Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 14 (28.3.1853)
- Date
- 1853-03-28
- Page
- Seite 174 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Uebertragene nicht anfieht, der Fleiß, der so bedeutende Schätze gesammelt hat, mit großem Lobe und Danke anzuerkcnnen, und wird hierdurch dem Werke eine bleibende Stelle in unserer Literatur zugcsichert. (Schluß folgt.) Belletristikches. Esra. Eine Novelle. (Fortsetzung.) 3. Selbigen Tages in den Nachmittagsstunden saß der blinde Vater Naarah's wieder im Schatten eines Baumes im Gärtchen. Aber Naarah war fern, um Bedürfnisse des HauseS einzukaufen, und hatte sorgfältig Alles in die Nähe des Vaters gestellt, was derselbe während ihrer Abwesenheit wol bedürfen könnte. Cs war ringsum still und einsam, und nur einige Vögel zwitscherten aus dem Gebüsche heraus. Da trat jener häßliche Jüngling mit dem brennend rochen Haar wieder zum Mauerpförtchcn herein, durchstrich den Garten und das Haus auf seine geräuschlose Weise, dann kehrte er zu dem Blinden zurück, indem er nunmehr härter auftrat, daß er seine Schritte höre. ,,Wer ist da?" rief der Blinde. „Dein Detter Admod!" lautete die Antwort. „Ich wollte Dich besuchen, um nach Deinem Wohlsein mich zu erkundigen. Ist Naarah nicht zu Hause? Bist Du ganz allein?" „Ja, ich bin allein, und Naarah ausgegangcn, um für den Sabbat einzukaufcn, aber fic wird nicht allzulange verweilen ... ich sehne mich sehr nach ihrer Heimkehr..." „Nun, da bin ich ja ganz zur rechten Zeit gekommen, um Dir die Zeit ein Wenig zu verplaudern...." „Du bist mir immer willkommen...." Der rothe Admon begann nun ein ziemlich glcichgiltigcs Gespräch, und kramte dabei allerhand Neuigkeiten aus, welche den Blinden, der, wie alle Leidenden seiner Art, um so neugieriger war, je mehr er von der Außenwelt abgeschlossen war, sehr zu unterhalten schienen. Endlich begann Admon: „Nun, man erzählt ja auch, daß der Priester Esra recht oft Dich und Deine Tochter besucht — ist da Etwas daran? Ich habe ihn hier doch noch niemals getroffen?^ „Allerdings ist es wahr, und wie sein Besuch uns ehrt, so beglückt er uns auch. Sind wir ihm doch auf das Dankbarste verbunden. Hast Du nicht erfahren, wie er mich und Naarah aus der Hand des Pöbels gerettet hat, als mich neulichst die Lust, das Wort des Herrn zu hören, angetricben, mich in die Versammlung des gelehrten Maßejah führen zu lassen, der da, was in der Lehre Mosche's geschrieben steht, arammisch vorträgt und erklärt? Ha, als ich tief befriedigt von den Worten deS weifen Lehrers, den Rückweg angetrcten, auf Naarah'S Arm gestützt, kam uns ein Trunkener entgegen und verhöhnte mich armen, blinden Mann, und bald sammelte sich der Pöbel um uns her, und von den Schimpfwörter: kam cS zum Stein- und Kotbwcrfcn auf uns Wehrlose. Da erschien Esra, der den Auflauf von dem Dache eines Hauses gesehen, und theilte den Haufen, und gebot ihm als Staarsschrciber im Namen des Königs auseinanderzugehen, und als dies Nichts helfen wollte, zog er sein Schwert und trieb die Nächsten vor sich her, bis eine Wache hcrankam und den Platz leerte. Dann führte er uns. die zum Tode Erschreckten, nach unserm entlegnen Häuschen." „Nun, was habt Ihr denn dem glücklichen Manne zum Danke dargebracht?" „Wir? Ihm? ... Mache Dich nicht lächerlich.... Hat er doch seitdem tausend feine Aufmerksamkeit für mich geübt...." „Nun, und — Naarah?" keuchte Amon mühsam heraus. „Nun ja — was soll ich es verbergen — unser Glück ist noch größer, Esra hat um Naarah bei mir angchalten, und ich habe sie ihm zugesagt, und so sind sie verlobet, und Gott —" „Halt ein! ... Wart' noch ein Wenig — und hast Du recht daran gcthan, uns, Deiner Sippschaft, gar Nichts davon mittheilen, uns weder vorher um Rath zu fragen, noch nachher Kcnntniß zu geben? Du bist ein Blinder seit Jahren, und kennst die Dinge nicht, die um uns her vor sich gehen — und ich bin doch nach Deinem einstigen Heimgang Naarah's nächster Verwandter...." „Das ist Alles wahr ... aber habt Ihr Euch denn seit langer Zeit hier blicken lassen?... und dann, Esra wollte kein großes Gerede haben, er wollte es nicht verheimlichen, er wollte aber auch keinen feierlichen Lärm davon machen .. . und mir war daS auch recht...." „Das mag sein, darin liegt aber auch die Thorheir.