Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 15 (4.4.1853)
- Date
- 1853-04-04
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1S3 risch einen Religionslehrer anzustellen, und dazu wurde Herr Wolf, der schon anderweitig bei der Gemeinde beschäftigt war. gewählt. Dieser ging von dem Grundsätze auS, nachdem unsere Liturgie hebräisch ist, nachdem das Hebräische noch das einzige geistige Band ist, das die zerstreuten Stämme Israels verbindet; nachdem endlich das Hebräische selbst der Form nach einen integrirenden Theil deS Religionsunterrichts ausmachen soll: daß auch daS Hebräische im wahren Sinne des Wortes in der Religionsschule, speziell in den Volksschulklassen, wo es später als rrv-!-. KuvrprH bleibt, gelehrt und erlernt werde. Es ist wol unnöthig, daß ich ferner Gründe für die Richtigkeit dieser Ansicht ausspreche. Das Eine mögen Sie mir nur erlauben zu bemerken, daß der pädagogische Grundsatz seine unbestrittene Geltung hat: das Kind lernt um so williger und verwendet um so mehr Fleiß, wo eS selber die Ueberzengung erlangt, daß ihm das Erlernte Früchte trägt. Wol ist dabei die Zeit sehr kurz zugemessen — drei Stunden in der Woche — aber ehrlicher Wille mit Sachkenntnis vermögen wol viel. Treu dem Grundsätze, den Herr Wols in seiner Broschüre ,,über die Volksschulen" aussprach, hielt er sich auch hier an die praktische Seite und leistete nach kurzer Zeit sehr bedeutende Resultate. Die Bibel in der Ursprache machte nebst Stücken aus dem Gebetbuche die Grundlage deS Unterrichts, dazu kam noch die biblische Geschichte und in der Mädchenklasse speziell biblische Geschichte. Die Schulkommission brachte viele Opfer an Zeit und wohnte den Vorprüfungen und der öffentlichen Prüfung bei, um ein genauer erschöpfendes Urtheil sich zu verschaffen; und sie hatte nur Worte des Lobes. In dieser Sitzung nun erstattete Herr Dr. Engel im Namen der Schulkommission einen vortrefflich abgefaßten Bericht über den Stand der hiesigen Schule und der religiösen Bildung im Allgemeinen ab. Darin wurde das Verdienst des Herrn Wolf außerordentlich hervorgehoben. Die Kommission hatte im Vorhinein aber einen Konkurs beschlossen, und sie schlug diesen Weg auch vor. ES erhoben sich nun Stimmen, insbesondere der Gemeinderath der Stadt Wien, Herr Heinrich v. Wertheimstein, und der Vertreter Herr Josef Biedermann, unterstützt von dem Gemeinderath Herrn Wilhelm Boschan, der zugleich Mitglied der Schulkommission ist. Nachdem die Konkursausschreibung eine bloS illusorische sei, so wäre eS unnöthig so viele Menschen in Bewegung zu setzen, die sich darum bewerben. Dagegen machte der Vorsitzende, Herr Leopold v. Wertheimftein, geltend, man müsse der Form genügen, und so wurde der Vorschlag zur Konkursausschreibung angenommen. Es ist der Gehalt auf 800 fl. K. M. jährlich firirt. Dabei hat sich nur der Fehler eingeschllchen, daß in der Ausschreibung auch von Emolumenten die Rede ist, die aber ganz unbedeutend sind. Zugleich wird auch ein Konkurs unter den hiesigen Aerzren ausgeschrieben zur Besetzung der Primärarztstelle im israelitischen Krankenhause. Derselbe wird nur auf drei Jahre angestellt. Ueber den Tempelbau ist vor der Hand noch Nichts entschieden. Unter den vielen Deputation, die zur Beglückwünschung Sr. Majestät angekommen sind, ist auch die aus Szegedin mit dem Rabbiner Löw an der Spitze. Dieselbe wurde von Sr. k. Hol), dem Erzherzoge Franz Karl huldvollst empfangen. Derselbe geruhete, sich bei Herrn Rabbiner Löw um die Mitglieder der Deputation zu erkundigen, freuete sick darunter Handwerker re. zu finden und sprach die bezeichnenden Worte: ,,ES that mir immer leid, wem: ich die Israeliten, wie in Preßburg, auf einen enge:: Raum beschränkt sah. Durch die Gnade unserS Herr:: und Kaisers wird es Ihnen jetzt gegönnt sein, sick in S Weite auszubreiren." Ich kann Ihnen nicht sagen mit welchem Jubel und Enthusiasmus diese Deputation dann bei Tische ein Hoch auf daS Wohl Sr. k. Hoheit ausbrachte. Vom Herrn Rabbiner Löw ist die Rede erschienen, die. derselbe bei Gelegenheit des Attentats in Szegc bin hielt, und der Ertrag ist den verwundeten Kriegern in Mailand bestimmt. Noch will ich Ihnen mittheilen, daß der hiesige Großhändler H. Königswarter bei der Genesung sei nes einzigen Sohnes (derselbe halte das Unglück, das; die einzige Tochter kurz nach der Heirath au der Geburt eines KindeS starb) 5000 fl. für das hiesige israelitische Spital und 5000 fl. für das Spital zu Frankfurt bestimmte, deren Interessen jährlich au Rekonvaleszenten vertheilt werden sollen. Die Schweiz. Cndingen, im Februar. (Privatmitth.) Anbei übersende ich Ihnen das Aaargauische Gesetzes-