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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-04-18 · Heft 17 (18.4.1853) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 17 (18.4.1853)
Date
1853-04-18
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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Allerdings riechen solche Wotte nach Tenophanes und Spinozistischer Immanenzdes Vielen in Einem im Gegensatz zu Schellings Immanenz des Einen im Vielen, und erinnern an die unjüdische natura naturaos; denn wenn die bewegende Kraft des Universums Gott ist, ist auch die bewegende Kraft im Menschen und die bewegende Kraft im Sünder Gott, welches der jüdischen Lehre im Allgemeinen und ins Besondere der Lehre, „daß der Mensch nicht Gott sei" (vide Jeruschalmi Tauiss A. II.), schnurstracks zuwider ist. Allein da es dem D. Nito lediglich darum zu thun war, das Volk zu belehren, daß die Natur nicht auf fich selbst beruhe, sondern die stets unter Gottes Vorsehung agirende Kraft sei) mag ihm weniger daran gelegen sein, den realen Unterschied zwischen den Begriffen Gott und Natur mit philosophischer Schärfe zu definiren, als vielmehr die Beruhigung zu gewinnen, daß die göttliche Vorsehung in der Natur auf irgend eine Weise zum herrschenden Gedanken im Volke erhoben werde. Rabbi H. Aschkcnafi merkt dies, nimmt den vermeinten Apostaten in Schutz, erklärt fich, daß es für die Israeliten vortheilhafter sei, an die unmittelbare Vorsehung zu glauben und schließt mit folgenden Worten: 132 rib2 -3 7113713 bllDTl -3313 122 71222 713-N '?1- 12 7112N371 iaiTp7i ^b>27i -,1L11 yan «2« „unter dem Ausdruck Natur in Bezug auf Gott angewendet, versteht man nicht die nothwendig wirkende Naturkraft, sondern nur das Verlangen und den freien Willen des allerheiligsten Königs." Hier haben wir es buchstäblich von 3377 ausgesprochen, daß nicht Gott selbst, sondern sein Wille die wirkende Kraft der Natur sei, Gottes Wille in der Natur ist aber nichts Anderes als die permanenten Naturgesetze. More Neb. I. 65 und Tom. II. K. 48 wird genau auseinandergesetzt und aus Bibelstellen bewiesen, daß nicht das Wesen Gottes, sondern das Wott, der Wille, der Befehl Gottes die Natur tteibt und bewegt: „Er sendet sein Wort und es schmilzt" (Psalm 147). „Er spricht und es erregt fich Sturm" (Psalm 107). „Den Wolken gebiete ich nicht zu regnen" (Zes. 5). So heißt eS von der gesammten Natur. „Er befahl es und Alles ward erschaffen. Er erhält fie ewiglich und gab unübertretbare Gesetze: Blitz, Hagel, Schnee, Nebel und Sturmwind vollstrecken sein Geheiß" Psalm 148 rc. 3m Kap. 52 Tom. I. deS More wird es philosophisch bewiesen, daß daS Wesen GotteS mit Zeit und Raum in keinem Verhältniß stehen kann, folglich ist Gott von allen Attributen und direkter Thärigkeit in der Natur erhaben und ist nur fein Wille maßgebend, vgl. auch ibid. Kap. 67 und besonders Emunot wedeoß von R. Sadja II. K. 8. Nichtsdestoweniger läßt Maimuni I. K. 69 die letzte Form des Universums Gott selbst sein, aber nicht im Sinne der letzten Form des Aristoteles, sondern „weil durch das Dasein Gottes Alles eristirt und dessen Fortdauer durch etwas von 5hm Ausgehendes bewirkt wird." Dasselbe wird schärfer noch More II. Kap. 6 vom Standpunkte der OffenbarungSlehre gefordert, Gott und Natur dem Begriffe nach von einander gesondett zu wissen, und den Willen als totale Leitung des Universums anzunehmen, vgl. Tom. II. 12. 18 ausführlicher. Aber abgesehen von ollem, ist auch der Ausdruck 122 nicht so jung, wie Herr Schmiedel meint, schon in der Bibel und im Talmud finden fich Analogien (s. Aruch) und ist allenfalls der Begriff Natur mit anderen adäquaten Benennungen, als nicht identisch mit dem Begriff Gott bezeichnet worden, so hat der Talmud z. B. für Natur, abii77 baba Weltkreis, 37733 abiiri Weltordnung, oder die geschlagnen Münze GotteS, iba, Aboda Sara 54b. auch bia Planeteneinfluß nach p"bzu Midrasch wird für Natur genommen nach More II. 6 ist unter dem talmudischen Ausdruck 2bii77 12 die allgemeine Naturkraft zu verstehen, und bekanntlich ist doch dieses 2211 172 mit Gott 712P77 nach Jewamos 17b. zweierlei dem Wesen nach, die speziellen Naturkräfte werden in der Regel 71112 -3«b2 im Talmud genannt, vgl. Midr. Schemoß Rabba 32. -,-kid -Bb I2ip2 -312 -3 .773-312 1-72 «b« y3i«3 7ili2 -3«b2 Alles hier Angeführte und noch mehrcreö dürsten D. Nito und Chacham Z'wi in dem betreffenden Gutachten erwägen; aber unsere Theologen waren nicht immer Religionsphilosophen, um die Fragen solcher Art mit logischer Kritik zu beleuchten, und kraft einer adäquaten Terminologie die Begriffe zu scheiden, und fie dann wieder auf einander zu beziehen; ihnen leuchtete die Liebe zu Gott und der Glaube bei Allem voran, und genügte es ihnen, bei derlei Fragen nicht von wissenschaftlichem, sondern von religiösem Standpunkte aus einen Bescheid zu geben, wodurch das Publikum einer besondern Intimität mit Gott selbst in natürlichen Dingen fich zu erfteuen habe, in diesem Sinne geben fich schon im Talmud Meinungen kund, die keine Vermittelung und keinen Engel als Boten und Beschützer annehmen wollen, Synhedrin 38b. vgl. Sabath 15b. b«ii2-b b72 ■p«, so ereifert sich Riwesch G. A. 157 über die Einmischung der etwaigen Engel und Sefiroth im Gebete, erst unlängst war es der Rabbiner Landau in Prag, der feierlichst protestirte gegen alle nicht göttliche Vermittelung im Gebete (Ausführliches hierüber 211)377 ro«b2 S. 4, 14) und fo beruhigte fich auch R. H. Aschkcnafi auS Einem agadifchen Satz, den übrigens More Neb. III. 17 figürlich deutet, den Gott Israels als die unmittelbar nährende Kraft aller Lebenden her-

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