Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 14 (28.3.1853)
- Date
- 1853-03-28
- Page
- Seite 171 (sequence 7)
- Language
- German
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171 wollten nach Palästina. Nun, jetzt ist ja die Periode allgemeiner Auswanderung, aber keine Klasse wandere weniger aus als die Juden —" und Ruffel'S: „Wenn man zugebe, wie die Opposition gethan, daß kein politischer Grund gegen die Juden spreche, so bekenne man sich zum Prinzip der Religionsverfolgung. Er wisse, vom prinzipiellen Standpunkt, keinen Unterschied zwischen den Feinden der Judenemanzipation und den Verfolgern Madiai'S." — Die Majorität ist von 29 auf 51 gestiegen. — Am 14. ging die Bill durch daSKomitv und ward die dritte Lesung trotz Widerspruchs der Opposition auf den 18. festgesetzt. — Der Hebr. Observ. bringt die Nachricht vom Tode deS Rev. David Meldola, Vorsitzendem Rabbi der spanischen und portugiesischen Juden in London. Er verstarb am 2. im obsten Lebensjahre, nachdem er 23 Jahre daS bezeichnete Amt bekleidet hat. Am 4. fand die feierliche Beerdigung statt, bei der Rev. D. Pisa die Leichenrede hielt. *) Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Proben ans einem zn erscheinenden Werke „Midrasch-Poesien" voll M. Stößel. All.es borgt. Wir seh'n, der Tag im Frühling borgt sich von der Nacht, Und Nacht vom Tage borgt, wenn droht des Winters Macht; Wir seh'n, der Mond erborgt den Strahl sich von der Sonnen, Das Meer eS borgt von Flüssen, die ihm zugeronnen; Wir seh'n, die Erde borgt vom Himmel Schnee und Regen, Vom Boden borgt die Pflanze Säfte, sich zu pflegen; Wir Menschen selber find auS Leib und Seel' gewoben. Der Leib entlehnt der Erd', die Seel' dem Himmel droben; Wir seh'n die Dinge all' einander sich versorgen. Die ganze Welt besteh'n durch wechselseitig Borgen: *) Einiges über ihn s. im vor. 3ahrg. S. 275. Redakt. Doch seh'n wir nicht, daß Eins vom Andern Zinsen nähme. Daß Eins des Andern Kraft durch Wucher saugend lahme; Und nur der Mensch allein, das zwiegeborgte Wesen, Mag ohne Zinsen nicht die Noth des Andern losen; Und nur der Mensch allein ist oft so unnatürlich. Und saugt den Nächsten aus durch Wucher ungebührlich. Eine auffallende Aehnlichkeit mit diesem Gedichte, aber zugleich eine außerordentliche Divergenz in der Richtung, treffen wir in dem bekannten Anakreontischen Trinkliede. Ich habe dasselbe übersetzt und will es hier beifügen. Alles trinkt. ES trinkt der Erdenraum Die starken Regengüsse, Die Erde trinkt der Baum, Das Meer es trinkt die Flüsse, Die Sonne trinkt das Meer, Der Mond er trinkt die Sonne: Was wollt ihr Freunde mehr? Laßt trinken mich mit Wonne! Wie ähnlich und wie unähnlich! Mir scheinen die beiden Gedichte neben einander gestellt sehr geeignet, Zudenthum und Heidenthum zu charakterifiren. Dem Iudenthume steht Gott, der Schöpfer, über der Natur; die Natur selbst, die Welt, ist ihm nur eine Vorbereitung zu einem höhern geistigen Leben, eine Schule filr die Ewigkeit; daher die Natur ihm gleichsam als Lehrerin der höchsten Moral erscheint, die ihm stets von Gott und Tugend predigt, und immer zu Gott dem obersten Prinzipe führt: das Heidenthum hingegen suchte Gott in der Natur; die Natur scheint ihm Gott selbst und daher ruft ihm die Natur selbst immer zu: Freue dich! Freue dich! Trost für Prediger. Fertig steht das Prachtgebäude, Kunstgefügt daS StiftSgezelt, Und das Volk in voller Freude Um dasselbe rings gestellt. Wie erst wird sich Mosche freuen, Daß das Werk zu End' gebracht! Jauchzt es nicht im Gottgetreuen Ob des Gotteshauses Pracht?