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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-04-18 · Heft 17 (18.4.1853) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 17 (18.4.1853)
Date
1853-04-18
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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202 beten, bis der Sturm vorüber ist. Nein! nirgends eine Ungesetzlichkeit, nirgends ein Auflehnen, ein Widerstreben, überall zeige und bewähre sich Israel voll Liebe zum Vaterland, überall bereit, sein Blut für das Vaterland zu verspritzen — aber unser innerstes Heiligthum lassen wir uns nicht berühren, und können wir es nicht hindern, so ziehen wir uns, ein Jeder auf sich selbst zurück. Lassen sie dann sehen, was sie mit den leeren Gotteshäusern machen, auS denen sie das Minjan hinauSgetrieben haben .... Ja, Ehrfurcht vor den, vom Monarchen eingesetzten Behörden, Ehrfurcht vor dem Gesetze, Achtung, tiefe Achtung vor jeder wahrhaften, redlichen Ucbcrzeugung .... aber Euch, Pharisäer, denen die Religion nur das Mittel zu Aemtern und Macht sein soll, die da auf der einen Seite zu den Füßen kriechen, auf der andern mit Füßen treten, Euch unsere ganze, volle Verachtung, Euch unsere ganze bitterste Verachtung. Wir, deutsche Juden, find abermals berufen, zu zeigen, daß wir Männer sind! So lasset dies uns zeigen! Dadurch, de>ß wir die großen und schweren Ereignisse auf unS wirken lassen, daß wir getreuer, gotterfüllrer werden, dadurch, daß wir unsere Kinder in Treue und Gottesfurcht erziehen, sie erziehen als getreue Israeliten, die nimmer wanken, dadurch, daß wir uns um so inniger aneinander schließen, und durch Rath und Thal uns beistehen, wo wir können, und uns nicht verlassen, und Haß und Neid und Srreit und Heuchelei aus unserer Mitte drängen. Um das alte Panier Moscheh'S, deS Gottesmannes, schaaren wir uns — es wird uns führen, wie eS unS geführt: die Wolkensäule am Tage, die Feuersäule in der Nacht — durch alle Wüsten! Die Naturwissenschaften, in ihrer» Verhältnis zur Religion und zürn Religionsunterrichte. II. (Vgl. No. 15.) Ist also die Naturwissenschaft eine nicht zu verkennende Macht in dem allgemeinen Geistesleben der zivilifirten Menschheit geworden, hat sie aber auf dem Gebiete der allgemeinen Fragen keine entscheidende Stimme, sondern kommt eS da immer auf die Prämissen an, von denen der Denker ausgeht, und zu denen er auf anderm Wege gekommen, sind ferner, wie wir schon oft in diesen Blättern erwiesen haben, das Menschenthum und die menschliche Gesellschaft so ganz verschiedene Welten von der Natur, daß sie ganz andere Basen — die religiöse Erkenntniß und Sittlichkeit — als die Natur haben: so sehen wir nicht ab, warum das Judenthum die Naturwissenschaft von sich weisen, warum es diese nicht in Harmonie mit sich setzen, warum es dieselbe nicht Behufs seines religiösen Unterrichts, seiner religiösen Belehrung benutzen sollte. Die Hauptsache ist hier: das Judenthum giebt als Prämisse die religiöse Idee her, also die Lehre von Gott, dem außerweltlichen Schöpfer der Welt; von dieser Prämisse aus begegnen wir nun in der Natur nichts, was den Lehren des Judenthums widerspräche. Die Natur erscheint als eine Einheit, in der jede Wirkung ihre Ursache hat, wie das Judenthum sie als das Werk eines einzigen, einigen Gottes lehrt. Sie erscheint in unaufhörlicher Bewegung und Veränderung, so daß die Dinge in keinem Momente dieselben find, aber diese Bewegung und Veränderung selbst geschieht nach ewigen, unveränderlichen Gesetzen: ganz wie das Werk eines, diese Gesetze in Allweisheit feststellenden Wesens. Der Mensch wird vom Judcnthume als höchstes Erdengeschöpf mit unsterblichem Geiste gelehrt — mögen die Materialisten sagen was sie wollen — die Naturwissenschaft vermag kein einziges stichhaltiges Argument hiegegcn, wohl aber viele dafür anzuführen ... So weit und nicht weiter gehet überhaupt der Weg, auf welchem Religion und Naturwissenschaft mit einander Zusammentreffen; denn das sittliche Wesen der Menschen geht über die Natur hinaus, und die menschliche Industrie beruht auf einem ganz andern Grunde, wie die Natur, auf dem Tausch der Produkte. Ob eine solche Uebereinstimmunz dessen, was die Natur lehrt, mit dem, waS das Zudenthum lehrt, sobald man von der religiösen Idee als Prämisse ausgeht, auä> innerhalb anderer Religionen stattfindet oder nicht, ist nicht Gegenstand unserer Betrachtung. Wir wiederholen: die Naturwissenschaft, soll sie in den allgemeinen Fragen eine Beweiskraft haben, muß von einer bestimmten Prämisse ausgehen, über die Prämisse selbst entscheidet sie nicht; diese Prämisse in der religiösen Idee zugegeben, findet sich die Naturwissenschaft in völliger Harmonie mit dem Judenthume. Und so sieht es denn die Schrift selbst an. Sie, welche von ihrem ersten Worte an die Natur als eine Einheit, als einen Kosmos proklamirt, weiset immer wiederholt auf die Natur hin. um in dieser Gott in seinen Werken wie in einem Spiegel zu erkennen, fordert immer wiederholt auf, bei Himmel

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