Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 17 (18.4.1853)
- Date
- 1853-04-18
- Page
- Seite 210 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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210 werker und Gewerbetreibenden, begreift also die Studirenden, Lehramtskandidaten oder Kunstbefiissenen, welche Unterstützungen aus der israelitischen Zentralkirchenkasse erhielten, nicht. Als die Listen von den Bezirkspolizeiämtern zurückkamen, waren von jener Zahl von 177 Gewerbögehilfen im Ganzen vom Handwerke abgegangen 16, ausgewandert (meist nach Amerika) 22. Von den vom Handwerk abgegangenen 16 Jünglingen find indessen, wie aus den weiteren Mittheilungen der Bezirkspolizeistellen ersehen werden kann, in Folge der letzgenannten, Iheils selbstständig, thcils auf die Veranlassung der Oberkirchenbehörde ergriffenen Maßregeln der überwiegend größere Theil entweder bereits zum Handwerke zurückgekehrt, oder haben fich innerhalb einer gegebenen Frist den Polizeistellen gegenüber dazu verpflichtet. Ganz abgegangen find zuletzt nur 3, wovon jedoch Einer nicht nur durch ärztliches Zeugniß seine körperliche Untüchtigkeit nachgewiesen hat, sondern auch aus diesem Grunde von dem Militär, welchem er eingereiht war, entlassen worden ist. Ein Anderer, welcher die Schreinerprofesfion erlernt, hat fich nunmehr dem Weberhandwerk zugewendet, und diese Aenderung durch ärztliche Zeugnisse begründet. Wegen Krankheit find derzeit zu Betreibung ihres Handwerks durchaus unfähig 3. Ein solches Ergebniß, fährt der Bericht fort, kann wol als sehr befriedigend bezeichnet werden. Denn abgesehen von der Schwierigkeit, arme Jünglinge Berufswegen zuzuführen, welche nicht nur von den ihrer Väter abweichen, sondern wo fie auch in den ersten Jahren Nichts erwerben, zeigt fich (so also schon vor 10 Jahren) doch ein immer größerer Andrang zu den Gewerben und wachsende Neigung, bei denselben zu beharren. Zu der obigen Zahl von 177 — sagt der Bericht weiter — welche bis Ende 1840 aus der Lehre getreten waren, kommen, als in der Zwischenzeit aus der Lehre getreten, vom Jahr 1841 32, vom 1. Jan. bis 31. Mai 1842 24, als noch in der Lehre stehend 121, so daß die Gesammtzahl der armen israelitischen Jünglinge, deren Lehrgelder für die Erlernung von Gewerben und Handwerken ganz oder theilweise aus der israelitischen Zentralkirchenkaffe bestritten wurde, fich jetzt — Ende Mai's — beläuft auf 354. Die hiefür verwendeten Ausgaben beliefen fich (mit Ausschluß der Unterstützungen an Studirende, Lehramtskandidaten oder Kunstbefliffene, wofür bis Ende des Monats Mai 1842 nahezu 5000 fl. aufgewendet worden waren) vom Jahre 1823 an bis Ende des Monats Mai 1842 auf nahezu 13,000 fl. Der Bericht fährt fort: für die geordnete Gcwerbsthätigkeit der Genossen der verschiedenen israelitischen Kirchengemeinden kann übrigens natürlich diese Zusammenstellung keineswegs allein maßgebend sein. Da die Unterstützungen nur den Armen zugewendet werden, so ist natürlich, daß die Orte um so stärker repräsentirt erscheinen, je ärmer ihre jüdischen Einwohner find. (Schluß folgt.) Belletristisches. Esra. Eine Novelle. (Fortsetzung.) 5. In der Halle an dem väterlichen Hause ging Esra ab und auf. In seiner Hand befand fich ein Blatt — ach, das hatte ihn schwer getroffen, tief verwundet. Wieder hob er cs empor und las es, und wieder; und immer lasser fiel seine Hand hernieder, sank sein Haupt auf die Brust. „... Also auch dies noch! —" hauchte sein Seufter hin. ... „Was Hab' ich gcthan, daß alle Welt fich wider mich verschworen? Ist es ein solch Verbrechen, an Jeruschalajim zu denken — denn mehr that ich ja noch nicht — daß darum nicht bloß das Höchste, sondern auch das Theuerste mir absagt? ..." Er las den Brief noch. einmal. Er war von Achitub, dem Vater der geliebten Naarah — freilich nicht von dem Blinden selbst geschrieben, sondern von ftemder Hand; aber daß er ihn diktirt, ersah er aus Wendungen, die nur von ihm herrühren konnten. ... „Vergeblich," hieß es in ihm, „bemühst Du Dich, meine Tochter, meine edle, vertrauende Naarah noch einmal zu verstricken — ich habe ihr auf's strengste verboten, Dich zu sprechen, Dich zu hören, und sie gehorcht, denn fie ist eine Tochter nach dem Herzen Gottes ... Was willst Du noch? Du wolltest von uns los kommen, Du wolltest Dich in Deinem nichtigen Ehrgeiz von des armen Achitub's Tochter befreien, nachdem Du der Neigung zu ihr überdrüssig geworden ... nun, das hast Du erreicht ... so bleib von dannen! Wehe, daß Du hierzu des heiligen Namens der Gottesstadr Dich bedientest ... ein zwiefacher Verräther ... bist Du etwa unterwegs nach