Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 14 (28.3.1853)
- Date
- 1853-03-28
- Page
- Seite 169 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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169 In Betreff des Aufrufes an die Lehrer wegen Ihres BibelwerkS in No. 8, so glaube ich ihnen berichten zu sollen, daß sie hier bereits bedeutenden Raum gewonnen hat. Bei den Prüfungen mit den Privatschülern hatte ich oft Gelegenheit zu sehen, daß Ihre Uebersetzung bereits die früheren verdrängt hat. ES wäre nur zu wünschen, daß die Herren Lehrer auch etwas in den Kommentar hineinschauen. Ich glaube aber noch auf ein Moment in Betreff Ihrer Btbel aufmerksam machen zu sollen, und daS ist auf die Holzschnitte*). In unserer Zeit, wo so viel auf Anschauung gedrungen wird, sind diese gewiß von besonderem Vortheile. Nachdem vorige Woche bereits volle vier Stunden die Vorprüfungen der Schüler und Schülerinnen des provisorischen ReligionSlehrerS Herrn G. Wolf, bei Anwesenheit der Schulkommission und des Herrn Predigers Mannheimer ftaltsanden (Herr Breuer war unwohl), fand gestern die öffentliche Prüfung statt. Alle Herren stimmten darin überein, baß nun die Möglichkeit vorhanden sein wird, daß die Kinder Etwas für daS Leben aus der Schule mitnehmen werden, und daß der hebräische Unterricht seine Früchte tragen werde. In letzter Zeit ging die Sache ganz en cleroute, und die höheren Klassen konnten um so weniger leisten, je unbedeutender der Unterbau war. ZVien, 13. März. (Privatmitth.) Eine Frage bewegt jetzt so manches Gemüth, und sie ist, in welcher Weise die Jugend dem gottesdienstlichen Leben zugeführt werden kann. Der Bruch und Riß, der zwischen Lehre und Leben im Judenthume herrscht, fand früher im GotteShause Ausgleichung. Da stand Alles einigen Sinnes und Herzens. In neuerer Zeit haben sich da so manche Schäden und Lücken gezeigt. Die Liturgie im hiesigen Tempel ist hebräisch und doch hat nur ein sehr geringer Theil einen Begriff vom Hebräischen, und ich möchte behaupten, noch ein geringerer Theil hat das Gebetbuch auch nur ein Mal in seinem Leben praktisch durchgelesen. Es stellt sich daher die Nothwendigkeit heraus. Etwas zur Förderung des gottesdienstlichen Lebens zu thun, wenn nicht die Gefahr bevorstehen soll, daß *) Die Holzschnitte (über 500) meines BibelwerkS enthalten keine Phanrasiebilder, sondern landschaftliche Ansichten, narurhistorische Gegenstände und besonders antiquarische Abbildungen. Dr. P h. eines Tages der Tempel mit seinen Einrichtungen für die Besucher ein verschlossenes Buch sein soll. Insbesondere stellt sich diese Nothwendigkeit für die studirende Jugend heraus, und jedes Kind hier besucht öffentliche Schulen — mit Ausnahme der baute volee, die aus anderen Gründen die Kinder nur bei den seltensten Anlässen in den Tempel schickt. Die studirende Jugend, die während des Gottesdienstes an Sabbaten und Feiertagen Schule hat, besucht Letztere statt des Tempels. ES gäbe da freilich ein Auskunftsmittel, die Liturgie dem integrirenden Theile nach aus deutschen Gebeten bestehen zu lassen, dagegen aber sind nicht nur die Konservativen, sondern, wie ich Gelegenheit hatte mich zu überzeugen, selbst diejenigen, die außerdem nur sehr feiten im Judenthume stehen. Ich hörte von Solchen sprechen: Wenn ich schon einmal im Jahre deren will, so stimmt mich das Hebräische viel andächtiger. Um diesem Riß Einhalt zu thun, hat man in neuester Zeit in den unteren Volksschulklassen die wichtigsten Lesestücke aus dem Gebetbuche zum Gegenstände des Religionsunterrichtes gemacht. ES läßt sich auch hoffen, daß wenn einmal in der Volksschule ein guter Grund gelegt wurde, dieser auch auf dieses Gebiet wirken wird; — nichtsdestoweniger glauben wir, wäre es sehr wohlthätig, wenn man für die studirende Jugend an Sabbaten und Feiertagen eine Stunde, die nicht mit den Lehrstunden kollidirt, zum Gottesdienste bestimmen würde. Wir müssen nur noch bemerken, wenn wir hier bloö von Sabbaten und Feiertagen sprechen, so geschieht eS aus dem Grunde, weil wir wol die Unmöglichkeit einsehen, daß der Gottesdienst täglich besucht werde. Die Juden wohnen hier sehr zerstreut, dazu nur zwei Gotteshäuser in der Stadt; endlich die Gebetstunden auf eine gewisse Zeit beschränkt, die in großen Städten mit dem ganzen sozialen Leben im Widerspruch stehet. Belgien. Brüssel, Anfang März. (Privatmitth.) Ich habe mit meinem Schreiben einige Tage zögern wollen, in der Hoffnung, Ihnen zugleich die Uebersetzung oder den Auszug mittheilen zu können von dem jährlichen Bericht, welchen daS Konsistorium hierselbst der