Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 13 (21.3.1853)
- Date
- 1853-03-21
- Page
- Seite 162 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Anspruch genommen, von der zahlreiche« Sippschaft umgeben, von zahllosen Bekannten befragt und wieder befragt, noch lange nicht zu sich selbst gekommen sein wird, um der Braut des Bruders den geziemenden Besuch abzustatten." Es trat eine kleine Pause deS Stillschweigens zwischen den drei Anwesenden ein. Dann hob Esra an: „Meine Naarah, halte meinen Bruder nicht für böse, halte Dich überzeugt, daß er voll Liebe gegen mich, und sicher auch bald für Dich ist_aber, komm' in den Garten, wir wollen mit einander sprechen — in der Laube dicht am Fenster, wo die Stimme deS VaterS Dich stets erreichen kann._" Naarah rückte dem Vater ein Kiffen zurecht, auf daS er fein Haupt zum Schlummer legte, faßte dann Esra's Hand, und folgte diesem in die Laube.... Hinter dem Gebüsch der Laube war ein Mann versteckt, ein junger, aber häßlicher Mann, mit brennend rochen Haaren. — „Naarah," hob Esra an, „Du fürchtetest Dich vor meinem Bruder, warum? sag' eS mir... „Warum, Esra? Ich weiß nichts Bestimmtes zu sagen, als, weil ich die Besorgniß fühlte, daß er zwischen unsre Liebe treten und unS trennen würde... „Naarah, diese Besorgniß ist nicht ohne Grund...." „Wie?" schrie Naarah auf, „wie? Esra, Hab' ich recht gehört? .. „Za, Naarah, aber nicht so, wie Du vermuthetest ... ach, viel ärger. —" „Aerger, Esra . . ." stieß Naarah mühsam aus, „und Du sagtest, er würde mich lieben... ." „Za, Naarah, und es ist dies Alles wahr. Nein, Schemajah wagt nicht meine Liebe anzutasten, selbst wenn er es wollte. Aber sicher er will eS nicht, und warum sollte er e^? Aber, Naarah, Schemajah verlangt . . ." und Esra'S Stimme erhob sich feierlich — „er verlangt im Namen des Ewigen, im Namen Seines heiligen Dienstes, im Namen deS Volkes Juda, im Namen des PrietzerthumS AhronS, in daS wir durch die Geburt gewürdigt find, ... er fordert mich auf, nach dem in den Staub gedemüthigten Jeruschalajim zu gehen, und es aus dem Staube zu erheben._" „O, Esra ... daS ist Trennung, Trennung auf immer, das ist Tod... „Nicht doch, Naarah ... Trennung auf Jahre . . ." „Nein, nein, Esra.... Wenn Du zu solchem Zwecke nach Jeruschalajim gehst, dann bleibst Du Jahre, viele Jahre dort ... dann kehrst Du nie wieder zurück ... denn solches Werk ist das Werk eines Menschenlebens ... dann mußt Du mein vergessen_dann wirst Du mein vergessen ... eS ist die Trennung auf immer ... eS ist der Tod...." DaS Mädchen fiel trostlos an die Brust Esra's; Esra selbst sank trostlost in sich. Da sprang fie plötzlich auf. „Schemajah verlangtS, Schemajah sordertS — nun, und Du ... willst Du ihm denn gehorchen, oder nicht? Esra, sprich: und Du? ..." „Naarah," antwortete dieser nach einigem Zögern, „Du hast mich kennen gelernt, Du kennest die Schwere, mit der ich zu einem festen Entschlüsse komme, wenn verschiedene Empfindungen mich ergriffen haben — Du kennest aber das Eine, was mich ganz beherrscht: die Wahrhaftigkeit. Und so laß mich offen sagen: ich bin noch nicht entschlossen. O, in mir tönt eS: geh! dein Gott und dein Volk ruft dich, eile, bevor ein Anderer dieS hochherrlichste Werk ergreift und eS vielleicht verdirbt, eile, eh' es zu spät ist ... aber auch eine andere Stimme ist wach in mir, die da rufet: bleibe, denn eS gilt daS Glück deines Lebens und deiner Naarah — und auch hier, in der Nähe deS Königs, in hohem Amte kannst du Gutes thun deinem Volke.... Siehe, darum bin ich zu Dir gekommen, um Dir klar und offen zu legen, was mein Herz zerreißt und meinen Geist zerstört nun feit vierundzwanzig Stunden ... eS ist ein schwerer Kampf, und Du, Naarah, sollst mir ihn kämpfen helfen. —" Naarah faßte sich. „Gut, Esra, ich will ihn Dir käurpfen helfen; aber eben so offen sage ich Dir: ich bin die Gegnerin Deines Bruders! Ich trete nicht auf die Seite JeruschalajimS_ich sage: bleibe hier, wirke hier, schaffe hier.... Und willst Du wissen, warum? Zuerst well ich Naarah bin, weil ich Dich liebe, und zum Tode unglücklich sein, ja bald schwinden werde, wenn Du mich verlässest ... und weil Du mich liebst, und mag Deine Zukunft sein, so glänzend und erfolgreich wie fie will. Du unglücklich und trauernd sein wirst Dein Lebenlang, wenn Du mich verlassen hast ... aber nicht allein hierum, sondern auch_weil Du zu dem Werke nur theilweise, nicht ganz berufen, nur theilweise, nicht ganz befähigt bist...." Esra fuhr auf, und sein Antlitz röthete fich. „Wie meinst Du das, Naarah?..." „Esra, wenn das nicht wäre, so würdest Du keinen Kampf kämpfen, so würde der Gedanke, Deines BolkeS Retter, Juda'S Erheber, ein zweiter Mosche zu sein, wie ein Blitz Deinen Geist entzündet, und wie ein Blitz alle