Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 14 (28.3.1853)
- Date
- 1853-03-28
- Page
- Seite 170 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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170 allgemeinen Versammlung der immatrikulirten Mitglieder der Gemeinde über den Zustand der Gemeinde, Schule u. s. w. abstattet; ich vernehme aber, daß obschon die Versammlung bereits an vergangener Woche stattgefunden hat, mit dem Abdrucken des Berichts noch einige Zeit verstreichen dürfte, und behalte mir lieber vor, wenn dieser Bericht etwas besonders Interessantes für ihr Publikum haben möchte, Solches nachträglich mitzurheilen. So viel mir bekannt ist, hat sich in besagter Versammlung nichts sonderlich Merkwürdiges zugetragen; die aus dem Konsistorium ausgetretenen Mitglieder HH. Lassen und Kassel sind mir allgemeiner Stimme wiedererwählt worden; eS hätte auch wirklich Mühe gekostet, andere bessere oder auch nur ähnliche, das Gute eifriger zu Herzen nehmende Männer zu finden, zumal anstatt des Erstbenannten in seiner Qualität als vorfitzender Armenvorftand. Die Finanzen sollen sich in ziemlich gutem Zustande befinden; auch die Schule ist belobt worden, doch hat man mehrere Verbesserungen damit vor und bezweckt dieselbe zu heben durch Darstellung einer eigenen Klasse für bemittelte Kinder. Es heißt auch — inwiefern dies seine Richtigkeit hat ist mir nicht recht bekannt — daß Herr Ennery, Bruder des neulich in Paris verstorbenen Marchand Ennery, Oberrabbinen deS franzöfischen Konfistoriums, der Mitglied der gesetzgebenden Versammlung war, als welcher er — wegen allzuliberaler oder republikanischer Gefinnungen — Frankreich verlassen mußte, zum Oberlehrer bei hiesiger Schule ernannt werben soll. Neues gehet übrigens in hiesiger Gemeinde wenig vor; eS soll nächstens eine Sammlung Musikstücke mit Orgelbegleitung von unserm verdienstvollen Vorderer Herrn A. Cohn lithographirt erscheinen, welche die allgemeine Aufmerksamkeit verdienen wird. Daß die Orgelbegleitung (durch Nicht-Juden) sür's ganze Jahr längst hiereingeführt, werden Sie schon wissen; sie ist wirklich sehr würdig und hat allgemeinen Beifall; obschon auch das Mittel Nichts gegen den JndifferentiSmuS auszurichten vermag. Sie wissen, daß Brüssel vor 20 Jahren eine der ersten mbrrp war, die Neuerungen eingesührt; man hat damit piano und 8iino fortgefahren, ohne von Wesentlichem etwas abzuschaffen noch umzuändern; beide Feiertage, jährlicher Zyklus, Gebete nur hebräisch u. s. w. sind unberührt geblieben. Der Oberrabbiner thut was zu thun ist, die Gemeinde beharret, er schreitet zeitgemäß fort, man hört andächtig, und das muß doch gut ausfallen. ans :Tnb *07 ■nanb i-PKi » öin .rtrrnn m«n ,73*>7«n ,3*0X3 Doch kann ich nicht umhin Ihnen zu melden, daß der schon öfter in Ihrer Zeitung rühmlichst genannte Herr L. Wiener (gebürtig aus Mastrich, als Belgier naturalifirt), der nach einem mehrfachen Konkurs als Graveur und Medailleur an der königl. Münze und der neuen Bank angestellt ist, feit kurzer Zeit mit dem Ritterorden deS Christ von der Königin von Portugal und mit dem 6e Issbolle Is (Istkoligue von der Königin von Spanien dekorirt wurde. Ein Jude, und zwar Einer der'S recht rsricfto ist und sich in Nichts Toxn -ja *OTis ist, als portugiesischer und spanischer Ritter dekorirt! — Der hiesige Arzt, Professor und Akademiker Di*. Gluge ist neulich mit dem LeopoldSorden dekorirt worden. H. S. Brüssel, 6. März. (Privatmitth.) Am 5. verschied hier im Alter von 71 Jahren unerwartet nach kurzem Krankenlager der I)r. Hartog Tom er hausen, und seine Beerdigung findet am 8. statt. Der Verlust, der nicht blos den hiesigen, sondern auch weiteren jüdischen Kreisen zugefügl ist, wird schmerzlich empfunden werben. *) Großbritauieu. London, 15. März. In der Unterhaussitzung am 11. erschienen die Sheriffs von London und Middlefer in ihrem Amtsornare vor der Schranke des Hauses und überreichten die Petition der City-Munizipalität um endliche Zulassung der Juden im Parlament. Auch Mr. Scholefield und Mr. BaineS überreichten Petitionen derselben Tendenz auS Birmingham und Hüll. Dagegen wurden über 40 ländliche Petitionen — aus lauter Orten, wo keine Juden wohnen — gegen die Judenbill eingebracht. Bei der darauf folgenden zweiten Lesung der Bill haben die katholischen Irländer sämmtlich für die Bill gestimmt. BemerkenSwerth sind die Aussprüche Mr. OSborne'S: „die Bigotterie bilde sich ein, die Juden gehörten und *) Auch wir beklagen den Verlust eines vieljährigen Korrespondenten in ihm. Vielleicht daß die Korrespondenz in No. 11 und in d. No., mit der Unterschrift 8. 8. die letzten Artikel waren, die der Verewigte geschrieben! 1 Red. d. A. Z. d. Jud.