Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 17 (18.4.1853)
- Date
- 1853-04-18
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225822-3225840--13075-3299352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
4 Glückseligkeit auf eine uns jetzt noch unverständliche Weise zu belohnen, und steht dies in gar keinem Zusammenhang mit dem natürlichen Gang in der körperlichen -Natur; sondern cs bleibt demzufolge noch immer Gott ein freies Wesen und er kann seiner Natur gemäß schon hicnieden auf eine ihm angemessene und wundervolle Weise, oder im Icnscils, oder in beiden zugleich, belohnen und bestrafen. Die Propheten nennen diese Natur Gottes in Bezug der menschlichen moralischen und religiösen Verdienste: die Nähe und Entfernung Gottes Maimuni, die Vorsehung Gottes, die nach dem Grabe der religiösen Erkenmniß steigt und fallt More UI. 18, und ist diese Stelle vom Schloh ibid. übersehen worden, s. auch Kusri I. 91 und vgl. Mendelssohn's Forschungen hierüber in Jerusalem. Daß übrigens Tugend und Laster sich allein oft bezahlt machen, ist nicht minder eine Wahrheit, welche aus der Bibel, die alter als Herr Schmiedels Midrasch ist, auf uns gekommen ist, Psalm K. 7, 16. K. 62, 14. Mischli öd. 11. 5, Hiob 34 rc., nur ist das nicht ein in der Natur gegründetes Naturding, und gehört die ganze Sache nicht hierher, wenn sie uns nicht irrthümlich vorgcführt worben wäre. IV. Von der Vertheidigung rüstet Herr A. Schmiedel sich zum Angriff und giebt unS folgende Proben seiner polemischen Weisheit: 1) „Daß das Judenthum keinen Pantheismus unter seine Doctorinen ausgenommen hat, bedarf keiner weitern Auseinandersetzung" — hört! hört! kurz vorher proklamirt man im Namen der bedeutenstcn Doktoren des Judenthums den Pantheismus und bald darauf müffcn wir es Herrn A. Schmiedel aufs Wort glauben, das Judenrhum benöthigt keiner Beweise gegen Pantheismus! 2) Meint unser geehrter Rezensent: „Schon der erste Vers in der Bibel lehrt uns Einen außcrweltlichen Gott kennen und diesen ersten Vers sollten D. Nito und R. H. Aschknast nickt gelernt oder vergessen haben? Aber Herr Schmiedel sollte doch wiffcn, daß die eigentlichen Gnostiker, viele Hylvzoistcn und Dualisten Bekenner und Verehrer der Bibel waren und gerade in dem ersten Vers der Bibel ihre irren Ansichten von Gott begründet sahen. H. Rabbiner Schmiedel sollte wissen, daß Salomon Maier im Jahre 1606 die Taufe annahm und, als er über sein Verfahren von dem reichen David, Juwelier in Venedig verfolgt wurde, war die Entschuldigung: er, Salomon, habe in dem ersten Wort der Bibel eine doppelte Trinität gefunden, Basnage Tom. III. Kap. 10. Wer weiß nicht ferner, daß die siebzig Weisen den ersten Vers der Bibel umschrieben haben, nämlich „Gott schuf den Anfang," nach Raschi, um dem Dualismus nicht Thür und Thor zu öffnen, nach meiner Meinung aber, um den metaphysischen Begriff Anfang nicht als etwas bereits Vorhandenes, sondern als etwas erst Erschaffenes zu bezeichnen. — Auch dürfte es keinem Talmudkenner unbekannt sein, daß die Bibel überhaupt das Feld war, worauf Gnostiker, Manichäer und Magier den Samen der BekchrungSsucht ausstreuten, um durch Fragen die Israeliten für ihre Systeme zu gewinnen, Beispiele hiervon: Syhhedrin 38b. Jeruschalmi Berachos Absch. 9. Rabba Bereschit Kap. 8. Als Entschuldigung, Seitens der Offenbarung, gilt die Weisung: „Schreibe nur und wem es gefällt, mag sich über den wahren Sinn des Bibelausdrucks täuschen." nra1’ NLi-iTr ran ,'mro ibid. Es lehrt uns darum Schemos Rabba Kap. 42, daß die Tradition der Halacha und der Hagada für Israel wichtiger als die geschriebene Bibel sei; weil die letztere durch die Völker entwendet werden könnte. Die mündlichen Traditionen in Glaubenssachen hingegen befestigen auf immer den volksrhümlichen Charakter Israels mit seinen theologischen Wahrheiten, die unter dem allegorischen Schleier der Hagadorh schlummern, und von Männern wie Maimuni, Kusri, Aberbancl, Akeda zur Neubelebung des Glaubens gelüftet werden. Dies merke sich Herr Schmiedel, damit er nicht protestire, wenn ich aus einer Hagada den Pantheismus zu verweisen versuche. 3) Hält uns Herr A. Schmiedel eine Vorlesung, die uns die bemerkcnswerthe Lehre an's Licht fördert, daß parfische und gnostische Philosopheme im Talmud Aufnahme fanden, ein Gedanke, der nebstbei gesagt viel aller ist als Herr Schmiedel, und müssen Sachkundige es entscheiden, ob auch fremde Systeme rein theologischer Natur sich im Talmud vorfinden. Allerlei kosmologische und ethische Sentenzen dürften wol von den Talmudisten berücksichtigt worden sein, wo es aber dem spezifischen Glauben Israels galt, war man stets bemüht, fremde Gedanken nicht einbürgern zu lassen, wie dies das Benehmen des Talmuds gegen saduzeische, kuteische, magische Deduktionen und die Kontroversen über den gnostischcn Glauben, über Chanochs Unsterblichkeit, beweisen. Auch Herr A. Schmiedel weiß es seiner Stellung schuldig zu behaupten, daß der Talmud der neuplatonischen Lehre den Krieg erklärt habe; da aber die Licentia homilctica nur „Privilegien", aber keine Daten im Talmud an die Hand geben — sieht sich Herr A. Schmiedel nothgedrungen ein Plagiat zu begehen, nimmt mir mein Zitat aus No. 3 d. I., wo ich More Neb. Tom. I. Abschn. 70 mit der paffenden Midraschstelle zur Verweisung des Pantheismus anführe, schlägt nach More 70 und nimmt sich von dort die Stelle Ehagiga 12 b., die ich verschwiegen habe, weil sie in der Thal Nichts beweist. Herr Schmiedel schreibt sich die Auffindung dieser beiden Stellen zu, und verweist den Leser mit hotegetischcr Majestät More I. 70 zu vergleichen, als wenn der bestohlene Maimuni sein Schildknappe wäre! 4) Macht unS Herr Schmiedel auf eine verborgene Wahrheit aufmerksam, die im Anfang einer jeden Geschichte der Philosophie zu finden ist, daß nämlich in den orientalischen Systemen mehr die Phantasie als reine Dernunftwiffcnschafr vorherrschend war; erzählt uns ferner, daß er in der Vorrede des More die Ankündigung eines Buches der Ausgleichung philosophischer Forschung mit dem problematischen Hagados gelesen habe; meldet unS