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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-04-18 · Heft 17 (18.4.1853) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 17 (18.4.1853)
Date
1853-04-18
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 ausgefunden ju haben, weil er lediglich der Religion und nicht der Wissenschaft Rechnung tragen sollte. Ich muß darum auch den RcformationSgeist des Herrn A. Schmiedel bewundern, der die frommen Kläger des D. Nito schon am Anfang des 18. Jahrh. mit dem Parmcnides und Ncuplatonismus vertraut sein läßt und dem D. Nito den Gnostizismus des 2. Jahrhunderts in den Mund legt; während andere Reformatoren froh wären, wenn sie den Zeloten das Namenbüchel bcibringen könnten; ich ftage jeden Sachkenner, ob in dem ganzen Gutachten des ach auch nur eine einzige Vertiefung der Gnostiker;u finden ist? wo ist da Bythos? wo das Pleroma? wo die Hyle? wo die zeigende Duplizität? wo die Aeonen und Demkurg? wo überhaupt der Dualismus der Gnostiker? wenn wir uns zwingen wollten, den schlichten Worten D. Nitv's, mit einem historischen Philosophen eine Parallelstelle zu geben, um sie, wie Herr Schmiedel, pantheistisch zu deuten; so dürften wir höchstens den neuern Bukdhaismus des Fo vor Augen haben, der aber in der Thar ein reiner Nihilismus ist, woran D. Nito nicht gedacht hat, eben so wenig wie R. H. Aschkenafi von den Modifikationen Spinoza's etwas ahndete; da er ausdrücklich sagt: „kein Ketzer in der Welt wird den befeuchtenden und erhitzenden Dingen Göttliches beilegen." — UI. „Eine zweite Stütze," sagt Herr A. Schmiedel, „findet H. Aschkenafi in Jesaja Horwitz, der den bemerkenswerihen Gedanken ausspricht, daß Lohn und Strafe hienieden ganz natürliche, in der Natur begründete Dinge sind, ein Gedanke, der nebstbei gesagt, älter als Jesajas Hvrwitz ist." Dagegen sei mir erlaubt zu bemerken, 1) daß Herr Schmiedel das betreffende Gutachten auch in dieser Stelle nicht gut gelesen hat, 2) daß er die Worte des Jesajas Horwitz vulgo Schloh nicht aus dem Originale entnommen hat. 3) daß er respektive den wahren Inhalt dieses beinerkenswerthen Gedanken nicht gut angefaßt habe. Ich will dies alles hier mit Folgendem beweisen: 1) Wenn Lohn und Strafe nothwendige Dinge in der Natur find, wie verträgt sich daS mit den biblischdogmatischen Begriffen, „Gott vergicbt Missethat und Abfall dem Sünder," „Gott ist langmüthig." Gott zögert nicht, die Verdienste der Sünder schon hienieden zu vergelten, s. Rabba Bereschit. 68 cpmrb nr-raa retpn?3^3213 1N7221 Was nützt da Langmuth? was nützt Vergebung, wenn der Drang der Natur, die doch jetzt Gott sein soll, ans dem Fuße jeder That dir Belohnung oder Bestrafung erfordert? 2) Wenn Lohn und Straft natürliche Dinge in der Natur find, warum lehrt die Bibel und die Geschichte bestätigt es, daß Gott den Gerechten prüft, ihn in Leid und Qual versetzt, damit die Welt ein Ideal der Hingebung, der aufopfernden Liebe und Standhaftigkeit für Gott in ihm erblicke? S. Emunot wedeos K. V. 2, warum lehrt der Talmud: In dieser Welt giebt es keinen Tugendlohn SO'b Ü72b? ■’Km N122 “122? Chulin 142, warum lehrt der Talmud gerade das Gegentheil, nämlich, Kinder, Leben und Nahrung find Gaben, die nicht vom Verdienste, sondern von der Natur abhängen, '■’bn 'braa rrbü smara iüb -»itsi ^3? 3) Wenn Lohn und Strafe natürliche, in der Natur gegründete Dinge find, wie wäre da zu thun, wenn die allgemeinen Naturgesetze gegen die natürlichen Verdienste des Individuums streiten, d. h. wenn die physische Natur mit der moralischen in Kollisfion gerälh? wenn z. B. der exakt fromme Alaun mit den gefahrdrohenden Mecreswogen oder mir einem heftigen Sturm in feindliche Berührung kommt, welche von beiden Naturen muß da weichen? die kantische Kritik setzt die Zweckmäßigkeit als Vermittlerin zwischen Natur und Freiheit, wo finden wir aber einen Vermittler zwischen Natur und Natur? da müßte wahrlich eine drille Natur geschaffen werden, die den streirenden Naturen ein schiedsrichterliches Urthcil spricht! Schön und wahr sagt daher Herr Rabbiner llr. Philipson: „Lohn und Strafe werden nicht minder durch den von Gott gelenkten Strom der Ereignisse und Verhältnisse herbei geführt." So läßt der Talmud den sehr ftommen, aber auch sehr dürftigen R. Eliescr von Gott sagen: wol verdientest du ein besseres Schicksal; aber ich kann doch deinetwegen nicht eine ganze Weltordnung zerstören und eine neue ausbauen, Taniß. 25. Einem Diebe, der gestohlene Waizenkörncr in die Furchen streuet, sollte der Erdboden nicht ergiebig sein, aus der Unzucht sollten keine Kinder zur Welt gebracht werden, aber nein, die Welt hält fest an ihre Naturordnung und die betreffenden Sünder werden es in der Zukunft vor Gott verantworten müssen. Aboda Sara 54l». Aber en vcrite hat H. Aschknasi den Jesaja Horwitz nickt als Stütze für die vermeinte Jdenlitätslehre angrsühtl; sondern als er mit D. Niro schon fertig war, fragt er sich selbst: 32N N232 maab -prp übe laen 3üi?aip-a be 111333 ■pri-ab mt 13er,i 332 3-22 'rp vielleicht nehmen cs die Ankläger übel, daß man fick des profanen Ausdruckes 332 in Le;ug aus Gott bedient? Hierauf antwortet sich H. Aschknasi. daß der Andruck 332 nur als abgeleitetes Kunstwort in Bezug auf Gottes Eigenschaft (wie natura dei) zu nehmen sei, denn Jesaja Horwitz bedient sich auch des Ausdruckes 332 auf Gottes Thun und sagt, Lohn und Straft liegen in der Natur GottcS, aber nicht: „natürliche in der Natur begründete Dinge." Denn so lesen wir im Schloh k. 121». naan: rp-naarr; nnbacn 7iü2?a -3 cpa-ir:) 272x2 r*ri isiax ■’bse 332 12 x nxi 3222 nmirr: nis::i ms pfibü •’bae 322 üin Das Dasein ewiger Glückseligkeit ist die natürliche Folge der geoffenbarten Gesetze; wenn es auch der Natur der menschlichen Vernunft nicht eingeht, ist es dennoch in der Natur der göttlichen Vernunft begründet. Diese Worte find das Resultat einer weitläufigen Abhandlung, und bedeuten ganz was Anderes als Herr A. Schmiedel uns glauben machen wollte, sie enthalten die gediegene Wahrheit, daß es nämlich in der Natur der übersinnlichen Gottheit liegt, mit ewiger

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