Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 14 (28.3.1853)
- Date
- 1853-03-28
- Page
- Seite 172 (sequence 8)
- Language
- German
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172 Nein, er zog sich in die Nischen Demuthsvoll zurück und bang. Und man sah ihn Thränen wischen Heimlich sich von Aug' und Wang'. Zn die Freude der Vollendung Mischte ihm ein Gram sich ein; Gen deS Volkes reiche Spendung Dünkt sein Thun ihm winzig klein: „Alle brachten ihre Gaben Zu deS Zeltes Pracht und Zier! Männer, Weiber, Kinder haben Alle ihre Namen hier! Fürsten brachten Edelsteine Zu des Hohenpriesters Kleid; Frauen Kunstgewebe, feine. Und ihr liebstes Prachtgeschmeid Männer haben aller Orten Stoff im Ueberfluß geweiht; Künstler mit dem Stoffe paarten Zhre Kunstgeschicklichkeit: Zch nur könnt' mit gar NichrS schmücken Dieses heil'ge StiftSgezelt! Warum könnt' eS mir nicht glücken Dir zu weihen, Herr der Welt?" Horch! da ist ein Ruf erschollen Aus dem Heiligthum hervor; Gottes Ruf, des Liebevollen, Zu des treuen DienerS Ohr: „Sprichst du doch in meinem Namen Zu dem Volk in diesem Raum! Streuest hier doch aus den Samen Zu des Glaubens starkem Baum! Sind die Lehren und Gesetze, Die du hier dem Volk gelehrt. Mehr doch als die größten Schätze, Mehr als Kunstgebilde werth!" Literarifcbe dtachrichten. Dresden, 14. März. Ein im Verlage von W. Po scheles in Prag so eben erschienenes Heft „Sippurim' hat insofern einiges Interesse hier erregt, als cs daS Leben eines Mannes, der lange Zeit Mitglied der hiesigen israelitischen Gemeinde war und vielen älteren Männern noch persönlich bekannt ist, in romantischem Gewände schildert. Es ist der sonst wohl auch bekannte Baron Eubeschütz (nicht Eubenschütz), ein Sohn des berühmten Rabbi Jonathan Eubeschütz. Kann man nun zwar von einem Romanschriftsteller nicht verlangen, daß er die Lebensumstände des Helden genau darstelle und mag die licentia poetica wohl häufig dabei geltend gemacht werden können, so darf er doch nicht ganz unrichtige Thatsachen hinstellen, die gar nichts zur Verschönerung seines BildeS nützen und darf nicht solche Momente weglaffcn, die gerade im Stande wären seine Darstellung interessant zu machen. Der Verfasser muß das Leben des von ihm Geschilderten aus den vorhandenen Quellen studiren und daraus mit UrtheilSkraft ermessen, was er davon aufnehmen oder modisiziren soll. Leider scheint dies im vorliegenden Falle nicht geschehen zu sein. Das Leben des Baron Eubeschütz bietet eine reiche Quelle dar, für romantische Vorstellungen z. B. sein Auftreten als Pseudomesfias, seine Nobilisirung unter Maria Theresia, seine Verbindung mit Cagliostro, daS noch nicht ganz enthüllte Verhältniß der Familie Eubeschütz zu dem Sabbathäismus u. s. w.; von Allem diesem findet man nichts in der eingangsgedachten Erzählung. Dahingegen manche unrichtige Auffassungen und Thatsachen. — So waren weder R. Jonathan noch sein Sohn in den Jdeenganz Mendelssohns so eingedrungen wie dort geschildert wird. Baron Wolf (nicht Joseph) Eubeschütz war von seiner Ankunft in Dresden an, selbst als er noch nicht orthodox lebte, stets bei der ganzen Gemeinde als Sohn des R. Jonathan bekannt; seine ganze Familie lebte ja längst hier. Er war vielmehr von je her immer als großer Wohlthäter bei den Armen beliebt; man wendete sich auch häufig an ihn, um durch seine Vermittelung manche Milderung in den jüdischen Zuständen zu erwirken. Dies geschah Alles zu der Zeit, wo er noch in Saus und Draus lebte; denn nachher hörte auch sein intimes Verhältniß zu den Großen ziemlich auf. In der ganzen Erzählung ist eigentlich nichts der Wahrheit entsprechend, als sein angeblicher Traum, worin ihm sein Vater erschienen sein soll. Daß er dadurch von einer Heirath mit einer Christin abgehalten worden sei, ist indessen nicht bekannt; blos ist gewiß, daß er am folgenden Tage den alten Synagogendiener kommen ließ und ihn bat, ihn mit Zizit und Tephillin zu versehen, worauf er als Be-