Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 70 (12.6.1838)
- Date
- 1838-06-12
- Page
- Seite 283 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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283 Literarischer Salon. lFortschun g). Bibliographie dcr Toleranz - und Emanzipationefrage *). Zweite Lese. Jsra el Achot, Dcr Juden Ehrbarkeit. Ursel, 1571, 4.-Abr. Calov, de statu Judaeorum ecclesiast. et polit. Wittenberg, 4. — Jul. Bernh. Crescentius, de Judaeorum privilegiis. Darmstadt, 1604 , 4. — Juden Praktik, oder Bericht von der Juden Praktik und andern ihren gottlosen Leben. Augsburg,1610 (ohne Name dev schmutzigen Abfassers).— Heinrich Äonuann, ob und auf welche Weise die Juden unter den Christen zu dulden sind? Franks., 1612, 4. — Geistliches Bedenken, ob die Juden und ihr Wucher in dem römischen Reich zu dulden? item: ob nicht ihren Gotteslästerungen wegen sie sich aller Privilegien selbsten entsetzet? Von Jul. Bened. CrescentiuS. Darmstadt, 1612, 4. — Deliciae Judaicae, darin zu suchen, mir waS bösen Praktiken die Juden insgemein zum Schaden der Christen umgehen, von Henr. Schröter. Darmstadt, 1613, 4. Ein schmutziger Beitrag zu dem Vorhergehenden. — Etlicher Theologen Bedenken, wie christliche Obrigkeit denen Juden unter den Christen zu wohnen gestatten könne. (Darin sind auch die Aussprüche Luthers und anderer Theologen enthalten). Gießen, 1614, 8. Marburg, 1625, 8. — lob. Kitzel, de regaii habendorum Judaeorum, quatenus in imperio romano inter Christianos tolerari possunt. Gießen, 1617, 4. —. Joach. Pollio, theologische Fragen: ob eine christliche Obrigkeit Macht habe, die Juden aus ihren Herrschaften zu vertreiben, wie man Juden unter Christen halten solle? BreSlau, 1635, 4. — Georg. Theodor. Dietrich, de jure et statu Judaeorum in republ. Marburg, 1648, und 1661, 8. — Bedenken, ob die Juden ihren Wucherzinö mit Recht behaupten können? von Joh. Wolfg. Hiller. Augöburg, 1651, 4. — Mart. Siebenhahr, discursus politicus, Judaeos in republ. Christ, non tolerandos. Leipzig, 1657. Juristischer und wahrhaftiger Beweis, daß die List, so Juden in Bemäntelung ihres Wuchers in Schuldsachen gegen ihren Debitor gebrauchen, in Rechten verwerflich, von Joh. Wolfg. Hiller. Nürnberg, 1658, 4. — Ilenric. Hahn, di«T(tyu(ac( de rebus Judaicis ex jure caesareo et pontilicio concinnata, sive Judenordnung. Helmstadt, 1661 u. 1665, 8. — Georg Ad. Struvii, periculum legale de Judaeis. Jena, 1680, 4. Ad. Erdmann Mirus, an magistratus ohristianus Judaeos recipere aut tolerare debeat. Wittenberg, 1682, 4. — Diökurö über die Frage: ob wahre Christen mir gutem Gewiffen die Juden als Juden in äußerlichen, weltlichen und bürgerlichen Stande erdulden? ob ihnen noch darzu der öffentliche jüdische Gottesdienst verstauet werden könne? (Anonym und ohne Angabe deö Druckortö) 1695, 8.— Jo. Chr. Artopoei, Klenchus errorum a Justino lib. 36 circa res Judaicas commissorum. Straßburg, 1695, 4. — Jo. Dav. Bähr, Schediasma de Judaeorum in Christianos hostilitate. Leipzig, 1700 , 4. — Wildvogel, de Judaeorum receptione et'tolerantia. Jena, 1700, 4. — Jo. Toland, Reasons for naturalising the Jews. 'London, 1715, (Eine sehr human geschriebene Schrift). — Just. Henning Bölimer, disputatio de Judaeorum tolerantia. Halle, 1717. *) Vergl. No. 28. , (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Brody, 23. April. Charakteristik der jüdischen Sekten in Galizien. Um das mir vorgesteckte Ziel, meinen westlichen Brüdern einen kiefern Blick in unsere Angelegenheiten zu gewähren, am ehesten zu erreichen, finde ich für nörhig, den Stand der Hierlands sich gegenüberstehenden Partheien, ihre Charakteristik, woraus zugleich ihr gegenseitiges Verhalten hervorleuchten wird, vornrtheilstoS und ohne Partheilichkeit zu besprechen.. Nur durch Offenbarung unseres wahren, wenn auch traurigen Zustandes, kann uns Heit entsprießen, nicht durch Verhermlrchung. Der sich gesund dünkende oder dafür ausgebende kranke muß natürlicherweise dem Grabe zusiechen. Wenn unsere deutschen Bruder in zwei Partheien sich theilen lassen, eine, die dem Alterthümlichen mit Leib und