber die beiden Reiter das Unglück, mit ihren Pferden, die aneinandergekoppelt waren, in einen Brunnen zu stürzen, der so verschneit gewesen war, daß man — über den Schnee hinwegreitend — durchaus nicht ahnen konnte, welch tiefer Abgrund unter demselben verborgen. Der Bauer war es, welcher sich zuerst Hervorarbeiten und um Hilfe rufen konnte, während der arme Jude immer tiefer sank und dadurch immer mehr in die Gefahr kam, das Leben zu verlieren. Die auf das Hilfegeschrei herbeigeeilten Landleute wollten aber zuerst die beiden Pferde und alsdann den Juden hervorziehen — ein ebenso unsinniges als unmenschliches Unternehmen, welches nur dadurch vereitelt wurde, daß noch zeitig genug der Herr des Dorfes, der genannte A. v. KaminSki, herzukam und den Befehl ertheilte, vor Allem „daS Menschenleben zu retten", waS durch große Mühe und Anstrengung — wobei Herr v. K. selbst auf'S Kräftigste sich bethätigte — endlich auch gelang. — Der arme SmuSzewer, fast ganz erstarrt auS dem Brunnen gekommen, ward hierauf von Herrn v. K. mit in'S HauS genommen, gerieben, in ein erwärmtes Bett gebracht, mit allen möglichen Erfrischungen gestärkt, und am andern Morgen — als er sich schon völlig erholt hatte — in der Equipage seines Retters bis nach Haufe gebracht. M. Smoszewer hat also nächst Gott dem edeln v. Kaminski die Erhalmng seines Lebens zu verdanken. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, im April. (Privatmitth.) Seit einigen Jahren besteht hier ein Verein zur Unterstützung unbemittelter Gewerbsleute ohne Unterschied der Konfession mittelst unverzinslicher Darlehen. Der leitende Ausschuß besteht aus den Herren Merores, Stein und Wahle. Diesem steht noch ein erweiterter Ausschuß von zehn Personen zur Seite. DaS Marimaldarlehen beträgt 40 Fl. K. M. Vor Kurzem ist ein Ausweis der Einnahmen und Ausgaben des Vereins seit seiner Gründung im Jahre 1848 erschienen, der die sprechendsten Beweise von der ge-