Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 16 (11.4.1853)
- Date
- 1853-04-11
- Page
- Seite 192 (sequence 4)
- Language
- German
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192 zugleich den Schächterdienst versieht, diese letztere Funktion die festgesetzten Unterrichtsstunden beeinträchtigen." Später heißt es: „Die Früchte von den Bestrebungen des Oberraths um die Begründung und resp. Verbesserung der jüdischen ReligionSschulen Mecklenburgs zeigen sich darin, einerseits daß wir jetzt ReligionSlehrer und Prediger, wie Mielzyner, Bonheim, Oppenheim, Neustadt (Rabbiner), Berg und Andere haben, welche in ihrem Beruf anerkannt tüchtig sind und jeder Gemeinde und Religionsschule zur Zierde gereichen würden, andererseits daß die vom LandeSrabbiner bei seiner Rundreise angestellten Schulprüfungen, seinen Jahresberichten zufolge, im Allgemeinen sehr zufriedenstellend sind —, Ergebnisse, welche um so mehr die größte Anerkennung verdienen, als bekanntlich die Gemeinden, gering an Zahl, die zur Erhaltung deS Gemeindewesens erforderlichen bedeutenden Kosten durch persönliche Beiträge aufzubringen haben und als namentlich die hiesige Gemeinde ihren enormen Etat im Allgemeinen mit der größten Bereitwilligkeit und Aufopferung herbeischafft." „Dem Oberrath ist nie eine den Religionsunterricht betreffende Beschwerde, welche ihn zur eigenen Prüfung angeblicher Uebelstände oder zur Beprüfung durch völlig kompetente Männer hätte bestimmen können, vom hoben Ministerium mitgetheilt worden; weshalb ich darüber in Ungewißheit bin, worauf das hohe Ministerium sein Urrheil gründet. So viel aber steht fest, daß der Oberrath seit 1843 mehr für Hebung der Religionsschule in Mecklenburg gethan hat, als in Jahrhunderten vor ihm geleistet ist." Endlich schließt er: „Daß das hohe Ministerium den gesetzlichen Weg deS Statuts je verlassen und in die religiösen Angelegenheiten deS Judenthums einseitig und im Widerspruch mit den gesetzlichen Bestimmungen eingreifen werde, glaube ich nicht. Ebenso wenig vermag ich anzunehmen, daß ein mecklenburgischer Jude, gleichviel welcher religiösen Richtung (wenn er nur nicht zu den „gefärbten Heuchlern und Scheinheiligen, welche, den Eifer der echten Pharisäer überbieten, deren Werke denen des Simri gleichen, die aber nach dem Lohne eines PinchaS trachten", gehört), zu einer Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten die Hand bieten, oder gar ein gotteSfürchtiger Rabbiner sich der großen Mehrzahl der mecklenburgischen Juden, welche nach ihrer innersten religiösen Ueberzeugung und in Frieden leben, aufdrängen werde. „Laßt unS hallen an dem Glauben, Laßt uns fest sein in dem Herrn! Niemand soll das Licht uns rauben. Niemand unserer Lehre Stern!" Aus Württemberg, im März. (Privatmitth.) Ihr Korrespondent aus Württemberg hatte seit dem Eintritt des neuen bürgerlichen Jahres stille Zeit; denn auf dem Gebiete des jüdisch-kirchlichen und politischen Lebens trug sich nichts Besonderes zu, das Interesse für den weilen Leserkreis Ihrer Zeitschrift böte. Und heute bin ich auch nicht „der Mann der frohen Botschaft". Der jüdische Hermann Francke — Dr. Samuel Dreifuß aus Stuttgart — ist nicht mehr!! Abends noch heiter in einem größern Zirkel, hat der Morgen ihn „todl" im Bette gefunden; ein Nervenschlag machte dem edeln Leben ein schnelles Ende. Dr. Samuel Dreifuß war der Sohn frommer jüdischer Eltern, geboren auf einem Dorfe in der Nähe Stuttgarts; es übersiedelten die Eltern später in die Residenz, wo der junge Samuel die wissenschaftlichen Anstalten mit Eifer und glücklichem Erfolge besuchte. In Gemeinschaft mit einem schon als Jüngling erblichenen Freunde, dem Dr. Hermann Kaula, bezog er die Hochschule und Beide widmeten sich der Heilkunde. Dr. Kaula fand in Paris auf einer wissenschaftlichen Reise seinen frühen Tod, während seinem Freunde Dr. Dreifuß, begünstigt vom Glück und seinen eminenten Fähigkeiten des Lebens besseres LooS zufiel. Preisgekrönt verließ er die Hochschule, an Kenntnissen bereichert kehrte er von wissenschaftlichen Reisen heim, gewann sich durch angeborne Leutseligkeit die Liebe Aller, die ihn näher kannten, durch feine Bildung wurden ihm alle höheren gesellschaftlichen Zirkel geöffnet, wo er als Virtuos am Flügel ein beliebter Gast in allen Salons wurde. Bald erwarb sich der junge Mann als Armenarzt größern Ruf und der erste jüdische Arzt in Stuttgart haue die schöne Genugthunng, bald eine große Praxis zu haben. Der edle Mäcen „Moses Benedikt" schätzte die vorzüglichen Eigenschaften des jungen Arztes höher als Reichthum und willigte in die Einigung seiner in edler Liebe dem jüdischen Arzte zugethanen Tochter. In diesem Hause hatten Kunst und Wissenschaft längst ihren Musenfitz aufgeschlagen und hier