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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-04-11 · Heft 16 (11.4.1853) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 16 (11.4.1853)
Date
1853-04-11
Page
Seite 198 (sequence 10)
Language
German
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198 den arischen, und nur die Thatsachen an fich betrachten. So lange wie es galt, ob irgend die heimliche Anschuldigung zur offnen Anklage vor Eurem Tribunal zu führen habe, mußte von jener aus geurtheilt und in ihrem feuerrothen Lichte betrachtet werden was irgend geschehen — jetzt aber wo es heißt: Schuld oder Unschuld! werdet Ihr jene Anschuldigung vergessen-" „Halte Dich dessen überzeugt!" sprach würdig der Vorsitzende. „Nun wohl, edle Fürsten! so erlaubet mir. offen, der Wahrheit getreu vor Euch zu reden— . Nicht wie die anderen Völker, die von dem goldenen Stabe des Königs der Könige, des persischen Herrschers, geweidet werden, > ist mein Volk ... nicht wie die anderen Völker, die einst Nebuchadnezzar und die anderen Fürsten der Kasdim, Madai und Paras unterwarfen und zertrümmerten, ist Juda_und darum ward ihm ein ganz andres LooS. Wenn ein Volk dem Schwerte des Siegers unterliegt, so fügt eS fich entweder diesem, und er setzt ihm einfach Satrapen und Pascha's, oder er zerschlägt es, wie der Hammer den Kiesel zu Staub, und dieser Staub vermischt fich mit anderm Staube, und ist nicht mehr zu erkennen und zu unterscheiden ... aber habt Ihr je gehört von einem Volke, von einem ganzen, großen Volke, das der Sieger aus seinem Sitze hebt und an den Urfitz seines eigenen Stammes schleudert und da hinstreuet über die Provinzen? Und habet Ihr je gehört von einem solchen Volke, daS, so aufgehoben, verschleudert und zerstreuet, doch nicht unterging, sondern mitten unter seinen Siegern sortlebte, fortdauerte, fich anschließend und doch abgeschlossen, sich hingebend und doch für sich geblieben.... Wie? edle Fürsten, erhabene Regenten, diese sonderbare Erscheinung muß doch ein eignes Bcwandtniß, einen eignen Grund, eine ganz besondere Ursache haben ... und diese ist: weil dieses Volk einen Inhalt, wie keines, eine Bestimmung, wie kein andres, einen Zweck, wie niemals noch eines hat — und dieser Inhalt, diese Bestimmung, dieser Zweck find Etwas, was nicht untergehen kann, was dem Sterblichen, dem Sieger, dem Tode nicht erliegen kann, waS an fich ewig, überirdisch ist ... die Religion, die wahrhaftige, reine, alleinige Religion, ein Gott, der nicht wie die Götter der anderen Völker, nur daß er mit einem andern Namen gerufen werde, sondern der der Gott des Himmels und der Erden, der Gott der Wahrheit und der Treue ist...." Bis dahin hatte Efta mit immer steigender Kraft gesprochen, er stand da, als war' er der Zeit und des OrteS vergessen, fein Antlitz glühend, nach oben gerichtet, als ob er Zeugniß ablege vor Himmel und Erde. Jetzt hielt er an, beruhigte fich, und sprach weiter: „So muß denn dieses Volk auch anders beurtheilt werden, als alle anderen Völker. Wenn es strebt, wieder an den Ort seines Sitzes zu kommen, wenn eS ringt, wieder selbstständig zu werden — so muß es darum noch nicht fich dem Zepter des Königs der Könige entziehen wollen, darum noch nicht dem Wahnwitz der Empörung, der Thorheit der Untreue fich hingeben mit selbstmörderischer Faust — vielleicht will es jenem Gotte nur seinen zerstörten Tempel wieder aufrichten, vielleicht will es nur den unterbrochenen Dienst dieses Gottes wieder Herstellen, und um seine Lehre zu lehren und sein Gebot zu üben, eine Stätte wieder schaffen, und diese mit Mauern und Mannen umgeben gegen die umwohnenden kleinen, aber feindlichen und räuberischen Völkerschaften...." „Und so war es; und so leset nach in den Archiven des Staates, befehlet, und ich schaffe es herbei, daß Koresch, der Ahn des Königs, den Weggefährten Juden erlaubt hat, nach Jeruschalajim zurückzukehren und den Tempel des Ewigen zu erbauen, und ihnen nicht nur die goldenen und silbernen Geräthe, die Nebuchadnezzar von dannen geführt, wiederzegeben, sondern noch viele Geschenke zum Schmuck des Hauses Gottes und zu Opfern und Spenden auf dessen Altäre...." Die Richter sahen fich verwundert an. Esra fuhr fort: „Es war allerdings kein großer Zug, der fich damals dem Fürsten Serubabel, den Koresch zum Führer einsetzte, anschloß, kaum der zwanzigste Theil der Nation — und Ihr könnet daran sehen, wie wenig es sich bei uns um einen freien, unabhängigen Staat handelt — und der unermeßliche Rest blieb in Babel und Aschur zurück, weil > es ihm da wohl erging; und unbedeutend waren die Schaaren, die von Zeit zu Zeit sich aufmachten, nach Jeruschalajim zu ziehen, und kehrten zum Theil nach kurzem Verweilen von dort zurück, darum aber wurde auch wenig und in Elend vollfuhrt, was der große Koresch befohlen. Und siehe, kaum waren die Juden in ihrer Heimath wieder angelangt, kaum hatten sie, halb mit Freudenjubel, halb mit Trauerzähren den Altar erbaut, als die alte Feindschaft der Völker ringsum wieder erwachte, und nicht ruhete, bis sie unsre Absichten verdächtigt, bis sie UNS beim Könige der Könige verleumdet, so daß Tempel und Stadt in ihren Trümmern verbleiben. Aber wie Gott Koresch den Gesalbten erwecket hatte, so erweckte er auch I Darjawesch, den Großvater unserS Königs, daß er Befehl

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