Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 18 (25.4.1853)
- Date
- 1853-04-25
- Page
- Seite 218 (sequence 4)
- Language
- German
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218 wurden doch mehrere Kandidaten jüdischer Konfession zur Wahl vorgefchlagen, und einer derselben, der Kaufmann Zacoby erhielt eine bedeutende' Majorität von Stimmen. Bei Einführung der neuen Gemeindeordnung wurde Herr I. gleichfalls als Gemeindeeinnehmer gewählt und auch von der Regierung sanktionirt. Herr 3. verwaltet sein Amt mit großer Umsicht und Sachkenntniß, und wird es ihm von der Behörde stets anerkannt. ES wäre daher sehr zu bedauern, wenn auch unsere zweite Kammer den Entwurf der Regierung, betreffend die Zulässigkeit der Juden zu Kommunalämtern, annehmen würbe, wodurch vielleicht Herr I. von seinem Posten suSpendirt werden könnte. 8. Berlin, 12. April. Bon den Herren Ministern der geistlichen und UnrerrichtSangelegenheiten, deS Innern und der Finanzen ist den Kammern die Denkschrift, die Ausführung deS Gesetzes vom 13. Juni 1851 über die Unterhaltung, Verpflegung und Erziehung der oberschlefischen TyphuSwaifen im Jahre 1852 betreffend, nunmehr übergeben. Im Anschluß an die Denkschrift vom 20. April 1852 behandelt die vorliegende zunächst die Unterbringung der Waisenkinder in Anstalten, dann die Unterbringung derselben in Familien, endlich die Verwendung der vorhandenen Fonds. Ueber die jüdischen Waisenkinder spricht sich daS Memoire folgendermaßen auS: „WaS die jüdische Waisenerziehung betrifft, so hat sich die Unterbringung der Kinder in christlichen Anstalten, ebenso wie die Errichtung eines eigenen Erziehungsinstituts theils als unzulässig, theils als unausführbar herausgestellt, und ist daher nur die Unterbringung bei geeigneten Familien übrig geblieben. Ferner mußte auch hier nach dem bezüglich der christlichen Kinder befolgten Grundsätze verfahren werden, wonach nur für solche Waisen, welche außerhalb der betreffenden oberschlesischen Kreise erzogen werden, VerpflegungS- und Erziehungsgeld gezahlt und nur in besonderen Fällen von dieser Regel abgewichen wird. Nachdem durch die Bevollmächtigten der Juden in den Kreisen Rybnik und Pleß an die verschiedenen Judengemeinden der Provinz Aufforderungen wegen Ermittelung geeigneter Familien ergangen waren, hat sich bis jetzt nur für 11 der vorhandenen 54 Waisen die Unterbringung in Familien, welche Letztere sännntlich daS PensionSgeld von 15 Thlrn. beanspruchen, ermöglichen kaffen. ES ist aber, um auch dm übrigen die Wohlthar einer zweckmäßigen Erziehung zuzuwenden, eine erneuerte Anregung Seitens des Oberpräsidenten in Aussicht genommen." (Dieser Stand der Angelegenheit ist sehr betrübend. Von 54 Waisen konnten nur 11 in Familien unrergebracht werden! Und waS wird aus den übrigen 43!!? Und die Juden machen noch auf den Ehrentitel der „Söhne der Barmherzigkeit" Anspruch? Waisenkinder — — und eS finden sich keine Versorger dafür? Redakt.) Breslau, 8. April. (Privatmitth.) Mit inniger Freude melde ich Ihnen heute ein Ereigniß von bedeutender Tragweite auS unserer Stabt. Kaum ist ein Jahr verflossen, seitdem durch die Milde und Hochherzigkeit des verstorbenen KommerzienratheS Fränkel den schwachen, erwerbsunfähigen Greisen eine Statte der Ruhe und deS Friedens bereitet wurde, in welcher sie den Abend ihres Lebens sorgenfrei genießen können, und bald wird auch einem Theile der kräftigen, lebensfrischen, studirenden Jugend eine Versorgungsanstalt im geistigen Sinne geöffnet werden, in welcher sie die Befähigung zu ihrem künftigen Berufe erlangen und mit allen dazu nothwendigen Requisiten ausgerüstet werden sollen. Wir meinen daS jüdisch-theologische Seminar. Zu den letztwilligen Bestimmungen Fränkels gehört nämlich auch die Gründung eines Rabbinerseminars, für welches der Erblasser eine bedeutende Summe ausgesetzt hat. Trotz der vielen Schwiertgkeiten und Hindernisse, welche, wie natürlich, sich der Errichtung eines solchen Instituts entgegenstellten, haben die biederen Herren TestamenrSerekutoren keine Mühe gescheut, um die erwähnte Verfügung in Ausführung zu bringen. Ihre Bemühungen find auch dafür mit dem besten Erfolge gekrönt worden, denn: „ib ■pnto» “ü-tab fion". Vor Kurzem begaben sich zwei der Herren TeftamentSerekutoren zu dem Oberrabbiner Herrn Dr. Frankel nach Dresden, um ihn zur Annahme der obern Leitung jenes Instituts zu bewegen. Herr Di*. Frankel hat sich, sicherm Vernehmen nach, zur Annahme deS Rektorats bereit erklärt, und eS steht somit die Eröffnung deS Seminars in nicht allzu ferner Zeit sicher in Aussicht. Der Eindruck, welchen die Kunde von der Berufung Frankels hier hervorgebracht, ist bei allen Parteien ein ' überaus günstiger, und in der That dürfte Frankels