Seele anklebt, und eine, die vom Zeirgeiste sich fortführen läßt, welche letztere zwar durch das Mehr und Minder, noch in einige Unterabtheis lungen zerfallt; so herrscht hier Landes, eine solche maßlose Secrirerei, ein solcher Geist der Parrheiung, daß keine Faction eine ausdauernd haltbare Consistenz, keine die Herrschergewalt sich anmaßen, ja keine den Vorrang sich zueignen kann. Die Ursache drejes Phänomens ist leicht zu ergründen. Wahrend die Sonne der Aufklärung in Deutschland durch dichte Wolken schichten sich Bahn brach, während^M en d cl soh n Glanz und Helle verbreitete,tauchte Jsra«'l Baal-Schein, der Vater des ChasidarömuS empor, mid umnebelte und verfinsterte die noch etwaigen lichten Punkte. ^>ein auf MysticiSmuS gegründetes System, daß sich vorn Pöbel, wie zu erwarten, einer bereitwilligen Annahme erfreute und auch im Herzen mancher Talmudisten, wenn auch wider Willen und unbewußt sich.einnistete, ist an allem Unheil Schuld und nur ihm ist alle dermattge Berderbniß und Spaltung zuzuschreiben. Zu geschweigen, daß es die Zwietrachtsfackel unter Brüder eines Glaubens schleudere und gegen einander entflammte; zu geschweigen, daß es die auSDeutschland zu uns herüber gekommenen Lichlstreifen verdunkelte und uns inS finstere Mittelalter zurückschob; zu geschweigen, daß eS die Entstehung des Frank und Consorten mit ihren irrigen, aber zu ihrer Zeit Anklang findenden Theorien verschuldete; zu geschweigen, daß es die Talmudisten auS ihrem sanften Schlafe aufschreckte, und ihr noch festeres Ankleben am Herabgeerbten, und ihr noch strengeres Abfvndern von Andersdenkenden verursachte, wohnt selbst unter seinen Anhängern kein Friede und keine Eintracht, sie haben keinen festen Centralpunkt, bilden verschiedene Secten, deren jegliche ihren eigenen Weg wandelt, ihren eigenen Rebi, ihre eigenen Schwindeleien und Alfanzereien auszuweisen hat. Ich will mir aber nicht vorgreifen und mache mich an die Classification und Charakteristik der Hauptpartheien. Derselben gibt es drei: nehmlich Talmudisten, Chasidim und Aufgeklärte, welche erste, da sie die älteste ist, den Reigen eröffnen soll. 1. Die Hauptmerkmale der Talmudisten oder Lomdim sind Einfältigkeit, Eitelkeit, die manchmal in Großsprecherei ausartet, Leichtgläubigkeit, die in Unwissenheit der Dinge der innern und äußern Welt ihren Grund bat; Intoleranz bei einigen bis zum ZelokismuS; AristokratiSmuS; Anhausen der Mizwoth, um das Gesetz zu umzaunen, wenn der Zaun auch übermäßig emporwuchere, ist ihr LieblingSgeschäft, uneingedenk der Worte des Rabi Chija (Breschith - Rabbah Cap. 19.) daß er alödann einstürzen und die Pflanzen verderben kann. Manche wahnen sich sogar von Gott berufen, die Orthodoxie zu wahren und zu sthützen und schleudern demnach Bannstrahlen gegen Andersdenkende oder Handelnde. Sie sind conservativ, wennüberkommene Mißbräuche, und progressiv, wenn'S neugebackene Gebete oder Gebräuche gilt. Bereits Gedrucktes, wenn eS in ihr Fach einschlägt, gewinnt in ihren Augen Sanction und demselben widersprechen, betrachten sie als Anmaßung. Als vor Kurzem ein vom Religionsweiser gefälltes Urtheil von Jemand mit triftigen Gründen bestritten wurde, erhielt er zur Antwort: Bilde dir ein, daß mein Ausspruch schon gedruckt sei. DaS AuSüben der durch die Zeit geheiligten Gebrauche und das tägliche Hermurmeln einiger Talmudabschnitte gelten ihnen als Ultimatum der Frömmigkeit, und derjenige, der eS unterlaßt, steht im Geruch eines EpicoroS. Dies die Schattenseite, die Lichtseite: Stille Duldung alles Ungemachs in Hoffnung auf Befferwerden; ausdauerndes Vertrauen auf den alleinigen Gott; unerschütterliche Zuversicht, daß Die Menschheit ihrer Vervollkommnung zuschreitet. — Hier haben Sie ein treues Conterfei der bessern unter denselben. Daß bei einigen noch Stolz, Hypocrisie, Egoismus und Verfolgungssucht zu den obigen Kennzeichen sich beigesellen, ist notorisch, wie nicht minder, daß einer ihrer Angesehensten, dessen bereits in No. 23. dieser Zeitung Erwähnung geschah, keinen An-, stand nimmt, seines pekuniären Vortheils halber einen Juden zur Uebertretung des Gesetzes zu verleiten.