Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 16 (11.4.1853)
- Date
- 1853-04-11
- Page
- Seite 196 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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196 mit hebräischen Charakteren beschrieben. Aber der Führer war mit dieser Täuschung bekannt, und schalt ihn so ernstlich, daß er nach einigem Zögern, das Bruchstück weglegte, und einen großen Blechzylinder hervorbrachte, bekleidet mit einem Stück grünen und goldgestickten Satin. Die Kinder warfen fich nieder und küßten ehrfürchtig die glänzende Bedeckung, bevor fie entfernt wurde. Indem der Zylinder geöffnet ward, that fich zugleich das zusammengerollte Pergament auf, das an beiden Enden aufrpllte. Es ist ein sehr altes Manuskript und merkwürdig erhalten; die Risse find sorgfältig ausgebessert, und das Zusammengerollte geschickt an ein anderes Stück Pergament befestigt, das an der Außenseite mit violettem Sammet bedeckt ist. Der Priester sagte mir, daß es durch den Sohn Ahrons geschrieben sei, was jedoch dadurch bestritten wird, daß der samaritanische Pentateuch von dem der Juden vielfach verschieden ist. Es ist jedoch zweifellos eines der ältesten Pergamente in der Welt und die Samaritaner blicken auf dasselbe mit unbedingtem Glauben. Der Pentateuch enthält nach ihrer Meinung die alleinige Form der Religion, fie verwerfen alles Andere, waS das Alte Testament enthält. Drei oder vier Tage vorher war ihr großes Opferfest, wo fie ein Brandopfer von einem Lamm auf der Spitze des Berges Garizim darbringen. Belletristisches. Esra. Eine Novelle. (Fortsetzung.) 4. ES war ein Rathszimmer im hohen Palaste des Königs. Die fieben Räthe des Königs, die höchsten, waren versammelt. Welch' eine Pracht! Die seidenen Divans rings um die Wände, mit Gold gestickt und Blumen, so sscisch an Farbe, daß man fich verlocken lassen konnte, daran zu riechen; die Tische vor den Divans zum Schreiben, von den feinsten Hölzern mit goldenen und filbernen Zierrathen; die schweren Vorhänge, der köstliche Springbrunnen in der Mitte des Saals, der aus bronzenen Kelchen seine Strahlen und seinen feinen Wafferduft drängte — was war dies gegen die Pracht des Bauwerkes an fich.... Diese hohe, gewaltige Wölbung, die in einer Kuppel schloß, durch die das Licht hereinströmte, diese Mosaik in den buntesten Farben, diese Basreliefs rings um die Wände, die Siegeszüge des Königs Arthachschaßt darstellend über stemde, unbekannte Nationen._ Und in der Mitte des Saales fieben Sitze, gleich kleinen Thronen, die massiv goldenen Lehnen mit zierlichen Stierköpfen gekrönt, und auf den Sitzen die fieben Räthe des Königs, die höchsten, in kostbaren Gewändern, mit den Abzeichen ihres Ranges geschmückt. Sie saßen still, vor fich hin finnend, bis ein Diener einen Vorhang erhob und einem Manne, der draußen stand, zum Eintreten winkte. Es war Esra's hohe Gestalt, die ehrerbietig vor die Räthe trat, und fich tief vor ihnen beugte, dann fich wieder aufrichtete und schweigend die Anrede des Vorfitzenden erwartete. Lange schauten die Räthe auf den kräftigen und erlauchten Sprößling Aharon'S, dann brach der Oberste unter ihnen das Stillschweigen: „Du bist Esra, den des Königs Gnade zu einem der königlichen Staatsschreiber erhoben" — und bei der Erwähnung des „Königs" senkten fie alle das Haupt, und führten ihre Rechte an ihre Stirn und die Linke an daS Herz — „Du bist Esra, Sohn Serajah's, der Sraatsschreiber, den die weggeführten Söhne Juda's einen Priester nennen ihres Stammes?" „Ja, gnädige Fürsten, der bin ich," antwortete Esra mit lauter, wohlklingender Stimme, und verbeugte fich abermals ehrerbietig. „Dich hat des Königs Gnade sehr früh und jung zu hoher Würde erhoben —" „Mein Herz ist voll Dankes, voll Gehorsams, voll Treue —" „Und doch erscheinest Du vor dem Rathe der fieben Fürsten ... weißt Du, was dies heißet?" „Ich weiß eS — irgend ein tückischer Verleumder hat seinen Geifer auf mich ausgespritzt, ich bin angeklagt. ..." „Nicht blos angeklagt, denn nicht die Anklage allein führt hierher, sondern nur Anzeichen, die den Verdacht rechtfertigen...." „Ich fühle mich rein, und erwarte, wessen man mich zeiht...." „Aber weißt Du auch, welche Folgen der Gang hierher hat? ... Kannst Du Dich nicht rechtfertigen, so gehst Du von hier aus den Weg des Todes — Du stehest das Licht des Tages nicht wieder — reinigst Du