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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-03-28 · Heft 14 (28.3.1853) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 14 (28.3.1853)
Date
1853-03-28
Page
Seite 175 (sequence 11)
Language
German
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175 Wenn so ein großer Herr die blutarme Tochter heirathen will, dann macht man ja Lärm ... damit .. „Nun, damit? ..." „Damit er nicht so leicht wieder zurücktreten kann, wenn er dcS Dinges überdrüssig ist...." „Admon!" fuhr der Blinde auf. „Nun ja, so Etwas ist doch möglich — so Etwas hat man doch schon gehört. ..." „Ha, Admon, Du kennest Esra nicht — seinen hohen, erhabenen Charakter, seinen edcln Geist, seine tiefe Kenntnis des Wortes Mosche'S und der Propheten, seine große Einsicht, seine Liebe — —" „Nun ja, er ist ein Engel auf Erden — aber vielleicht war Naarah zu freundlich, zu entgegenkommend gegen ihn-" „Was? wie? was willst Du, Admon? Du willst was sagen, und doch nicht damit 'raus —" „Nun, Du bist blind und kannst nicht sehen, was vorgeht, in Deiner nächsten Umgebung nicht. . .." „Nun, was soll ich denn sehen können?... Du willst doch nicht meine Naarah schmähen, Bösewicht?..." „Still doch, Alter! wer will Naarah schmähen, ich am Wenigsten, denn Du weißt, wie sehr ich sie seit ihrer frühesten Kindheit liebte, und noch... Admon drückte die geballte Faust auf das Herz, dann grinste er fürchterlich, und fuhr fort: „Aber, ich will cs Dir nur sagen — Esra will gern wieder des Verlöbniffes ledig sein._" „Wie? was?" rief der Blinde erbleichend, „Du lügst, Du willst mich tödten... . Hat er Dich etwa hicrhcrgescndet. . ." „Nein, Vetter! ich bin zum Kuppler zu gut, aber auch um eine Absage zu überbringcn. Doch ich will Dich und mich nicht länger quälen, ich will Dir Alles sagen: Esra giebt vor, nach Jerusalem wandern zu wollen, um dort Juda wieder herzustellen, ich sage: er giebt es vor — um die Verbindung mit Naarah brechen zu können...." „Jerusalem — giebt vor — heiliger Gott der Heerscharen —" „Ja, er giebt vor, denn in der That macht er gar keine Anstalten. Er sagt, er will an den Rosch Haggola und die Szeganim eine Aufforderung richten, ob sie einen neuen Zug nach Jerusalem ordnen wollen; er sagt, er will den König um Erlaubniß angchen; er sagt, er will eine allgemeine Gcldsammlung veranstalten; was sagt er noch, was er will — aber nicht das Geringste thut er — denn er stellt sich nur so, um von Euch loszukommen..." Der Blinde hatte athemlos auf die Wotwe deö rothcn Mannes gehört, bei jedem Satze hatte er sich mehr und mehr aufgerichter; da sprang er in die Höhe und auf die Stelle hin, wo Admon gestanden, um diesen zu ergreifen, um sich von der Wirklichkeit eines Menschen zu überzeugen, aus dessen Munde solche Worte kämen — und als er so vorwärts stürzte, und nur in's Leere griff — denn Admon war längst ausgewichcn und im Gebüsche vrrschwunden — und nichts weiter vermochte, als: „Naarah! Naarah! geliebte Naarah!" im Tone höchster Verzweiflung zu rufen... „Komm, Naarah, wo bist Du?" da trat eben Esra zur Gartcnthüre herein, und eilte bei dem Hilferufen des Blinden auf diesen zu. „Vater! Was ist? Was rufst Du? wo ist Naarah? Was ist geschehen? . .." Als der Blinde diese Stimme und diese Schritte vernahm, da blieb er stehen, und suchte sich in Etwas zu fassen. „Ist das nicht Esra?" stieß er endlich heraus. „Allerdings bin ich es, Varer! Beruhige Dich, was ist es, was Dich so entsetzlich aufgeregt hat? Wo ist Naarah?" „Sic ist nicht daheim, sie ist ausgegangen, sie wird gleich zurückkehrcn," keuchte der arme Mann, „ha! die Schlangt, die unter den Blumen des Gartens kroch...." „Eine Schlange? wo ist sic? um Himmel! sie hat Dich doch nicht gebissen ... sprich, was war's für eine Schlange." „Ob sic mich gebissen! es war eine rothe Schlange, aber eine Schlange, die nur mir dem Geiste im Staube kriecht — nicht mir dem Leibe — o cs giebt solcher Schlange mehre... ." „Varer, beruhigt Euch — Du hast wol nur geträumt." Und Esra ergriff des Blinden Hand, und führre ihn zu seinem Sitze zurück; er ließ sich stöhnend darauf niederfallcn. „Geträumt — warum nur geträumt? und wenn nur geträumt — warum erwachen? Doch halt! Esra, hierher — sprich, aber bei dem heiligen Gotte der Heerscharen die Wahrheit!... ist es wahr, daß Du den König um Erlaubniß angegangen, einen neuen Zug nach Jerusalem anzuordnen?" „Nein?" „Ist cö wahr, daß Du den Rosch Haggola angegangen, zu demselben Zwecke?" „Wie? wer sagt dies?" „Ich frage Dich, und Du sollst mir antworten." „Nun wohl, nein!" „Aber es ist wahr, daß Du sagst, Du wollest nach Jerusalem ziehen...."

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