Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 16 (11.4.1853)
- Date
- 1853-04-11
- Page
- Seite 197 (sequence 9)
- Language
- German
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197 Dich, so bist Du doch Deines Amtes entsetzt, denn Niemand, der einmal verdächtig geworden, kann länger im Dienste des Königs stehen —" „Dies ist es, worüber ich mich beklage, was mich schmerzt — denn daß ein heuchlerischer Verräther aus den Schatten der Nacht seine Stimme erhebet: wer kann es hindern? wer ist davor jemals sicher? ... aber daß den erhabenen Fürsten mein Leben, das so rein und klar im Lichte lieget, auch nicht die geringste Stelle verdunkelt, verborgen — verdächtig erschien, wenn auch noch nicht die Schuld, doch schon die Anklage für gerechtfertigt erachteten, o das ist sehr bitter... „Und dennoch, Esra, wirst Du gerade dies sehr erklärlich finden, sobald Du die Anklage vernommen...." Esra verbeugte sich. „Du bist angeklagt, Esra, des Hochverraths an König und Reich._" Esra zuckte zusammen, doch faßte er sich bald, und sprach mit dumpfer Stimme: „Dies sagt mir die Vorladung vor den' hohen Rath der sieben Fürsten durch sich selbst, doch worin soll dieser bestehen?" „Darin," und der Sprecher erhob mit einem Male die Stimme, daß sie wie nahender Sturm scholl, „darin, daß Du trachtest. Dich zum Könige der Juden zu machen — hinauszuziehen mit großem Zuge, wenn auch in einzelnen Trupps, nach den Trümmern Eurer Stadt, Jerufchalajim's, sie mit neuen Mauern und Wällen zu umgeben, ein großes Volk innerhalb derselben zu sammeln, es wehrbar zu machen, und dann Dich zum Könige und Hohenpriester zn erklären, abfallend vom Könige der Könige, der Dich in hohen Gnaden erhoben, aufwiegelnd die Völker von Kleinafien, und die aufrührerischen Egypter zur Hilfe rufend. —" Esra schien tief erschüttert. Dann sammelte er sich und sprach: „Und wer hat mich dessen geziehen?" „Namen thun in diesem Saale nichts, nur die Thatsachen._" „Wohl. Dies ist die verleumderische Bezüchtigung, die mich stürzen soll ... mag der treulose Verräther sich sicher in seinem Versteck fühlen, die Gerechtigkeit Gottes wird ihn finden und vernichten . .. aber welche sind die Anzeichen, die mich vor den Augen meiner Herren verdächtigten?" „Billigerweise solltest Du Dich über die Sache selbst erst auslaffen — aber wolan! Dein Wunsch werde erfüllt. ... Ist Dein Bruder Schemaja zurückgekehrt aus Jeruschalajim?" „Allerdings." „Hat er seitdem eine Stunde geschwiegen und geruhr, oder wandelt er umher unter den Vorstehern und Angegesehenen und Gliedern Eurer Nation, hohen und niedrigen, großen und kleinen, mit Schreien und Jammern beschreibend, wie tief die Trümmer Eurer Stadt von Schutt und Asche begraben liegen, auffordernd zum Zuge dahin, daß Juda wieder erstehe, mächtig und gewaffnet gen alle Nationen ... kannst Du das leugnen?" „ES ist wahr." „Und bezeichnet er bei allem dem nicht Dich als das Haupt und den Führer der Nation, der berufen ist, als Prophet Eures Gottes zugleich, Euer Volk wiederherzustellen nach dem Willen und den Vorschriften Eures Gesetzgebers, Mosche's, Sohnes Amram's. Sollte dies Lüge sein? . . . Sag' an. ..." „Nein! edle Fürsten." „Nun, Esra, die letzte Frage — bist Du irgendwo ausgetreten, und hast dies verneint, und hast dem widersprochen, und hast eS verleugnet, und hast gesagt: ich bin ein treuer Diener unscrs Königs, und habe mit allem dem Nichts zu schassen, hier ist der Ort meines Dienstes, auf den mich des Königs Gnade erhoben ... hast Du dies, sag' an wo?" „Nirgends." „Nun, wolan, Esra" — und des Sprechers Stimme klang wie die Stimme des Sturmes — „kannst Du sagen, daß die erhobene Anklage der Anzeichen, die Dich verdächtigen, entbehre?" Esra beugte sich tief, und sprach refignirt: „Ich muß cS einräumen." „Nun wolan! so habe die Anklage ihren Lauf — Du bist anzeklagt des Hochverrathes an König und Reich. Vertheidige Dich." Noch stand eine Zeit lang Esra in sich gekehrt — dann richtete er sich hoch auf, sein Auge sprühte Feuer, seine Lippen kräuselten sich; noch hob er gemessen und in sich haltend an, bis seine Rede immer mehr und mehr anschwoll. „Edle Fürsten!" begann er, „was ich als verdächtigende Anzeichen einräumte, konnte ich nur einräumen, wenn man die Anschuldigung vorauSsetzr; auf solche hin konnten wol jene Anzeichen verdächtigen. Ihr aber, hohe Regenten, die Ihr nicht zum Derunheilen, sondern zum Urtheilen zusammengekommen, die Ihr, deß bin ich sicher, lieber gerecht befindet, als verdammet — Ihr werdet daher in diesem Augenblicke die Anklage als nicht vorhan- 16*