Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 15 (4.4.1853)
- Date
- 1853-04-04
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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182 über den Bestrebungen, Sraat und Kirche von einander zu trennen, daß es ferner zweckmäßig sei, für diese Ausschließung sich zu bestimmen, weil man die Einwanderung von Juden, je mehr man ihnen Rechte gebe, desto zahlreicher machen würde und das doch keineswegs im Interesse der Staatsangehörigen liege; endlich würde man, wollte man die beantragte Bedingung nicht annehmen, damit eine Verschiedenheit in den Qualifikationen, welche einerseits die in die Bürgerschaft wählbaren und andererseits die in den Senat und das Richterkollegium wählbaren Staatsbürger haben müßten, Herstellen, die der Stellung der Bürgerschaft im Staate keineswegs angemessen wäre. Die Gegner der Ausschließung machten hauptsächlich Folgendes geltend: eS liege kein Grund vor, weshalb Bremen den Juden, welche es doch seit 1849 zur Erwerbung des Bürgerrechts zulasse, die Ausübung ihrer politischen Rechte verkümmern sollte; das sei eine Abnormität im Vergleich zu Dem, was anderwärts theils schon bestehe, theils der Verwirklichung nahe sei; eS hieße das eine Klasse von Bürgern zu politisch Unzufriedenen zu machen, den Grund zu religiöser Intoleranz legen, wahrend doch gerade der Geist der Zeit entschieden der entgegengesetzten Richtung zustrebe u. s. w. Die Bürgerschaft erklärte sich schließlich dafür, daß die Wählbarkeit zur Bürgerschaft nicht an bas religiöse Bekenntniß geknüpft werden solle. (Zlg. f. Nordd.) Mainz, 12. März. (Didask.) Gestern Abend und heute Morgen wurde die Einweihung der neuen Synagoge der hiesigen israelitischen Gemeinde auf würdevolle Weise gefeiert. Gestern vor 5 Uhr war schon das neue Gotteshaus in allen seinen weilen Räumen mit Mitgliedern der Gemeinde und mit Einlaßkarten versehenen Gästen angefüllt. Nicht lange nach 5 Uhr kam der Zug der bei der Abschiedsfeier in dem seitherigen Berhause thätig ober zugegen gewesenen Gemeindeglieder in der Synagoge an und bewegte sich unter Musik und Gesang durch den Mittlern Gang nach dem Heiligrhume, wo unter den üblichen Zeremonieen die Tora niedergelegt wurde, worauf Gesang, von den vollen Tönen der schönen Orgel und der Musik des Bürgermusikvereins begleitet, mit Geber wechselten, bis der erste Rabbiner, Herr Dr. Aub, die Kanzel betrat und in fast anderrhalbstündiger Predigt, welche des besten Eindruckes nicht verfehlte, die Bedeutung des TageS auseinander setzte. Nach der Predigt folgten noch Gesang und Gebet bis 8 Uhr, wo für diesen Tag die Feier endete, der die höchsten Zivil- und Militärautoritälen, so wie mehrere höhere Geistliche der beiden christlichen Konfessionen beiwohnten. Sprechen wir nun auch von dem Eindrücke, den das Innere deS neuen Baues selbst auf unS und auf Alle machte, welche wir darüber sich äußern hörten, so war derselbe ein im höchsten Grade überraschender, großartiger. DaS hohe, mit Glaskuppeln überwölbte Schiff, von zwei auf drei Seiten über einander hinlausenden Gallerten umkränzr, unter diesen die entsprechenden Nebenräume, und alle diese Räume auf's prachtvollste durch Malereien und architektonische Verzierungen geschmückt und von dem Lichtmeere der Hunderte von Gas ausströmenden Kerzen durchstrahlt, Alles das wirkte wahrhaft zauberhaft auf den Beschauer und rief in ihm die Ueberzeugung hervor, daß dieser Tempel eine der schönsten Zierden unserer Sradr bilde. Meiningen, 20. März. Die herzogl. Regierung hat dem Beschluß der Kammer, die völlige Gleichstellung der Juden wiederherzustellen, ihre Beistimmung verweigert. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 20. März. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen dieses Mal von einer wichtigen Plenarsitzung des Vorstandes der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde zu berichten. Ich habe nur dabei etwas zurückzugreifen. Es stellte sich vor Jahren das Bedürfniß heraus, zwei Lehrer an der hiesigen Religionsschule anzustellen. Es war die materielle Zeit nicht hinreichend, daß Herr Breuer ferner den ganzen Religionsunterricht mit gutem Erfolge betreibe, und derselbe stets das Wohl der Schule im Auge habend, stellte daher den Antrag, einen zweiten Religionslehrer, gegen sein materielles Interesse, anzustellen. Der Vorstand ging darauf ein und eS wurde ein l)i. mell. Mandel gewählt. Ich will mich an das Sprichwort halten: I)e mortuis nil nisi bene; aber irrrnn rprm: 1212. Derselbe machte zu Anfang des Schuljahres seinem Leben gewaltsam ein Ende. Der Moment drängte nun und die Herren Mannheimer und Breuer wurden von Seiten deö Vorstandes beauftragt, provifo-