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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-04-18 · Heft 17 (18.4.1853) · p. Seite 208

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 17 (18.4.1853)
Date
1853-04-18
Page
Seite 208 (sequence 8)
Language
German
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208 sicht vorhanden, daß die dort vorhandenen öffentlichen Elementarschulen um 21 Klaffen (und also auch um ebenso viel Lehrer) vermehrt werden sollten. ES war dies ein Plan der königl. Regierung, welchen dieselbe dem Magistrat und der städtischen Schuldeputation vorgelegt hatte. Wäre dieser Plan zur Ausführung gekommen, so würde dann unbedingt auch die s. g. städtisch-jüdische Schule zu Posen — welche nicht mehr als 3 Klaffen und 3 Lehrer hat — um noch einige Klaffen und einige Lehrer vermehrt und hierdurch einem sehr dringenden — in diesen Blättern schon öfters besprochenen — Bedürfnisse abgeholfen worden sein. Da aber — wie aus dem „Berichte über die Gemeinderathssitzung vom 16. d. M." in der P. Z. No. 41 hervorgeht — den öffentlichen Elementarschulen Posens für jetzt noch keine Klaffenvermehrung bevorstehl, so versteht es sich von selbst, daß auch die städtisch-jüdische Schule zu Posen — die einzige öffentliche in der großen Gemeinde — vorderhand noch auf 3 Klaffen und 3 Lehrer wird beschränkt bleiben müssen; denn Seitens der Gemeinde selbst scheint an eine „Ausdehnung der erwähnten Unterrichtsanstalt aus eigenen Mitteln" gar nicht im Entferntesten gedacht zu werden. — Dem obengedachten Gemeinderathsfitzungsbericht entnehmen wir noch die Notiz, daß — nach der neuesten Zählung — unter den 38,199 Zivileinwohnern PofenS 7214 Juden und unter den 5195 fchulpstichtigen Kindern (im Alter von 5 bis 14 Jahren) 1274 jüdische sich befinden, — und bitten hiernach unfern Jrrthum in unserm Artikel vom 15. d. M. (wonach die jüdische Bevölkerung PosenS ll* der Gesammteinwohnerschaft betragen soll) gefälligst berichtigen zu wollen. Am 15. d. M., aus welchen nach jüdischer Zeitrechnung der 7. Adar fiel, hat die s. g. Chebra Kadischa zu Neustadt b. P. den „Sterbetag deS MoseS" durch einen außerordentlichen Gottesdienst in der Synagoge (bei welchem Herr Rabbiner vr. Hamburger die betreffende Rede hielt) und hierauf durch eine „frugale Mahlzeit" und Geldvertheilung an die Armen gefeiert. Angeregt durch den Lehrer Herrn Simon Kuttner in Wreschen, sind daselbst vor einigen Monaten 5 Israeliten zu einem „Komite zur Unterstützung armer Cholera-Wittwen und Waisen" zusammengetreten, und hat dasselbe zur Erreichung seines Zweckes einen „Aufruf an die Gemeinden Israels" ergehen lassen, welcher bewirkte, daß in ganz kurzer Zeit circa 700 Thlr. Unterstützungsgelder von auswärts eingingen. Bon dieser Summe find — weil es die augenblickliche Noch gebieterisch forderte — 400 Thlr. an 150 Arme — ohne Unterschied der Konfessionen — vertheilt worden, während der Rest als Fonds zu einem zu gründenden „Kreditinstitut für Hilfsbedürftige" verwendet wendet werden soll. Die Förderung und Erhaltung dieses Instituts soll ausschließliche Aufgabe deS „UnterstützungSvereinS" fein, welcher durch das erwähnte Konnte in W. soeben in'S Leben gerufen worden. In Jarocin ist eine öffentliche jüdische Schule (mit 2 Klassen) errichtet worden. Großbrilauieu. London, im April. Der Dundee Advertiser veröffentlicht, auf Ersuchen Mr. DiSraeli'S, dem man von vielen Seiten Lauheit und Wankelmuth in der Judensache vorgeworfen hat, folgende Angaben: Mr. Disraeli war bei jeder Lesung der Judenbill seit ihrer Einbringung im Unterhaus, ebenso bei allen Komitedebatten und Abstimmungen gegenwärtig, außer am 29. Februar 1849, als Lord I. Ruffell die Bill einbrachte, und zwar nur wegen schwerer Unpäßlichkeit. Unter 15 Abstimmungen find 14, an denen er Theil nahm; seine Stimme findet sich auf den Listen stets auf Seiten der Emanzipationsfreunde und wenn man im Usnssrd nachschlägr, wird man sehen, daß er auch mehrmals über die Frage gesprochen hat. Seine Ansichten über die Stellung der Juden in Europa — wie man sie in der Biographie Lord George BentinckS findet — hat er nicht zum erstenmal in diesem Werk ausgesprochen, sondern bereits im Jahre 1844 in Coningsby und 1847 in Tancred bekannt. Außerdem sprach er sie im Dezember 1847 im Umerhause, an der Seite Lord G. Bentinck'S, auS; eS find aber Ideen und Anschauungen so individueller Natur, daß sie sich nicht zur stehenden Erörterung in einer populären Versammlung, wie daS HauS der Gemeinen ist, eignen — wie Mr. Disraeli jedeSmal selbst erklärt hat. Doch hatte er seine Ideen vollständig genug entwickelt, bevor er, ohne dieselben im Geringsten zu verleugnen, zum Führer jener Partei erwählt wurde, welche stets, auS Gewissensskrupeln, die Zulassung jüdischer Mitglieder im Parlament bekämpft hat. —

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