Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 16 (11.4.1853)
- Date
- 1853-04-11
- Page
- Seite 193 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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193 entfaltete sich Dreifuß' edles Herz und schöner Geist tausendfältig. Jetzt reifte zur That, waS der Jüngling im Vereine mit dem zu früh verblichenen Freunde Kaula beabsichtigte, die Gründung eines jüdischen WaisenvereinS, bei dem auch, wir dürfen es nicht unerwähnt lassen, Buchhändler Heß auS Ellwangen besonders thätig war. Der Anfang war gering; aber dem unermüdeten Eifer deS Gründers ist es gelungen, mit einer schöpferischen Kraft, die er auS dem Born eines frommen Gemüthes schöpfte, aus Nichts ein Etwas zu schaffen, daS Jahrhunderte überlebt. Da steht nun der Bau der „Wilhelmspflege", deS israe- Urrschen Waisenhauses in Eßlingen, eingegraben auf der Tafel des Betsaals der Name deS Stifters; aber er, der Vater der Waisen, ist im kräftigsten ManneSalrer dem Tode in die Arme gesunken, seine Kinder selbst als Waisen zurücklassend. Aber die Lippen der Waisen, die Pflege und Unterricht in dieser Anstalt finden, tragen im Kadischgebete, das sie für ihren Waisenvater sprechen, den Dank vor den Thron deS Allerhöchsten, wo der Name des Gerechten zum Segen wirkt. Das Leichenbegängniß des Dr. Dreifuß, der als Chef des Denedikl'schen Bankhauses noble Konnexionen hatte, war ein von der allgemeinen Theilnähme zeugendes. Selbst die königl. Minister begleiteten den wackern Israeliten zur Ruhestätte. Maier bewährte in seiner Grabrede den Ruf als ausgezeichneter Kasualredner. Wie aber Gort nach altem jüdischen Sprichworte „den Balsam vor der Wunde schickt", so hat Dr- Dreifuß noch bei Lebzeiten die Vorstandschaft deS Waisenvereins provisorisch dem Privatgelehrten Dr. Adolph Levi in Stuttgart übertragen, der seinen Lebensberuf im Wohlthun findet. Wir dürfen die beruhigende Versicherung aussprechen, daß die Sache des Vereins für jüdische Waisen in guten Händen liegt. Der provisorisch bei der königl. Oberkirchenbehörde angestellte Assessor Dr. Jordan ist definitiv bestätigt worden. Derselbe entwickelt schöne Geschäftskenntnisse und seine juridische Tüchtigkeit kommt dem Kollegium zu gut. — Der in Ruhe versetzte Rabbine Kaufmann von Laupheim wurde vom Leben in den Tod zur ewigen Ruhe versetzt. — Das dreizehnte Rabbinat in Württemberg ist eingegangen. — Im Staatsanzeiger wurde kürzlich die Schule des Rabbinen Güldenstem, der durch die Präzeptoratswürde zur Gründung einer wissenschaftlichen Anstalt berechtigt ist, gerühmt, und dadurch erfuhren wir auch, daß dem Stadtrathe zu Buchau ein Staatsbeitrag zugesichert wurde, wenn er diese Anstalt von einer privaten zur öffentlichen mache, da sie ohnehin schon dem Glaubensbekenntnisse nach gemischt ist. — Der Staatsanzeiger brachte auch jüngst einen den Akten entnommenen Nachweis, wie viel jüdische Jünglinge seit dem Wirken der israelitischen Oberkirchenbehörde zu ordentlichen Gewerben durch dieselbe veranlaßt und zur Erlernung aus der israelitischen Zentralkirchenkasse unterstützt wurden. Die Zahl der Unterstützten ist 667, die auf sie verwendete Summe 25,600 fl. Ich lege Ihnen den Bericht bei, den Sie aus dem Original wiedergeben können. In literarischer Beziehung ist auf speziell jüdischem Gebiete vom Kirchenrath Dr. Maier die Fortsetzung seiner jüdischen Ehegesetze im Jahrgang 1852 der Sarvey'schen Monatsschrift für Rechtspflege erschienen. Für Württemberg haben diese Blätter legislatorische Autorität, und diese Darstellung deS jüdischen EherechrS ist für den Richterstand Württembergs eine sehr geeignete Belehrung. Der gelehrte Herr Verfasser hat natürlich hier mehr als Kompilator gearbeitet und die dem richterlichen Publikum unzugänglichen Quellen populär gemacht. Die kritische Beurthcilung dieser Arbeit bleibt Männern vom Fache überlassen. Eine weitere literarische Neuigkeit ist die Schrift HosheimerS „das betende Kind", im Selbstverläge des Verfassers, Kappel bei Buchau am Federsee. Der Verfasser, der schon eine Preisaufgabe gelöst hat, zeigt wieder seine Meisterschaft als Denker und Sammler. Die Gebete, meist in gebundener Form, sind glücklich gesammlt. Fleißig ist daS treffliche „Kinderbuch von Freihofer", das wir allen Schulen empfehlen wollen, eS kostet nur 30 kr., benutzt. Die Sachen von Rückert, Hey und Güll sind trefflich. Der Verfasser hat einen längst bestehenden Mangel für den Augenblick beseitigt. Doch hätten wir der Schrift eine mehr jüdische Richtung gewünscht. Herrliche Poesieen für Kinder von jüdischen Dichtern fehlen ganz und gar. Warum sind nicht einige Psalmen nach Mendelssohns Uebersetzung ausgenommen, die Alerauder v. Humboldt als die gelungenste, hochpoetifche in seinem Kosmos bezeichnet. Warum find nicht Dichter wie Steinheim, Philippson, Stein, besonders des Letztern Chanuka-Lied nach Tert und Melodie des „Moaus Zur"