Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 17 (18.4.1853)
- Date
- 1853-04-18
- Page
- Seite 207 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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207 wissermaßen auf Kosten der frühern Wirksamkeit des Bundes herabgesetzt zu werden. Diese Leistungen, meine Herren, sind ganz außerordentlich groß! Ich glaube sagen zu können, daß wir darin keine, oder doch gewiß nur sehr wenige Nebenbuhler haben, und daß diese wenigen selbst erst als eine Frucht deS von unS gegebenen Beispiels zu betrachten sind. Man gewöhnt sich aber zu leicht an das Beste und Seltene, um es lange gebührend zu würdigen. Hüten wir unS, bei der Schätzung und Beurtheilung unserer Gesellschaft in einen ähnlichen Fehler zu verfallen! Ferner aber haben jene Klagen eigentlich keine andere Bedeutung, als daß man ein früher mit allen Kräften angestrebtes Ziel jetzt nicht mehr zu erstreben brauche, sondern daß eS erreicht fei. DaS rege geistige Leben, welches früher unfern Bund durchströmte, verdankte derselbe lediglich der einen Hauptrichtung seines ursprünglichen Zweckes: dem geistigen Kampfe gegen Intoleranz der Juden im Gebiete deS Glaubens und Wissens. Wie erfolgreich dieser Kampf gewesen ist, in welchem Maaße sich diese eine Hauptrichtung erfüllt hat, also jetzt gegenstandlos geworden ist, weiß ein Jeder von uns! Und man sollte mit Recht darüber klagen dürfen, daß unser Bund nicht mehr zu kämpfen braucht, weil er siegreich gekämpft hat, daß es ihm vergönnt ist, jetzt in Ruhe zu ernten, was er früher in Unruhe gesäet hat? — Nein! Freuen wir uns im Gegentheil, daß es so weit mit uns gediehen ist, daß wir unsere geistigen Kräfte anderen Gebieten zuwenden dürfen, und daß unsere Gesellschaft sich nunmehr ausschließlich dem zweiten Hauptzweck, welchem ihre Begründung gewidmet war, mit allen dafür gesammelten Kräften hingeben kann. — Denn nicht seiner selbst, sondern nur des höheren Zweckes willen, soll und darf man den Kampf lieben. Nicht berechtigt ist man aber zu beklagen, daß durch die gelungene Erreichung des höhern Zwecks ein Kampf überflüssig geworden ist! Wie übrigens die Glieder unsers Bundes, innerhalb desselben, in früheren Zeiten Schutz und Hilfe gegen Intoleranz, und Kraft dieselbe zu bekämpfen fanden, so können auch künftig Verhältnisse nach einer verwandten Richtung hin eintreten, wo der Bund wiederum die Quelle eines gleichen Segens werden kann. Die bürgerliche Gleichstellung, deren sich die Juden seit Kurzem erfreuen sollen, ist weit davon entfernt, eine unbeschränkte Wahrheit zu sein, und wer die Bestrebungen beobachtet, welche jetzt in dieser Beziehung gegen sie, Schlag auf Schlag, erfolgreich gerichtet werden, der wird auch die Möglichkeit und Rückkehr sehr übeler Zeiten nicht in Abrede stellen. Gegen diese mag nun die Existenz unserer Gesellschaft einigermaßen Trost verleihen. Im Hinblick auf ihre vergangenen Leistungen betrachte ich sie als einen moralischen Anker, der uns nicht im Stich lassen wird, wenn wir selbst ihm vertrauen, und den Grundsätzen, aus welchen er seine Kraft gewonnen hat, auch ferner treu anhängen, — Einigkeit, Wahrheit und Toleranz gegen Glauben und Wissen! In welcher beschränkter» Weise, im Vergleich mit früheren Zeiten, sich daher das innere Leben unserer Gesellschaft auch augenblicklich darftellen möge, so ist sie jedenfalls für Viele ein Trost in der Gegenwart, :— für unS Alle aber eine Hoffnung, ein fertiger, bewährter Vereinigungspunkt für die Zukunft. Und so lassen Sie ihrer uns erfreuen, und ferner treu und fest Zusammenhalten! Krefeld, 3. April. (Eingesandt.) Die diesjährige israelitische Lehrerkonferenz wird auf den Wunsch mehrerer Herren am 20. und 21. Juni am hiesigen Orte stattfinden, wozu die Herren Lehrer und Schulmänner der Rheinprovinz und Westfalens hierdurch höflichst eingeladen werden. — Ein recht zahlreicher Besuch der Versammlung dürfte namentlich in diesem Jahre um so mehr zu wünschen sein, als der von königlicher Staatsregierung in Beziehung aus die Verhältnisse der Israeliten neuerdings eingeschlagene Weg ohne Zweifel zu den interessantesten Debatten über die fernere Entwickelung des Schulwesens Veranlassung geben wird, und auch endlich einmal über die gesicherte Stellung der Lehrer für die Zukunft wenigstens Seitens der Konferenz etwas Definitives ernstlich beschlossen werden soll. — Von dem Präsidenten der israelitischen Lehrerkonferenz zu Rotterdam, Herrn LutomirSki, ist mir ein sehr beachtenswerther Antrag zugegangen, der in seiner Realisirung viel zu einem gegenseitig freundschaftlichen Verhältnisse beider Institute beitragen dürfte und den ick unserer Konferenz zur Zeit vorzulegen die Ehre haben werde. Der Konsistorial-Oberrabbincr, L. Bodenheimcr. Aus der Provinz Posen, 22. Februar. (Privatmitth.) Vor Kurzem war in Posen die Aus-