Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 17 (18.4.1853)
- Date
- 1853-04-18
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Kreisbudget Seitens des mittelfränkischen Landraths, deren allerhöchste Genehmigung wir hoffen wollten, hat solche leider nicht erhalten. Der dieser Tage erfloffene Landrathsabschied enthält darüber folgenden PaffuS: „Ebenso wenig kann dem Anträge auf Gewährung außerordentlicher Unterstützungen an die israelitischen ReligionSlehrer rc. im Hinblicke auf den im Landrathsabschiede vom I I. April 1851, Abschnitt V, Ziffer 4*) ausgesprochenen Grundsatz eine entsprechende Würdigung zugewendet werden." Von dem KreiS- und Stadtgericht Ansbach wurde kürzlich in öffentlicher Verhandlung ein deS Verbrechens des Betrugs und der Urkundenfälschung angeklagter israelitischer Handelsmann völlig fr ei gesprochen, ein neuer Beweis, wenn es eines solchen noch bedurft hätte, daß die Redlichkeit und Unschuld von der Oeffenrlichkeit Nichts zu fürchten und wie wenig Ursache Jene haben, welche in den derartigen Anklagen ein judenfeindliches Motiv herauswittern wollen. Wir wollen kein Privilegium, Härten wir nur die Gleichstellung. Die Synagoge in München soll Gasbeleuchtung erhalten. Recht erfreulich ist's, daß man in einer/ inneren Reformen ungünstigen Zeit dort nicht in jene allen unseren Institutionen anklebende Stagnation verfällt und durch zweckmäßige äußere Neuerungen aus die Hebung des Kultus Bedacht nimmt. So wurde kürzlich auch der Chorplatz an eine angemessenere Stelle versetzt:c. — Andrerseits berichten Münchner Blätter aus den dortigen öffentlichen Magistratssitzungen Folgendes: „Der Israelit Oppenheimer aus Heidenheim, welcher dahier das Frirsch'sche Sacklerrecht kaufte, aber von der Regierung die Aufnahme über die Matrikel nicht erhalten hat, darf zwar sein Recht ausüben, allein er erlangt weder Ansässigmachung noch HeirathSrecht dahier." — Statt jeden Kommentars setze ich Ihnen eine Strophe auS dem neuesten Osterlied des Münchner „Punsch" her: Ostern war's, das Fest der Juden, Die zur Freiheit sich entwickeln, Und Egyptens sich entluden. Und nun bitten um Matrikeln. Die Judenheit ist für jedes Stückchen Wohlwollen dankbar. Darum möge hier die Nachricht nolirt fein, *) Besagte Ziffer erkennt den Religionsschulen nur einen privaten Charakter zu. daß kürzlich in Thaning in Oberbaiern der katholische Pfarrer Herr Stiglmaier, 49 Jahr alt, verstorben ist. Er hatte schon vor 1848 in einer sehr gut geschriebenen Broschüre für unsere völlige Emanzipation die Feder geführt. Seine Gemeinde weihet ihm einen äußerst glänzenden Nachruf und es zeigt sich auch da, wie immer die Besten ihres Standes für unsere gerechte Sache in die Schranken treten. Der projektirte Leichenwagen ist in Wittelshofen nun wirklich und zwar durch freiwillige Beiträge angeschaffr worden. Der wackern Gemeinde ist ein möglichst seltner Gebrauch desselben zu wünschen. — In Oeningen wird die alte Synagoge vom Grunde aus neu erbauet. K. Preußen. Berlin, 1. April. (Privatmitth.) Lassen Sie mich heute durch das wirre Geschrill des Tages den Ton einer Friedensstimme vernehmbar machen. In der letzten Generalversammlung der hiesigen Gesellschaft der Freunde wurden vom Vorsteher Paul MendelSsohn-Bartholdy und SekretärLudwig Besser sehr brave Reden gehalten. Ich rheile hier die Schlußansprache des Vorstehers mit, die so lautete: „WaS Ihnen heute vorgetragen worden ist, meine Herren und Freunde, umfaßt die materielle Tätigkeit und Wirksamkeit unserer Gesellschaft in ihren verschiedenen Zweigen. Man hört mehrfach darüber klagen, daß in den Jahresversammlungen jetzt nichts Anderes besprochen werden könnte als materielle Gesellschaftslnteressen, weil die geistige Bedeutung der Gesellschaft abgestorben sei. Eine unbefangene Betrachtung der Verhältnisse führt jedoch zu dem Ergebniß, daß diese Klagen unbegründet sind. Denn erstens pflanzt sich der ursprüngliche Geist der Gesellschaft in der Art und Weise, wie sich die materielle Wirksamkeit derselben äußert, und wie sie ihr vor allen anderen Gesellschaften eigenthümlich ist, unverfälscht und ungeschwächt fort. Geist und Materie durchbringen sich in unserer Gesellschaft so innig, daß wir, — indem wir über unsere materielle Thätigkeit Rechenschaft geben, — zugleich von dem der Gesellschaft innewohnenden Geiste Zeugniß ablegen. Aber auch abgesehen hiervon verdienen unsere materiellen Leistungen keineswegs als etwas Selbstverständliches abgefertigt, demnach gering geschätzt, und ge-