Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 15 (4.4.1853)
- Date
- 1853-04-04
- Page
- Seite 187 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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187 läufig und im Detail ausgeführt hat. Die kurze, gedrungene, epigrammatische Sage des Midrasch und Talmuds wird hier zu einem großen, in Abtheilungen sich abwickelnden Gedichte. Dies ist allerdings eine Arbeit, zu der eine größere poetische Begabung gehört, und die um Vieles leichter verunglücken kann. Wir sprechen jene Herrn Lettens durchaus nichr ab. Tiefe Empfindung, Henschaft über die Sprache und leichte Verfifizirung befähigen ihn. Allein was wir ihm in größerm Maße nicht zuerkennen können, ist die Gabe der Komposition, welche gerade zu seiner Arbeit so unumgänglich nothwendig war, sollten echt künstlerische Produkte zu Tage kommen. Er bemächtigt sich des konzinnen Stoffes, dehnt diesen nach Breite und Länge aus, theilt ihn ab, und füllt dieses Skelett durch eine Fülle schöner Worte aus. Dies können nur wenige Stoffe gut vertragen. So leidet selbst No. 1, „der Trank der Eifersucht", so schön und gefühlvoll sie ist, an Länge und dadurch bedingter Weichlichkeit, so ist der „verschwundene Bräutigam" (No. 3), so erhaben die ganze Auffassung, doch durch zu großes Wortgepränge alles Schlagenden beraubt. Oder der Dichter erzählt eine Reihe von Fakten, und — dies fällt nüchtern aus, wie No. 2 „der Zweig vom Lebensbaum". Da Lettens vielmehr lyrischer Dichter ist, so produzirt er da am Besten, wo der Stoff ganz einfach liegt, und ihm nur die lyrische Seite abzugewinnen ist. So ist z. B. No. 4 „die Anklage" unübertrefflich, so No. 11 „das kostbare Geschenk". Angefügt find noch „west-östliche Blätter", die nach dem Vorwort „einen leichten, anspruchslosen Uebergang von den orientalischen zu den abendländischen Weisen gewähren sollen". Es find meist lyrische Ergüsse, die wenig hierher gehören, denn einen Uebergang bilden die „Sagen aus dem Oriente" selbst, da sie doch nichts weiter als orientalischer Stoff in abendländischer Weise sind. Jedenfalls gehört diese Sammlung zum Besten, was das belletristische Judenthum hervorgebracht hat. — Endlich c) epische Gedichte aus biblischem Stoff. So bedeutende Arbeiten wir auf diesem Gebiete besitzen, so können wir dennoch hier sehr kurz sein, da die Schrift, die wir hier zu erwähnen haben, zu dem geschmacklosesten Zeug gehört, daS wir aufzuweisen. „Das Leben Mosche's. Eine biblisch-eregetische Biographie. Zur religiösen und national-geschichtlichen Belehrung zunächst für die gebildeten Söhne und Töchter Israels. Von M oriz Stern. Wien, 1852." Es wäre Ironie, wollten wir hier nur der drei Mosaiden von Wessely, Steinheim und Mos. Rappoport erwähnen, die wir in dieser Zeitung zusammenstellend zu beurtheilen das Glück hatten (s. Jahrg. 1843. No. 1. 2. 3.) Das vorliegende Büchlein ist eine verfifizirte biblische Geschichte von Abraham bis zu Mosche's Tod mit Benutzung der betreffenden Midraschim in der langweiligsten, erdrückendsten Weise, in inkorrekter Sprache u. s. w. u. s. w. Ungefähr in folgender Art: Abraham, Der in jenes schöne K'naanland gezogen, Das ihm Gottes höchste Huld gezeigt. Der, der wahren Tugend muthig, treu gewogen. Der Verführung nie sein Herz geneigt. Der in seinen zehn erschwerten Glaubensproben, Sein Vertrauen fest auf Gott gestählt, Der sich über seine Zeit mir Muth erhoben Und den unsichtbaren Hort gewählt. Dessen Freundschaftsbündniß hohe Fürsten ehtten. Dessen Macht verwcg'nc Herrscher schlug. Dessen reiche Heerdcn sich so sehr vernrehrten, Daß die Trifte sie nicht mehr ertrug. U. s. f. u. s. f. Genug. Anzeigen. G^* Bei der hiesigen israelitischen Gemeinde wünscht man noch zu Ostern d. I. die vakante Stelle eines Religionslehrers, Schächters und Dorberers für ein jährliches Gehalt von 80 Thlr. Kourant zu besetzen. Sich baldigst zu melden beim Vorstand der hiesigen israet. Gemeinde. I. Levetzow. Laagc (Mecklenburg-Schwerin), 8. März 1853. Ausschreibung der Rabbinatsstelle in Güdingen. Diejenigen Rabbiner, welche sich um das Rabbinat der israelitischen Gemeinde Endingen, Kantons Aargau, in der Schweiz bewerben wollen, haben sich bis zum 31. Mai nächsthin bei der Tit. Erziehungsdirektion in Aarau dafür anzumclbcn und ihrer Anmeldung beizulegen: a) befriedigende Zeugnisse über einen makellosen, religiösen Lebenswandel von anerkannten Rabbinern und Behörden; b) genügende Ausweise über ein mindestens dreijähriges Studium der mosaischen Theologie auf einer Hochschule; c) ein ordnungsgemäß erworbenes RabbinatSdiplom von einem anerkannt gelehrten Rabbiner.