Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 17 (18.4.1853)
- Date
- 1853-04-18
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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204 so mißt sie dieselben ebenso sehr sich selbst bei, alS denen, welche sonst dazu mitgewirkt haben. DaS Ministerium ist sich bewußt, hinfichtlich der in dem Zirkulare ausgedrückten Urtheile die erleuchtetsten und bewährtesten Israeliten aller Zeiten sür sich zu haben. ES ist auch weit davon entfernt, einseitig in die religiösen Zustände der inländischen Israeliten einschreiten zu wollen; eS beadfichtigt nur, dieselben unter dem Beirathe und der Mitwirkung zu der Lösung dieser schwierigen Aufgabe recht geeigneter Israeliten zu ordnen und hat deshalb zu der Wahl solcher Männer aufgefordert. Im Uebrigen handelt eS fich gegenwärtig nur um Einleitungen zu künftigen Veränderungen, über deren Umfang zur Zeit noch Nichts feststeht und deren Maaß erst durch die bezeichneten künftigen Verhandlungen gefunden werden soll. Es ist daher verfrühet, sich schon jetzt darüber zu verbreiten. DaS Ministerium kann somit nur wünschen, daß die israelitische Gemeinde die Aufforderung deS Zirkulars nochmals mit Ruhe erwäge und beherzige und demgemäß zu einer Wahl schreite, durch welche nicht bloS eine einseitige Richtung vertreten, sondern daS Gefammtwohl aller Israeliten deS Landes gefördert werden möge. Schwerin, den 4. März 1853. Großherzoglich mecklenburg'scheS Ministerium. Abtheilung für geistliche Angelegenheiten. An die ifrael. Gemeinde Hierselbst. AuS de« GroHherzogthum Mecklenfturg, 2. April, l Privatmitth.) Eine besondere Korrespondenz fand noch zwischen dem großh. Ministerium und dem Vorstande der israelitischen Gemeinde zu Schwerin statt, indem Jenes diesem wegen der Uebersendung seiner Vorstellung an die übrigen Gemeinden deS Landes einen Verweis gab und die Rückforderung der fortgesandten Eremplare verlangte, die auch durch die Zeitungen geschah. Eine ebenso bescheidene als die Materie offen und klar besprechende Vorstellung deS Vorstandes half zu Nichts. — Jndeß haben die Wahlen zum Oberrathe stattgefunden. Gewählt find: Marcus, Löwenthal (Beide Advokaten in Schwerin), Kaufmann Goldstein in Krakow von den Gemeinden, Kauffmann von der schweriner Gemeinde; Rudolph Jo sephy'S Dienstjahre find noch nicht abgelaufen. Ersatzmänner: Nathanfon und JonaS aus Güstrow, Lew in auS Penzlin, vr. Rubens für Schwerin. Was nun weiter geschehen wird? DaS wissen wir nicht. AuS dem GroHherzogthum Mecklenburg, 6. April. (Privatmitth.) Nächsten Sabbat wird der vr. En och hier predigen, er ist hierher berufen, um Se. Hoheit den Großherzog und das ganze großherzogl. Ministerium zum Auditorium zu haben, vr. Enoch will LandeSrabbiner werden. Er hat den Herrn Minister, StaatSrath von Schröter, im ZionSwächter „Gottgesandt" genannt, u. s. f. u. s. f. UebrigenS fordere ich hiermit auf, mich zu widerlegen, wenn ich sage, daß die jüdischen Dissidenten in Mecklenburg, um die und durch die so viel Lärmen gemacht wird, nicht mehr — alS 20 und einige betragen! —. Mecklenburg-Schwerin hat unter 542,763 Einwohnern 3332 Juden. Im Jahre 1852 Neugeborene 22 Knaben und 27 Mädchen unter 18,892 Neugeborenen. ES starben im verflossenen Jahre 38 Personen und zwar 19 männlichen und 19 weiblichen Geschlechts. Getraut wurden 18 Paare unter 4289 Paaren. AuS dem Mecklenburgischen, im April. (Privatmitth.) ES giebt Welche, die da meinen, die, durch daS bekannte Zirkulär so sehr angefochtene mecklenburgische Synagogenordnung enthalte wunderwaS AntiiüdischeS — denn Etwas muß doch an jeder Anklage fein. Damit also diejenigen, welchen diese Synagogenordnung nicht bekannt ist, einen richtigen Begriff zu machen, ziehen wir aus dem ersten Artikel in der „Rostocker Zeitung" (s. Ro. 16 d. Zig.) die betreffende Stelle. ES kann sich nämlich hierbei nur um daS zweite Kapitel „von den Gebeten" handeln. Hierüber heißt es: DaS zweite Kapitel „von den Gebeten ist eS hauptsächlich, welches bei einer winzigen Zahl der hiesigen Juden (in der güstrower besteht keine Disfidentengemeinde) Anstoß und Opposition findet. Der Oberrath ist hiebei von einem doppelten Gesichtspunkte ausgegangen. Erstens hat er daS der Zerfallenheit deS JudenthumS nach Innen und Außen angehörige, von Parteiwuth eingegebene s. g. Ketzergebet und die auS den Zeiten der blutigsten Judenverfolgungen herrührenden Klagen und Verwünschungen theilS als unwahr, theilS als im Widerspruch mit den obersten Grundsätzen unserer heiligen Religion, welche selbst Barmherzigkeit gegen Thiere